Echt westfälisch

Inmitten der vielseitigen Wanderregion Teutoburger Wald, umgeben von hügeligen Wäldern und Wiesen, versteckt sich die heimliche Käsehauptstadt Deutschlands. Menne’s Schaukäserei erlaubt einen Blick hinter die Kulissen der Nieheimer Käseproduktion.

Text und Fotos: Franziska Peschel

Atmen Sie tief durch. Dann riechen Sie es.“ Gesagt, getan – ein Fehler. Schon beim unwillkürlichen Hochziehen der Nasenflügel wird klar, das war keine gute Idee. Zwar gleicht ein volles Lager mit Käsesorten jeder Couleur zweifels­ohne dem Paradies. Doch für Träger eines Riechorgans wird das Himmelsgeläut beim Eintritt in Mennes Schatzkammer leicht gedämpft. Was Thomas Menne mit seiner Aufforderung jedoch eigentlich meint, ist nicht der Käse, sondern das Bier. „Dieser Käse“, er zeigt auf einen Laib mit auffällig dunkelbrauner Rinde, „wird regelmäßig mit Nieheimer Bürgerbier eingerieben.“ Eine Fusion aus Milch und Bier also: ein wahres Nieheimer Original. Der eigentliche Nieheimer Käse hat mit Bier jedoch nichts zu tun. Auf der Suche nach den mattgelben Talern siegt die Neugier über die Empfindsamkeit der Nase, und ich zwänge mich staunend durch die dicht stehenden Regale voll mit weißen, gelben, orangen und braunen Laiben. „Der Nieheimer Käse reift nur vier bis fünf Tage“, erklärt Thomas Menne. Ihn finde ich im Lager also nicht. Lohnenswert war der Ausflug in die letzte Reihe trotzdem. Die kleinen, mit Kümmel gespickten Taler entdecke ich im Hofladen, wo sie zur Verkostung und zum Verkauf angeboten werden. Durch eine Scheibe können Besucher von hier aus den Käsern bei der Arbeit über die Schulter schauen. Was den Nieheimer Käse ausmacht, ist neben der Herstellungsweise der Ort. Denn er trägt das EU-Siegel der geschützten geografischen Angabe.

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Sechs Wochen reift der Nieheimer Bürgerbierkäse in Mennes Lager.

Verlässt man Mennes Nieheimer Schaukäserei, hält der umliegende Laubwald Einzug in alle Sinne. Eine hügelige Landschaft aus Wiesen, Weiden und Wald umgibt die beschauliche Ackerbürgerstadt Nieheim mit ihren prägenden alten Fachwerkhäusern. Verständlich, dass Thomas Menne sich dieses idyllische Fleckchen Erde als Standort für sein Unternehmen ausgesucht hat. Im Jahr 2004 wurde die Käserei für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Idee dazu ist unter dem Dach der Museumsmeile geboren worden, die zwei Jahre später ihre Pforten öffnete – und prompt mit dem Deutschen Tourismuspreis für Innovation ausgezeichnet wurde. In den liebevoll restaurierten Bauernhäusern des Westfalen Culinariums sind die vier Grundnahrungsmittel der Westfalen ausgestellt: Brot, Schinken, Bier und natürlich Käse.

Von der Kuh zum Käse

Das Käsemuseum erläutert sozusagen von der Kuh an die lange Geschichte, die Nieheim an den Käse bindet. Musterstück ist die etwa drei Meter lange Flechthecke, ein „lebender Zaun“, der vor gut hundert Jahren die Kühe im Zaum gehalten hat. Ein letztes Exemplar lässt sich auch außerhalb der alten Fachwerkmauern auf dem Milchweg bestaunen. Der Rundwanderweg um Niehiem verbindet die wichtigsten Etappen von der Kuh zum Käse. Bei der fünf Kilometer langen Wanderung durch das idyllische Weideland, vorbei an der letzten Nieheimer Flechthecke, und durch die Gassen von Nieheim werden Wanderer auch mit Mennes Kühen per du. Als Käsehauptstadt gilt Nieheim auch wegen des renommierten Käsemarktes, dessen stolzer Gastgeber der Ort alle zwei Jahre ist. Bereits um 1900 fand er statt, wie ein Gemälde im Culinarium zeigt. In den Gassen rund um das alte Rathaus bieten Händler und Bauern über 400 Käsesorten feil, alle aus Handarbeit. „Von Skandinavien bis Italien, von Portugal bis Osteuropa: Wenn Käsemarkt ist, kommen sie alle“, wirbt Museumsführer Gerhard Schütze für sein Juwel. Vom 2. bis 4. September dieses Jahres feiert der Deutsche Käsemarkt Jubiläum. Zum zehnten Mal seit der Wiedereinführung reichen sich Milchbauern und Käsegourmets die Hand, unter ihnen auch Thomas Menne.

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Thomas Menne präsentiert im Hofladen seiner Schaukäserei den Nieheimer Käse.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 05 / 2016

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