Deutschlands grünes Herz

Die Nationalen Naturlandschaften Thüringens sind ­außergewöhnlich und facettenreich. Keines dieser acht ­geschützten Gebiete gleicht dem anderen. Für ­Besucher gibt es zahlreiche Kleinode zu entdecken, die eines ­gemeinsam haben: besondere Natürlichkeit.

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Blick auf den Naturpark Thüringer Wald. Er erstreckt sich über das Gebiet rund um den Rennsteig.
© Thüringer Tourismus GmbH

Text: David Vinzentz

Weltweit gibt es über 600 Biosphärenreservate auf der Welt. Sie liegen am Meer, im Hochgebirge, in der Wüste, in Steppen, Flussdeltas, umfassen Inseln und Marschland. Ziel ist es, weltweit ­traditionelle Kulturlandschaften durch nachhaltige Nutzungen zu erhalten und weiterzuentwickeln. Mit dem Vessertal und der Röhn hat Thüringen gleich zwei dieser bedeutenden Naturräume, die von der UNESCO ausgezeichnet wurden. Das Vessertal mit seinen bergigen Buchen- und Fichtenwäldern und dem wilden Flusslauf der ­Vesser zeichnet sich durch einen ­hohen Waldanteil von fast 90 Prozent aus. Die drei höchsten Berge des Thüringer Waldes, der Große Beerberg, der Schneekopf und der Große Finsterberg, liegen in seinem Gebiet. Tief eingeschnittene Täler, wie das Vessertal, das Nahetal und das Schortetal, geben der Landschaft ihr charakteristisches Gepräge. Die Talgründe der großen Täler sind seit Jahrhunderten ­gerodet und werden von artenreichen, landschaftlich reizvollen Talwiesen eingenommen. Dazu kommen die im Wald eingestreuten Bergwiesen. Die in den Ortsfluren anzutreffenden Acker­terrassenkomplexe werden heute als Grünland genutzt. Traditionelles Handwerk und Brauchtum sind überall in den kleinen ­Museen und Dörfern zu erleben. Das Biosphärenreservat Rhön umfasst den gesamten Kernbereich des Mittelgebirges in Hessen, Bayern und Thüringen. In dieser Kulturlandschaft vulkanischen Ursprungs leben zahllose Tier- und Pflanzenarten, viele von ihnen sind gefährdet. Ziel des Biosphärenreservates ist es, die Vielfalt und die Qualität des Gesamtlebensraumes Rhön zu sichern, und dies unter Einbeziehung von ortsansässiger Landwirtschaft, Naturschutz, Tourismus und Gewerbe.

Größtes ­Laubwaldgebiet Deutschlands

Der Nationalpark Hainich ist der einzige Natio­nalpark Thüringens überhaupt und zudem seit Juni 2011 auf der UNESCO-Liste der Weltnaturerben. Hier gibt es das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands. Genau dieses lässt sich auf dem ungefähr 500 Meter langen und 44 Meter hohen Baumkronenpfad bestaunen. Unter dem Motto die „Alten Buchenwälder Deutschlands“ zählen neben dem Hainich vier weitere schützenswerte ­Buchenwaldgebiete in Deutschland dazu. Ziel des Parks ist es, wieder einen mitteleuropäischer Urwald entstehen zu lassen. Die Flächen sollen nicht bewirtschaftet und der Natur freien Lauf gelassen werden. In Zukunft wird sich hier der Buchenwald auf den meisten der Flächen durch­setzen, und somit wird auch eine der Forderungen des internationalen Naturschutzes erfüllt: Ein typischer Lebensraum ­Mitteleuropas wird geschützt! Der ­Buchen-Urwald Heinich gehört zudem zum Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal, der aus den drei Landschaften besteht. Das Gebiet liegt im Nordwesten Thüringens und lockt mit faszinierenden Naturräumen. Das von tiefen Tälern durchschnittene Eichsfeld ist von Klippen und Muschelkalkplateaus geprägt. Artenreiche Laubwälder dehnen sich hier ­beeindruckend aus. Im Werratal gibt es die steilen Felswände zwar auch, immer wieder finden sich jedoch seicht Hügellandschaften mit bunten Wiesen ­bedeckt.

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Das UNESCO Biosphärenreservat Vessertal-Thüringer Wald ist bekannt für eine enorme Artenvielfalt, schöne Ausblicke und herrliche Bergwiesen.
© Thüringer Tourismus GmbH

Kraniche und Mopsfledermaus

Der Naturpark Kyffhäuser verbindet ­Natur und Kultur. Die mittelalterliche Burg­ruine der Reichsburg Kyff­hausen thront auf dem Kyffhäuser Burgberg. Auf diesem Gelände steht übrigens auch das zweitgrößte Denkmal Deutschlands – das Kyffhäuser-Denkmal mit 81 Metern Höhe. Eine beeindruckend vielfältige ­Vogelwelt befindet sich im Norden des Naturparks am Stausee Kelbra, der als international ­bedeutsames Rückzugsgebiet für Vögel unter Schutz steht. Zahlreiche Enten, Watvögel, Lappentaucher, ­Rallen, Höckerschwäne, Kormorane ­sowie See- und Fischadler ziehen Vogelkundler aus der ganzen Welt an. Bis zu 10.000 Kraniche rasten hier während des Vogelzuges. Ganz im Norden Thüringens befindet sich der Naturpark Südharz. Hier finden Wanderer und Naturfreunde den Kontrast von grüner Landschaft und steilen Höhen vor. Imposante Felsformationen, tiefe Karstwälder, Höhlen und Quellen vermischen sich hier zu einem abwechslungsreichen Landschaftsbild. In den vielen ­Höhlen leben zahlreiche Fledermausarten wie etwa die Mopsfledermaus. Kulturhistorische Schätze wie die Burgruine Hohnstein oder das Schloss Heringen zeichnen ­ebenfalls die Region aus.

Land der tausend Teiche

Zwischen den Wäldern des Rennsteigs und den Burgen der Saale liegt der Naturpark Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale. Hier beeindruckt das „Thüringer Meer“, wie die beiden Stauseen Bleiloch und Hohenwarte auch genannt werden, das Schieferabbaugebiet um Lehesten, in dem einst das blaue Gold gewonnen wurde, und das „Land der tausend Teiche“ um Plothen – heute ein international bedeutsames Vogelschutzgebiet. In den ehemaligen Schieferbrüchen finden sich heute grüne Biotope. Beeindruckend ist auch das Naturdenkmal – ein unter Naturschutz gestelltes natürliches Landschafts­element – „Steinerne Rose“. Dabei handelt es sich um ein Vulkanit-Gestein, das vor etwa 390 Millionen Jahren aus einem untermeerisch ausgeflossenen Lavastrom entstanden ist. Teil des Naturparks Thüringer Wald ist der Rennsteig, der älteste Weitwanderweg Deutschlands mit circa 170 Kilometern. Die Landschaft ist geprägt von tiefen Fichtenbergwäldern, blühenden Bergwiesen und verträumten Dörfern. Die ausgedehnten Wälder bieten Rückzugsmöglichkeiten für große Populationen von Großwild wie Rothirsch, Reh und Wildschwein, für Rotfuchs, Dachs, Eichelhäher und Waldkauz. Kulturbegeisterte kommen hier ebenfalls auf ihre Kosten: Eisenach lockt mit der Wartburg sowie Bach- und Lutherhaus, Schmalkalden mit ­historischen Fachwerkhäusern.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 06 / 2016

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