Bodensee: Die Große Freiheit

Auch im Süden lässt sich frische Seeluft schnuppern. Mit dem SeeGang eröffnete der erste qualitätsgeprüfte Weitwanderweg am Bodensee. Zwischen Konstanz und Überlingen wogt er an den Ufern des Überlinger Sees auf und ab.

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Vom Skandal zum Wahrzeichen: Peter Lenks Imperia prangt wie Neptuns Dreizack vor der Hafeneinfahrt von Konstanz.
© Beate Wand

Text & Fotos: Beate Wand

Mal rückt nur der leicht dunstige, mit hellgräulichen Wolken gespickte Himmel ins Gesichtsfeld. Dann saust der Blick die Waldflanke des Bodanrücks hinunter, gleitet an Segelbooten vorbei übers kräuselige Wasser und landet im Schilf vor meinen Füßen. Gleich wieder vor – zurück, hin und her. Eine dieser herrlich wellenförmigen Wanderliegen schwingt an langen Ketten von einem Holzgerüst. Neben Gebüsch, hinter dem sich der Naturhafen „Im Löchle“ verbirgt. An der Spitze des Überlinger Sees, der zwischen Konstanz und Meersburg aus dem Obersee nach Nordwesten fingert. Von hier schaut man den ganzen Arm hinunter: Wasser bis zum Horizont, eingerahmt von steil abfallenden Hängen. Der Molasserücken auf der Landzunge Bodanrück neigt sich auf der südwestlichen, der Sipplinger Berg an der nordöstlichen Seite in den See. Bei klarer Sicht sollen sich ganz hinten sogar die Alpen zackeln.

Die Schaukel am Ufer möbliert den SeeGang zwischen Ludwigshafen und Bodman. Erst seit rund einem Jahr halten Schilder mit stilisiertem Bodensee auf orange-rotem Grund Wanderer auf Kurs, die den qualitätsgeprüften, 53 Kilometer langen Weitwanderweg von Überlingen nach Konstanz oder umgekehrt beschreiten. Dabei umrunden sie einen Großteil des fjordähnlichen Seitenarms, klettern auf kuppige Hochplateaus mit weitem Seeblick, knabbern Kirschen vom Wegesrand, kühlen die Füße oder gleich den ganzen Körper im See ab. Und staunen über Kraft und Beharrlichkeit des Wassers, mit der es Schluchten in die feinkörnigen, weichen Sandsteine der Molasse getrichtert hat. Besonders eindrucksvoll am Spetzgarter Tobel und in der Marienschlucht.

Erde kämpft mit Wasser

Doch die Natur – frei und ungezähmt wie sie ist – beschert dem SeeGang in seinem ersten Jahr an Land stürmische Zeiten: Zu viel Regen tränkte die Erde im Frühjahr, sie flüchtete fließend. In den Steillagen rutschte Boden ab, riss Bäume und Sträucher mit, vergrub Wege und Stege der szenischen Leuchttürme in den Tiefen des SeeGangs unter sich. In einem tragischen Fall kostete dies gar ein Menschenleben. Also bleiben die ursprünglichen Fahrrinnen durch Marienschlucht und Spetzgarter Tobel zur Sicherheit aller SeeGänger zunächst auf unbestimmte Zeit gesperrt. Ausgeschilderte Umleitungen umgehen sie auf durchaus reizvollen Alternativrouten (aktuelle Infos auf www.premiumweg-seegang.de).

Harald Seidler hat dabei sogar ein neues Lieblingsstück entdeckt: „Nach der Passage über den Konstanzer Golfplatz quält man sich ein wenig durch einen Wald bergauf, wird dann aber vor dem Burghof bei Wallhausen richtig entschädigt. Der Weg schlängelt sich durch eine kleine Schlucht – wie im Märchenwald!“, schwärmt der Allensbacher. Erdrutsche und umgestürzte Bäume seien in der Gegend durchaus nicht ungewöhnlich, berichtet der Ortsbaumeister. Wo der Boden auf den Sandstein trifft, zerbröselt dieser allmählich. Diese Verwitterungsschicht wirkt wie Schmierseife. Bei zu viel Wasser und entsprechendem Neigungswinkel rutscht der Boden samt Bewuchs einfach weg. „Da gibt es nur zwei Zustände – hält oder hält nicht“, umschreibt Seidler, dass weder Risse noch sonst etwas solch ein Ereignis ankündigen. Der Boden platzt einfach ab. Ob ein 1,50 Meter großes Stück oder – wie im Fall der Marienschlucht – zehn bis zwölf Meter Erdreich, lässt sich ebenso wenig vorhersagen. Seidler warnt: „Bis das Wasser aus flacheren Gebieten zur Schlucht fließt, können ein paar Stunden oder auch Tage vergehen. Trügerisch, denn die Wege trocknen schnell.“ Zum Unglückszeitpunkt im Mai schien auch schon wieder die Sonne. Geologen hatten die Hänge zu Saisonbeginn begutachtet und freigegeben. Wanderer tun also gut daran, die nun aufgestellten Durchgangsverbote zu beherzigen und auf die beschilderten Alternativen auszuweichen, auch wenn ihnen das aktuelle Wetter Sicherheit vorgaukelt.

Den kompletten Text inklusive aller Fotos, der Tourenbeschreibung sowie der Tourenkarte zum sammeln und nachwandern erhalten Sie in Heft 1/2016 von wanderlust. Hier können Sie das Heft nachbestellen.

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Bodenseeblick auf der Mainau.
© Beate Wand

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 01 / 2016

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