Darf's ein bisschen Moor sein?

Moore sind wundersame Orte: Lange galten sie als Heimat verwunschener Seelen, als Gefahr für verirrte Reisende. Und heute? Sind es nicht nur bedrohte Schätze, sondern längst vergessene Orte für magische Wanderungen – und noch viel, viel mehr. wanderlust bringt Licht ins Dunkel.

Text: Carolin Müller

Es ist einfach eine richtige Pampe. Braun, erdig und ganz schön schlammig. Wer sich schon einmal eine Torfpackung gegönnt hat, kann davon ein Liedchen singen. Und sonst? Unser Wissen über Moore hält sich in Grenzen. Hier und da ein Medienbericht – wieder ein Moor entwässert. Das Leben geht weiter.

Früher war’s kaum besser. Die berühmte Ballade der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848) gibt eine Ahnung, was sie und ihre Zeitgenossen von Mooren hielten: Das Moor, ein schier undurchdringliches Gebiet, Unterschlupf von Erdgeistern mit blubbernden Löchern zur Unterwelt, todbringendes Reisehindernis, unfruchtbares Niemandsland, war nach damaligem Ermessen zu nichts nutze, ein Montagsstück der Schöpfung. Allenfalls verheizte man es: Getrockneter Torf war lange Zeit das Brennmaterial armer Leute, die sich kein Holz leisten konnten.

Entsprechend rigoros wurden Deutschlands Moore entwässert und in Ackerland umgewandelt. Von 500.000 Hektar Hochmoorfläche zu Droste-Hülshoffs Zeiten blieben uns beschämende 30.000 erhalten. Wieder einmal befand sich der Mensch auf dem besten Wege, die Festplatte der Erde zu löschen. Heute weiß man: Moore sind authentisches Heilmittel, seltene Perlen der Biodiversität, kurz: Naturwunder von unschätzbarem Wert.

Perlen der biologischen Vielfalt

Heiße Torfpackungen lindern Gicht-, Gelenks- und Rheumabeschwerden. Moorwasser-Trinkkuren beruhigen den Darm und regen das Immunsystem an. Nicht zu vergessen die Vielfalt der vorkommenden Heilkräuter: Im Moor wächst die Husten und Asthma vertreibende Moorkreuzblume oder die Moor-Birke, die unter anderem Haarausfall kurieren soll. Sogar sterile Wattebäusche liefern die vermeintlichen Landverschwender – das Wollgras wäre ein zuverlässiger Watte-Lieferant für Ärztehäuser im ganzen Land, stünde es nicht längst unter Naturschutz. Und die Vielfalt in Teichen und Gräben ist unglaublich: Eigenwillige Schönheiten wie das Scheiden-Wollgras oder die Rauschbeere (siehe Infokasten Seite 21) wachsen zwischen Moorfrosch und Moosjungfer, Moorbläuling und Bruchwasserläufer.

Aber was ist das überhaupt, ein Moor? Die wichtigsten Zutaten sind Staunässe und – für menschliche Begriffe – absurd viel Zeit. Während Sümpfe gelegentlich austrocknen, herrscht in Mooren ständiger Wasserüberschuss. In Folge dessen steht für die Zersetzung abgestorbener Pflanzenteile nicht genug Sauerstoff zur Verfügung. Die Bakterien können keinen Humus bilden und Pflanzenreste verwandeln sich in Torf.

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Goldenstedter Moor: Hier warten ein 900 Meter langer Moorerlebnispfad, eine Moorbahn und sogar ein Moortunnel, aus dem das Moor aus einer unterirdischen Perspektive betrachtet werden kann.
© pa/dpa

Den kompletten Text inklusive aller Fotos erhalten Sie in Heft 1/2016 von wanderlust. Hier können Sie das Heft nachbestellen.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 01 / 2016

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