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Hauptstadt im Handtaschenformat

Das „Regierungsdorf“ in den Alpen steckt voller Gegensätze. Weinberge vor schneebedeckten ­Gipfeln. Oben residiert der Fürst im mittelalterlichen Schloss, unten tagt das Parlament im neuen Landtag. ­Dicke Mauern im Kern kollidieren mit schlicht-schönen Kunst-Kuben im City Center.

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Dank starkem Föhn reifen die Trauben im „Abtswingert“ vor dem Roten Haus.

Text & Fotos: Beate Wand

Hinter dem Binnendamm breiten sich beiderseits der Lettstraße Felder aus. Kein Mensch ist zu sehen, dabei führt sie vom Rheinparkstadium geradewegs in die Innenstadt. Über den noch etwas entfernten Dächern klebt das Schloss auf einem Felsband. Nach der Brücke über den Giessen verbarrikadieren reihenweise heruntergelassene Rolläden die Fenster dreigeschossiger Flachdach-Quader. Ein Mountainbiker surrt vorbei. Wochenende in Vaduz. Eher gespenstische Stille als quirlige Geschäftigkeit, mehr Geister- denn Hauptstadt. Doch dann, in der Fußgängerzone angekommen, reißen Scharen Selfie- knipsender Touristen das Zentrum aus der Starre. Ein Stopp im Fürstentum Liechtenstein scheint auf der Agenda europareisender Asiaten ganz oben zu stehen.

Miniatur-Regierungsviertel

„Städtle“ heißt die Fußgängerzone. „Is a Städtle“, umschreibt die außer­ordentlich freundliche Dame im Liechtenstein Center auch die Hauptstadt in ihrem „Ländle“ am Rhein, irgendwo zwischen Österreich und der Schweiz. Verirren könne man sich hier nicht, versichert sie. Manche Liechtensteiner sprechen auch von Ort oder gar Dorf. Mit 5.400 Bürgern geht Vaduz so gerade als Kleinstadt durch. Auch im gesamten Fürstentum wohnen nur wenige mehr als im münsterländischen Beckum – 37.000. „Sonntags kommt man in 20 Minuten durchs ganze Land“, grinst die Tourist-Info-­Mitarbeiterin hinter ihrem Tresen. Sind ja auch maximal 24 Kilometer. Dafür ­knacken 32 Gipfel in dem Alpenstaat die 2.000-Meter-Marke. „Mir han o a Parlament, aber der Fürscht hat immer an Oog“, schmunzelt die auskunftsfreudige Beraterin und tippt mit dem Zeigefinger in ihren Augenwinkel. Dazu muss er nur aus seinen Schlossfenstern schräg nach unten gucken: Über eine Million ockergelbe Klinker lenken mit dem geometrischen Spiel ihrer Fugen den Blick auf den Landtag, pflastern auch den Peter-Kaiser-Platz davor. Der helle Ziegelstein verkittet die schlichten, fast sakralen Formen des deutschen Architekten Hansjörg Göritz mit den pompöseren des Spätrenaissancepalasts daneben zu einem Mini-Regierungsviertel am Ende der Fußgängerzone. In dem denkmalgeschützten Regierungsgebäude tagte der Landtag auch schon phasenweise, bis er im Jahr 2008 erstmals eigene Sitzungssäle bezog. Eine konstitutionelle Erbmonarchie auf parlamentarischer und de­mokratischer Grundlage regelt die staatlichen Prozesse im sechstkleinsten Land der Erde. Fürst und Volk dürfen entscheiden! Als Staatsoberhaupt muss der Fürst alle Gesetzesbeschlüsse genehmigen. Direkte Demokratie spielt eine starke Rolle: Schon 1.000 ­Bürger können auf Gesetzesänderungen begehren.

Den kompletten Text inklusive aller Fotos, der Tourenbeschreibung sowie der Tourenkarte zum Sammeln und Nachwandern erhalten Sie in Heft 3/2017 von wanderlust. Hier können Sie das Heft nachbestellen

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 03 / 2017

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