Apotheke am Wegesrand

Längst sind Rucola und Co. nicht mehr das einzig Seligmachende im Salat. Wer mit offenen Augen durch Wald und Wiesen streift, befindet sich inmitten eines köstlichen Delikatessenbuffets, das obendrein den gesamten Organismus auf Touren bringt.

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„Kreislehrgarten“ nach Pfarrer Kneipp: Entspannte Einführung in die Kräuterkunde.
© Friederike Brauneck

Text & Fotos: Friederike Brauneck

Viele der von eifrigen Gärtnern lange Zeit mit Grimm als ­Unkräuter verfolgten Pflänzlein haben einen köstlichen Eigengeschmack und enthalten eine große Vielfalt an Vitaminen und Mineralstoffen. „Mehr als alles, was einem unreif oder vorgezogen im Handel angeboten wird“, sagt Rita Dopfer, die als zertifizierte Wildkräuterführerin weiß, wovon sie schwärmt: „Man kann im Supermarkt selten Ausgereiftes kaufen. Die wertvollen sekundären Pflanzenstoffe bekommen Sie jedoch in den Wildkräutern.“

Chlorophyll, das Blattgrün, versorgt unsere Zellen mit zusätzlichem Sauerstoff und wirkt vitalisierend. Der hohe Mineralgehalt der Wildkräuter ist basisch und trägt dazu bei, den Organismus zu entsäuern. Bitterstoffe helfen, den Stoffwechsel zu aktivieren und so den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Je nach Pflanze gibt es die unterschiedlichsten Nutzen, die bei kleinen Malaisen Abhilfe schaffen: Frauenmantel und Malvengewächse enthalten Schleim, der die Darmflora pflegt. Labkraut regt die Drüsentätigkeit an. Wilder Dost, auch „deutscher Oregano“ genannt, ist gut für die ­Verdauung. Und die Vogelmiere hat unter Kennern auch den Namen Heilallerwelt, weil sie reich an Vitamin C, Phosphor sowie Kalium ist und schleim­lösend und antiviral wirkt.

Vor allem lecker!

Im Sommer sammelt Rita Dopfer Kräuter und Samen und verwendet sie frisch. Für den Winter trocknet sie ihre Ernte und ist so ganzjährig gut aufgestellt. Und keine Sorge: Was man daraus zaubern kann, ist alles andere als bittere Medizin oder langweiliges Kaninchenfutter. Vom grünen Smoothie bis zu knackigen Salaten oder gut gewürzt als appetitliche Beilagen für Fisch- und Fleischgerichte ist alles möglich. Wer sich auf die richtigen Kräuter versteht, erspart sich den ungesunden Griff zum Salz – und kann sich über unterschiedliche Geschmackserlebnisse erfreuen. Wie etwa die Brennnessel, einst Lieblingspflanze von Pfarrer Kneipp, der schon im 19. Jahrhundert Bewegung, kalte Güsse und ausgewogene Ernährung als Schlüssel zu einem gesunden Leben predigte. Beim Ernten der wehrhaften Nessel beherzt zupacken und die zarten frischen Triebe und Blätter vom Stengel zum Blatt fassen. Die Samen, in Olivenöl sanft gerös­tet, bezeichnet Rita Dopfer liebevoll als „Nüssle“ – und in der Tat: So schmecken sie.

Hier im Kneippheilbad Bad Grönenbach im Allgäu, wo Pfarrer Kneipp einst Latein büffelte, hat sie ihren Garten und weiß, in welchen Wiesen sie fündig wird. Der Kreislehrgarten direkt oben am mittelalterlichen Schloss ist der perfekte Start für eine kleine Einführung in die Kräuterkunde. Denn obwohl man fast alles essen kann, was dort kreuz und quer wächst und blüht, gibt es Grenzen. Bei der Wilden Möhre sollte man sich sicher sein, warnt Rita Dopfer, denn sie sieht dem Schierling ähnlich – und der ist bekanntermaßen sehr giftig.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 02 / 2015

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