Lieblingsgetränk Kaffee: Umkämpfte Bohne

Kaum ein Getränk ist so beliebt wie der Kaffee – und das nicht nur in Deutschland. Doch woher kommt die edle Bohne, und was ist dran am Gesundheitsmythos Koffein?

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Von der Ernte bis zur Röstung: Je höher eine Bohne wächst, desto mehr Geschmack entwickelt sie. Daher sind Arabicasorten beliebter, aber auch teurer im Anbau.
© Getty Images

Text: Lisa-Marie Bille

Selten hat ein Name so gut gepasst: Das türkische Wort „kahve“ bedeutet „anregendes Getränk“ und entstand aus dem arabischen „qahwa“, nach der Ursprungs­region Kaffa in Äthiopien. So weit, so gut. Andererseits ist rätselhaft, warum die Dinger eigentlich Bohnen genannt werden. Schließlich handelt es sich bei der Frucht des Kaffeestrauchs doch um eine Steinfrucht wie Pfirsich, Olive und Pflaume. Das liegt nicht etwa an der bohnenähnlichen Form, sondern entstand umgangssprachlich aus dem arabischen Wort „bunn“. Doch bis der Kaffee dort ankam, vergingen fast fünf Jahrhunderte, in denen er im Ursprungsland Äthiopien bereits bekannt war. In Kaffa sollen ihn Hirten entdeckt haben. Sie beobachteten, wie ihre Ziegen von dem weiß blühenden Strauch fraßen und danach die ganze Nacht umhersprangen. Da probierte einer von ihnen die Früchte selbst und stellte die belebende Wirkung fest. Andere behaupten, er habe die Bohnen zuerst angewidert ins Feuer gespuckt. Daraufhin stieg ein verführerischer Duft auf, und die Idee des Kaffeeröstens entstand.

Von Äthiopien brachten Sklavenhändler die Kaffeebohne im 14. Jahrhundert nach Arabien, das schnell eine Monopolstellung im Anbau entwickelte. Handelszentrum war die Stadt Mokka (heute al.Mukha im Jemen). Ende des 16. Jahrhunderts wurde Kaffee von Sultan Murad III. in Istanbul verboten, weil er opiumabhängig war und Rauschmittel bekämpfen wollte. Er war jedoch nicht sehr willensstark, und so scheiterte der Reformversuch am Widerstand des Volkes.

Des Volkes Liebling

Das erkannte früh, was im Kaffee steckt, und so verbreitete er sich in der ganzen Welt. Nach Deutschland kam die erste Kunde durch den Augsburger Arzt Leonhard Rauwolf, der 1573 in Aleppo ein Kaffee-Fan wurde und allseits darüber berichtete. Der Philosoph Habermas maß Kaffeehäusern sogar eine wichtige Rolle in der Gesellschaft zu, weil sich durch sie erst eine „bürgerliche Öffentlichkeit“ etabliert habe. 1673 eröffnete das erste Kaffeehaus im Bremer Schütting-­Gebäude, doch 1766 verbot Friedrich der Große den Handel, da er dem Staat die Einnahmen aus den Kaffeebohnen sichern wollte. Als Folge entwickelte sich ein umfassender Schmuggel. Ehemalige französische Soldaten, sogenannte Kaffeeriecher, sollten illegale Röste­reien erschnüffeln. 21 Jahre später erkannte man, dass die Kontrollen nicht gerade effektiv waren und der Schaden durch Schmuggel ­stetig wuchs, und gab das Verbot auf – wieder hatte das Volk gesiegt.

Energiespender mit Vorteilen

Schließlich war Kaffee ja auch ein wichtiges Mittel zur „Beförderung der Dichterkraft“, wie der Literat Johan Georg Neukirch in seinem Werk „Anfangsgründe der reinen teutschen Poesie“ behauptete. So zählte Beethoven genau 60 Kaffeebohnen ab, um daraus eine Tasse Mokka zu bereiten, und Goethe löste mit seiner Idee, Kaffeebohnen zu destillieren, gar die Entdeckung des Koffeins aus. Sie konnten es sich leisten, was nicht auf jeden zutraf: Kaffee war nur etwas für die Bessergestellten. Das einfache Volk schuf daher zahlreiche Ersatzgetränke wie den Getreidekaffee Muckefuck, Malzkaffee, Stragelkaffee (die Ursprungspflanze wurde daher auch Kaffeewicke genannt) oder Zichorienkaffee (Gemeine Wegwarte, aus der später der Chicorée gezüchtet wurde). So konnte sich der nachmittägliche Genuss trotzdem als eigene Mahlzeit etablieren, wenn auch bei den Ärmeren als Sonntags- und Festmahlsgetränk. Mit Kuchen, Torten, Waffeln oder anderem süßen Gebäck wurde das Kaffeetrinken zur deutschen Tradition, und aus der Kaffeehauskultur wurde der Kaffeeklatsch. Bis heute ist Kaffee ein Zeichen der Gastfreundschaft, auch wenn er kein Luxusgut mehr ist. Früher konnte man dagegen mit einer Tasse Kaffee Eindruck schinden, und geblieben ist bis heute das obligatorische erste Kaffeetrinken nach einer ersten Anbandelung als Flirt-Klassiker.

Kaffee gilt übrigens aktuellen Studien zufolge gar nicht mehr als gesundheits­gefährdend – im Gegenteil! Vier Tassen Kaffee am Tag sollen die Gesundheit sogar fördern, manchen Krebserkrankungen vorbeugen und die Organe stärken. Denn das schwarze Getränk ist ein wichtiger Quell von Antioxidantien, die sonst vor allem in Obst und Gemüse stecken. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die die Zellalterung verlangsamen. Da heutzutage viele Menschen mehr Kaffee als Gemüse zu sich nehmen, ist er ein wichtiges Lebensmittel geworden. Und wenn eine gebrühte Tasse mal kalt wird, dann freut sich die nächste Zimmerpflanze: Kaffee ist aufgrund des Stickstoffgehalts ein guter Dünger!

Damit das Koffein beim Menschen seine volle aufmunternde Wirkung entfalten kann, sollte man den Kaffee in kleinen Schlucken und über den Tag verteilt trinken. Denn auch die Mundschleimhaut nimmt Koffein auf, was die Wirkung schneller zutage treten lässt. Daher helfen auch koffeinhaltige Kaugummis bei der Nachtschicht. Auch der Mythos des entwässernden Kaffees ist mittlerweile Geschichte. Er hielt sich hartnäckig: Bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wollte der schwedische König Gustav III. beweisen, dass Kaffee giftig sei. Er begnadigte zwei zum Tode verurteilte Häftlinge und verdonnerte den einen dazu, täglich Tee, den anderen, täglich Kaffee zu trinken. Allerdings sollen beide Versuchskaninchen nicht nur die überwachenden Ärzte, sondern auch den König selbst überlebt haben. Wenn das mal nicht ein früher Beweis war!

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© pa/dpa

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 04 / 2013

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