Meditatives Wandern: Auf dem Weg zu sich selbst

Ex-Banker Thomas Schneider zeigt gestressten Gästen, wie gut Wandern und Meditieren zusammenpassen. Statt eines Yogaraums nutzt er dafür die herrliche Natur des Kleinwalsertals.

Text: Claudia Steiner

neuer_name

© Claudia Steiner

Für andere Wanderer muss es ein komisches Bild sein: Da steht unsere Gruppe mit geschlossenen Augen auf einem tief verschneiten Winterwanderweg. Wander- und Meditationslehrer Thomas Schneider leitet uns an. „Atmet tief ein, atmet tief aus“, sagt der 36-jährige Walser mit ruhiger Stimme. „Und mit jedem Atemzug nehmt ihr einfach wahr, was um euch herum geschieht. Die Geräusche, die euch umgeben, die Stille, die hinter diesen Geräuschen liegt – steht ganz ruhig …“

Zuerst blinzle ich noch. Haben auch wirklich alle die Augen geschlossen? Schauen uns diese Wanderer, die da vorbeikommen, nicht irgendwie seltsam an? Doch dann lausche ich Thomas’ Stimme und beginne, mich zu entspannen.

„Fühlt euch einfach geborgen in der strahlenden Sonne, in eurer warmen Kleidung. Öffnet jetzt langsam eure Augen, aber bleibt in diesem entspannten Zustand.“ Dann geht es los. Mit 20 oder 30 Metern Abstand voneinander wandern wir durch das Kleinwalsertal, gehen vorbei an alten Höfen, am rauschenden Aubach, laufen durch den weißen Wald. Jeder geht für sich, jeder in seinem eigenen Rhythmus. Irgendwie scheinen die Vögel heute besonders fröhlich zu zwitschern, irgendwie knirscht der Schnee besonders schön unter meinen Schuhen. Warum höre ich das sonst nicht?

An mir ziehen drei Männer vorbei. Sie unterhalten sich angeregt: über den Job, den neuesten Auftrag, die Steuererklärung – und scheinen gar keine Augen zu haben für den in der Sonne glitzernden Schnee und die zauberhaften Bäume mit ihren Schneehauben. Die drei Wanderer kommen mir nicht nur gehetzt, sondern auch ziemlich laut vor. Oder bin ich heute nur besonders leise?

Seelenfrieden „to go“

Thomas bietet schon seit einigen Jahren Meditations­wanderungen an. Er glaubt fest daran, dass die Natur eine wichtige Rolle spielt, um Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Früher hat Thomas in einer Bank gearbeitet; ein Job, den er nicht mochte, zu lange Arbeitszeiten, zu großes Pensum. Mit Mitte 20 erlitt er einen Zusammenbruch, heute würde man Burn-out dazu sagen. Danach packte er seinen Rucksack und reiste nach Indien und Tibet. Dort fand er über die Meditation zu sich selbst.

Diese Erfahrung will Thomas nun gestressten Stadtmenschen vermitteln. Nach zwei Stunden erreichen wir die „Walser ­Stuba“, ein Restaurant in Riezlern. Bevor wir zusammen essen, setzen wir uns in einen ruhigen Nebenraum, schließen die Augen und machen noch einmal Atem­übungen. Meine Muskeln sind wohlig warm. Meine Schultern sind ganz locker. Mein Kopf ist frei. Thomas ist davon überzeugt, dass Meditation in Kombination mit Wandern besser wirkt, um sich zu entspannen. „Vielen sage ich, beweg dich einfach viel in der Natur, und dann wird schon alles gut.“

neuer_name
Einsam und doch ­beisammen: Jeder wandert für sich alleine durch eine tief verschneite Landschaft.
© Claudia Steiner

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 01 / 2013

Aktuelle Beilagen und Specials

  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat

Events

Zur Zeit liegen keine Events vor …