Stars & Sterne am Brocken

Sie kennen nicht das Blaubeer-Schmand-Schnitzel? Egal – denn die Erfindung von Marketingstrategen aus den 1980ern ist überholt. Genau wie das angestaubte Image der Mittelgebirgsregion rund um den Brocken. Hollywood-Stars wie George Clooney wissen das längst.

Hollywood im Harz
Hollywood im Harz: Hier in der „Rothen Forelle“ ließen es sich Clooney und Crew so richtig gut schmecken.
© Kirsten Lichtinger, Friederike Brauneck

Text: Friederike Brauneck

Nicht ohne Grund haben sich George Clooney und Matt Damon während der Dreharbeiten zu „The Monuments Men“ 2013 für mehrere Wochen im Fünf-Sterne-Hotel „Landhaus Zu den Rothen Forellen“ im idyllischen Ilsenburg eingemietet, direkt am Fuße des sagenumwobenen Brockenmassivs in der einzigartigen Naturlandschaft des Harzes. Lediglich diskrete Schilder an den Türen zu den Suiten erinnern an die prominenten Gäste, die für einige Wochen Glamour in das beschauliche Örtchen brachten. Das Landhaus mit seinen historischen Wurzeln im 16. Jahrhundert befand sich einstmals im Besitz der Grafen zu Stolberg-Wernigerode, die eben jene rote Forelle in ihrem Wappen führten.

Genuss und Ökologie im Einklang

Der Namensgeber wird allerdings nicht in dem lauschigen See vor dem Hotel geangelt, sondern stammt aus einer Zucht unweit von hier im Bodetal, von Unmengen frischen Harzer Wassers umspült. Was im Hotel fangfrisch in vielen Variationen auf den Teller kommt, sind die silbrig schimmernden Regenbogenforellen, mit festem, schmackhaftem Fleisch. Der rote Artgenosse dagegen ist eine seltenere Spielart, die Goldforelle. – Alles frisch also, ebenso wie Kräuter, Obst und Gemüse aus eigenem Garten, die nicht nur in der Küche zum Einsatz kommen, sondern auch bei aromatisch duftenden Massagen und Anwendungen im stilvollen SPA.

Dass sich Genuss und Ökologie nicht ausschließen, kann man im Hotel Naturresort Schindelbruch erfahren, einer Vier-Sterne-­Superior-Anlage nahe dem hübschen Städtchen Stolberg mit seinen prachtvollen Fachwerkfassaden und dem majestätischen Schloss. Mitten im Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz am Fuße des Auerbergs gelegen – außen im alten Gewand, innen mit modernster, umweltschonender Technik. Initiator und Eigentümer Baron Dr. Clemens Ritter von Kempski hat hier seine Idee von der Verträglichkeit von Ökonomie und Ökologie umgesetzt, obwohl er feststellen musste: „Die Gäste kommen nicht in ein klimaneutrales Haus, etwa weil ihr Umweltgewissen hier ruhig schlummern kann. Das stellt für die Gäste – noch – keinen Mehrwert dar.“ Eher gibt es unterschwellige Bedenken, aber von Genussfeindlichkeit oder Askese keine Spur! Eine Bio-Kläranlage, der Energiemix aus Pelletsheizung, Ökostrom und Erdwärme sowie eine Anlage zur Wärmerückgewinnung machen es möglich.

Im 2.500 Quadratmeter großen Wellnessbereich fühlt man sich wie auf einem Waldspaziergang: Entspannung im Panorama-Ruheraum namens „Waldkoje“ oder auf den Schwingungsliegen im „Wipfelnest“, alles aus natürlichen Materialien. In drei Res­taurants sorgt Küchenchef Markus Koindek, gebürtiger Franke, für feinen Genuss. Sein Motto: bodenständig und regional. Nicht mehrere Sorten Champagner oder Kaviar, keine Gourmetküche, sondern eine gute Küche sei das Ziel. Regionales Fleisch mit Bio-Zertifikat – Mastbetriebe zählen nicht zu den Lieferanten.

Harz mit Herz

Liebevoll-traditionell begegnen dem Gast Wellness und gute Küche im „Romantischen Winkel“ in Bad Sachsa am Südrand des Harzes. Das vom Deutschen Tourismusverband als klimafreundlich zertifizierte Fünf-Sterne-Resort im Familienbesitz ist über die Jahre gewachsen, wie verschiedene Baustile erkennen lassen. Prunkstück ist die Jugendstilvilla.

Über 3.500 Quadratmeter erstreckt sich der Wellnessbereich mit mehreren Schwimmbädern, Saunen und Palmengarten. Bei allem steht ein persönlicher Umgang im Vordergrund – für das Ehepaar Oelkers als Inhaber eine Herzensangelegenheit.

Auch in diesem Hause versteht man sich auf die feine regio­nale Küche, wählt die Zutaten nach ökologischen und saisonalen Kriterien aus und ist seit 2014 Mitglied von „Slow Food“, einer weltweiten Vereinigung von bewussten Genießern und mündigen Konsumenten. Sehr ideenreich wird dem Gast das Gaumenglück mit einem kulinarischen Kalender schmackhaft gemacht: Vielleicht steht der Sinn nach einer inspirierenden Küchensafari quer durch das weitläufige Haus? Und die schönen Harzer Wälder kann man hier im Winter per Ski oder im Rest des Jahres natürlich bestens zu Fuß erobern.

Ach ja – und natürlich gibt es ihn, den Harzer Käse. Es ist den Harzern ein wenig unangenehm, dass man ausgerechnet dieses typische Stück Genuss zu schützen vergaß: Er wird noch produziert, allerdings nicht mehr im Harz. Und trotzdem: Er ist immer noch genau das richtige Stück „Harz“ nach einer Wanderung durch dieses herrlich, ursprüngliche Mittelgebirge.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 05 / 2015

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