Stechen, schlemmen, feiern

Wenn spätestens ab Mitte April wieder frischer Spargel auf den Teller kommt, bricht für Feinschmecker die schönste Zeit des Jahres an. In einem der ­größten ­Anbaugebiete Deutschlands, dem niedersächsischen ­Nienburg, steht ein ganzes Wochenende im Zeichen des beliebten Gemüses.

Text: Wilfried Spürck

Wann genau es losgeht, kann keiner vorhersagen. Doch lange wird es nicht mehr dauern. Spätestens um den 20. April fällt der Startschuss zur Spar­gelernte. Für viele Genießer beginnt dann die schönste Zeit des Jahres. Klassiker wie Spargel mit Sauce Hollandaise, Spargelcremesuppe oder andere Kreationen mit dem vielseitig verwendbaren Stangen­gemüse stehen dann wieder für viele ­Wochen ganz oben auf den Speisekarten – ob in Hotels, Restaurants oder privaten Haushalten.

In Deutschland ist die Delikatesse äußerst beliebt. Die einheimische Produktion hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen, inzwischen wird auf rund 25.000 Hektar Fläche Spargel angebaut, der auch überwiegend hierzulande verzehrt wird. Marktbeherrschend ist bei uns die weiße Variante, der grüne schmeckt etwas kräftiger, hat aber sogar mehr Inhaltsstoffe. Dank moderner Anbaumethoden mit Folien fällt der Startschuss zur Spargel­ernte inzwischen oft auch schon Anfang April oder gar im März. Das hängt zudem auch von der Witterung ab: Nach einem milden Winter kann der Spargel früher gestochen werden. Dies muss im Übrigen nach wie vor sehr aufwendig per Hand ausgeführt werden, was ein Hauptgrund für den meist relativ hohen Preis dieses Gemüses ist.

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Nienburger Wettschälen 2016: Spargelkönigin Kim Ohlmeyer (l.), Vorgängerin Ilona Schulze (r.) und RTL-Moderatorin Kim Friedrichs.

Liebliches Aroma

Eines der größten deutschen Anbaugebiete ist ­Nienburg in Niedersachsen. Bereits um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde dort Spargel angebaut, inzwischen belegt Nienburg in puncto Flächengröße deutschlandweit mit über 1.000 Hektar Platz sieben. Die Kleinstadt an der Wasser feiert ihre Spargel-Tradition jährlich mit dem „Nienburger Spargelwochenende“, das 2017 am 20. und 21. Mai begangen wird. Highlights des bunten Festes sind der Spargellauf über 10 Kilometer durch die Nienburger Innenstadt sowie die Krönung der Spargelkönigin und ein Wettschälen. Daneben werden den Besuchern auch Spargelgerichte in verschiedenen ­Variationen angeboten – selbstverständlich mit frischem „Nienburger Spargel“, der seit 1996 ein eingetragenes Gütesiegel ist, das dafür steht, dass das betreffende Produkt ausschließlich aus dem Landkreis Nienburg sowie aus kontrolliertem Anbau stammt, in dem keine Bleichmittel eingesetzt werden. Geschmacklich zeichnet sich der ­„Nienburger Spargel“ durch sein besonders liebliches Aroma aus. Den leichten Geestböden entlang der Weser, wo er ­angebaut wird, sei Dank. Bei den Verbrauchern kommt’s an: In Sachen Bekanntheit liegt der „Nienburger Spargel“ auf Rang drei in Deutschland. Die Nienburger Festlichkeiten finden am Niedersächsischen Spargelmuseum vor Ort statt, das eines von dreien seiner Art in Deutschland ist. Besucher können dort in einer Ausstellung auf 150 Quadratmetern alles Wissenswerte über das Saisongemüse, vom Anbau bis zum Vertrieb, erfahren und sich auf kurzweilige Weise einen umfassenden Einblick in die 150-jährige Geschichte des niedersächsischen Spargels verschaffen. Das Spargelfest in Nienburg läutet die zweite Hälfte der Spargelsaison ein, denn traditionell endet am 24. Juni die Ernte. Der Tag trägt auch die inoffizielle Bezeichnung „Spargelsilvester“. Das relativ frühe Ende der Ernte hat folgenden Grund: Es ­ermöglicht den Pflanzen eine ausreichende Regenerationszeit, damit sie im folgenden Jahr genügend neue Sprossen bilden können. Nach der Spargelsaison ist eben vor der Spargelsaison.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 02 / 2017

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