Vielfältiges Sachsen: Auf Notenspur durch Sachsen

„Sing, mein Sachse, sing“, lautet ein altbekanntes Lied. Offenbar öffnet ihr naturschönes Land den Sachsen die Kehle. Über eine Region, die stets „Musikmenschen“ anzog.

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© Ursula Wiegand

Text: Ursula Wiegand

Die einen kamen, um hier zu komponieren, andere, um musikalische Werke darzubieten, und wieder andere sind heute voller Vorfreude, um hier Musik, Kultur und Natur zu genießen. Wer – den Wagner-Hype von 2013 noch im Ohr – meint, dort mache nur Richard das Rennen, irrt sich. Der Sachse Wagner bleibt zwar ein Thema, ist aber nur einer von vielen, zumal weitere runde Komponisten-Geburtstage andere Akzente setzen.

Leipzig gilt als Bachstadt, hat hier doch Johann Sebastian Bach 27 Jahre lang, von 1723 bis 1750, als Thomaskantor gewirkt. Hierhin pilgern stetig Barockmusik-Fans aus aller Welt und haben das Bachfest vom 13. bis 22. Juni 2014 schon fest im Kalender vermerkt.

Doch Leipzig nur als Bachstadt zu sehen, das empfand der Physikprofessor Werner Schneider wiederum als einseitig und entwickelte die gut fünf Kilometer lange Leipziger „Notenspur“: Ins Pflaster eingelassene Edelstahlintarsien weisen den Weg zu 23 Wohn- und Wirkungsstätten von Komponisten, die das weltweite Musikgeschehen seit rund drei Jahrhunderten prägten und prägen. Mit dieser Notenspur besitzt Leipzig ein Alleinstellungsmerkmal. Der Freistaat Sachsen hat sie auf die Vorschlagsliste fürs UNESCO-Welterbe gesetzt.

Der fröhliche Schwung der Intarsien, der auch die deutsch-englischen Informations­tafeln ziert, animiert sogar die Kleinen zur Stadtwanderung. „Kinder nehmen die Notenspur als Schnitzeljagd“, lacht Schneider. Sie führt auch zu den Bauwerken, wo die Werke aufgeführt und die Noten gedruckt wurden.

Auf der Leipziger Notenspur

So trägt das Gewandhaus am Augustusplatz die Nummer Eins, gegenüber schmückt die Oper Leipzig das weitläufige Areal. An der Querseite setzt sich das Paulinum in Szene, der moderne Uni-Neubau mit der wiedererrichteten Universitätskirche St. Pauli. Im Park hinter der Oper steht ein kleines, altes Wagner-Denkmal, das große, neue von Stephan Balkenhol am Goerdelerring.

Weitere Anlaufpunkte sind das Mendelssohn-Haus, die Grieg-Begegnungsstätte, wo der Norweger oft den Winter verbrachte, und das Schumann-Haus, in dem Robert und Clara Schumann von 1840 bis 1844 lebten. Licht scheint durch die Fenster im ersten Stock. Es wirkt, als würden die beiden gerade musizieren. Selbstverständlich führt die Notenspur auch zu Bach, also zur Thomas- und Nikolaikirche, zum Alten Rathaus und zum Bach-Museum. Bauwerke, an denen ohnehin jeder Leipzig-Besucher vorbeikommt. Niemand muss alles der Reihe nach ablaufen. Mit dem Faltblatt in der Hand lässt sich die Route auch individuell abgehen.

Varianten sind ebenfalls möglich, wie der neue, fünf Kilometer lange „Notenbogen“. Er bietet einen musikalischen Spaziergang und führt durch die Gründerzeitviertel und Parkanlagen westlich der Innenstadt. Wer lieber in die Pedale tritt, wird das „Leipziger Notenrad“ wählen, eine 36,6 Kilometer lange Strecke, die zentrumsferne, musikgeschichtlich relevante Orte miteinander verbindet und durch die Grünbereiche und Vorstädte Leipzigs führt.

Last but not least landen viele auch internationale Besucher im „Arabischen Coffe Baum“, einem der ältesten Cafés in Europa, das auch ein Punkt auf der Notenspur ist. Dort trafen sich auch stets die Künstler. Andere stärken sich im Barfußgässchen, im Restaurant Weinstock am Markt oder, wie die Leipziger, in der Gottsched­straße. Ganz gleich, ob sie notenspurgetreu unterwegs waren, dem Thomanerchor gelauscht oder die Werke von Neo Rauch im ­Museum der Bildenden Künste betrachtet haben.

Viel Schönes in Dresden und der Elblandschaft

2010 hat die „New York Times“ 31 Metropolen begutachtet und Leipzig als einzige deutsche Stadt unter die weltweit spannendsten Reiseziele eingereiht, was sicherlich immer noch Gültigkeit hat.

Dresden finden viele Besucher aber ebenso spannend und strömen in die prächtige Semperoper, wo Christian Thielemann, Chef der Sächsischen Staatskapelle, nun verstärkt Werke von Richard Strauss dirigiert – im Vorgriff auf dessen 150. Geburtstag 2014. ­Immerhin wurde der „Rosenkavalier“ 1911 in Dresden uraufgeführt.

Besondere Magnete sind die wiederauf­gebaute, originalgetreu ausgemalte Frauen­kirche, die katholische Hofkirche mit der Silbermann-Orgel und der Zwinger. Bild-Betrachter zieht es ins modernisierte Albertinum, wo sich einige sicherlich über die kopfstehenden Porträts von Georg Baselitz wundern werden. Tröpfchenspuren auf den Bildern zeigen, dass er sie tatsächlich so gemalt und nicht hinterher verkehrt herum aufgehängt hat. Weniger bekannt, aber einmalig ist das Deutsche Hygienemuseum mit seinen interessanten Ausstellungen.

Klar, dass alle ins Neue Grüne ­Gewölbe wollen, um die Pretiosen Augusts des Starken zu bewundern, und das heißt: Schlange stehen. Also besser vorab das Ticket im Internet buchen und damit Kraft sparen, nicht zuletzt für den späteren Parcours durch die Kneipen in Dresdens Neustadt. Es gibt so viel zu sehen! Kleiner Tipp: Dresden-Besucher brauchen Zeit und bequeme Schuhe.

Im Sommer macht es Spaß, bei Kaffee und Kuchen auf der Brühlschen Terrasse an der Elbe zu sitzen oder auf den Hausmanns­turm des Schlosses zu klettern. Die Mühe lohnt sich: Der Blick über die Dächer der Stadt und in die Elblandschaft ist fabelhaft.

Auf dem Fluss fahren die Schiffe der Weißen Flotte. Schnell runter vom Turm! Und mit einem der eindrucksvollen his­torischen Raddampfer zum Schloss Pillnitz schippern, einst Sommerresidenz der sächsischen Könige.

August der Starke hatte sich dort von „Star-Baumeister“ Pöppelmann ein Berg- und ein Wasserpalais im chinesischen Stil errichten lassen. Beide Palais, erbaut von 1721 bis 1724, und die Parkanlagen sind wunderschön und ideal zum Flanieren. Gerne posieren Brautpaare auf der breiten, bis ans Wasser hinabreichenden Freitreppe. Ein unvergleichlicher Anblick. Sing, Sachsen-Besucher, sing!

www.notenspur-leipzig.de, www.leipzig.de, www.dresden.de

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Elbpanorama: Kunstakademie (links) und Frauenkirche (rechts) als mondäne Wahrzeichen Dresdens.
© IMAGO

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 01 / 2014

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