Auszeit vom Alltag

Vor großen Entscheidungen lohnt es sich, die Gedanken zu ordnen, den Kopf frei zu bekommen, Energie zu tanken – eine Wanderung kann hier Wunder bewirken. „Best of Wandern“ hat sich das zu Herzen genommen und achtzehn Wechsel- und Wander-willige auf die Reise geschickt. Florian und Anja Mezger waren zwei von ihnen.

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Eine gute Wahl: Für Florian und Anja ging es auch in den Nationalpark Hohe Tauern.
© Florian Mezger

Text: David Vinzentz

Wandern belebt den Geist – die Erkenntnis ist nicht neu. Große Denker und Philosophen haben schon immer die Natur aufgesucht, um den Geist zu lüften und dann gestärkt mit neuer Inspiration ans Werk zu gehen. „Ich habe mir meine besten Gedanken ergangen und kenne keinen Kummer, den man nicht weggehen kann“, hielt Anfang des 19. Jahrhunderts bereits der dänische Philosoph und Theologe Søren Kierkegaard fest. Florian – gemeinsam mit seiner Frau Anja Teilnehmer an der Aktion „Wandel auf meinem Weg“ – sieht es ganz ähnlich: „Wandern ist unheimlich entspannend. Es beruhigt, sorgt für einen guten Ausgleich und hilft dabei, den Kopf frei zu bekommen“, hält er fest und ergänzt: „Es ist zudem möglich, durch die Monotonie des Gehens so tief in Gedanken zu versinken, dass man tatsächlich zu sich selbst finden kann.“

Die europaweite Wanderkooperation Best of Wandern – kurz BoW – schickte im Juni 2015 mehrere Paare und Einzelpersonen, die vor neuen Lebensabschnitten oder wichtigen Entscheidungen standen, in zehn europäische Wanderregionen. Das Ziel: Alltag raus, Energie tanken, etwas Neues beginnen. Für Florian und Anja – die BoW nach Osttirol schickte – fand die Wanderung kurz vor ihrer kirchlichen Hochzeit statt. „Es tat uns gut, dass wir kurz vor der Trauung diese freien Tage hatten, denn dabei wurde uns wieder bewusst, wofür wir den ganzen Aufwand eigentlich treiben. Die Hochzeit sollte schließlich ein Fest für uns sein und nicht nur für die Gäste. Diese Erkenntnis hat uns geholfen, vieles entspannter zu sehen“, sagt Florian und verweist auf auf einen weiteren positiven Effekt. „Diese Tage haben uns tatsächlich als Paar noch etwas mehr zusammengeschweißt. Gerade als wir den Klettersteig absolvierten, haben wir uns gegenseitig unterstützt und geholfen.“

2.000 Kilometer bis zum Antrag

Florian ist leidenschaftlicher Wanderer, und jedes Jahr nimmt er sich eine größere Tour vor. „2009 ging es zum Wandern für ein paar Tage nach Nordvietnam. 2010 ging ich einige Routen auf verschiedenen Inseln in Vanuatu und ich war in den Blue Mountains in Australien unterwegs“, erinnert er sich. Es folgten unter anderem Schottland 2011, der Jakobsweg nach Santiago und eine Wanderung in Sri Lanka gemeinsam mit seiner Frau Anja. 2013 wanderte er quer durch Deutschland. „Das war meine bislang größte Wanderung mit einer Gesamtlänge von ungefähr 2.000 Kilometern.“ Und eine ganz besondere dazu. Am Ende dieser fünfeinhalbwöchigen Wanderung stand Florians Heiratsantrag an seine Freundin – und heutige Frau – Anja. „Die Entscheidung für den Antrag ist bereits nach wenigen Tagen meiner Wanderschaft gefallen. Ich startete in Bregenz, und es hat von Beginn an in Strömen geregnet. Da hab ich mich schon mit den ersten Schritten gefragt, wie bescheuert ich eigentlich sein muss, dass ich mir so etwas freiwillig antue, während zu Hause doch eine so tolle Frau auf mich wartet“, resümiert er und fügt an: „Dieser Gedanke hat sich dann sehr schnell gefestigt und endete mit einem Heiratsantrag.“

Murmeltier-Romantik

Kurz vor der kirchlichen Trauung ging es für die beiden also nach Osttirol. Von ihren vier gemeinsamen Tagen sind Florian und Anja restlos begeistert. „Es hätte nicht besser sein können. Ich kann jedem Wanderer, Naturliebhaber und Feinschmecker diese Region nur wärmstens ans Herz legen. Eine herrliche Gegend, tolles Essen und sehr liebe Menschen.“

Es ging für sie unter anderem entlang der Umbalfälle im Nationalpark Hohe Tauern. Auch einige Steinbockkolonien und nicht gerade für ihre Fotogenität bekannte Murmeltiere bekamen die beiden zu sehen. „Wir radelten an der Drau entlang zum Vitalpinum, kletterten in der Galitzenklamm und übernachteten allein auf einer Alm. Wir hatten also in den paar Tagen ein volles Programm, möchten aber auch nichts davon missen.“ Gerade das gemeinsame Klettern ist Florian in besonderer Erinnerung geblieben. „Wir sind beide nicht ganz schwindelfrei, und da war der Klettersteig schon eine kleine Herausforderung. Dafür waren wir aber umso stolzer, als wir das Gipfelkreuz erreichten.“

Ruhe, Natur, Bewegung, Entspannung, den Alltag hinter sich lassen – für Wanderer gibt es sicherlich viele Aspekte, die den Reiz ausmachen. Für Florian ist es ganz klar die Ruhe der Natur, die sich genießen lässt und zum Denken anregt. „Die Bewegung ist für mich nur der positive Nebeneffekt“, hält er fest. „Draußen sein, ganz tief Luft holen und vom Alltag verschnaufen. Das hat schon fast etwas Heilendes.“ Seine regelmäßigen Wandertouren will Florian auf jeden Fall beibehalten. Als eine Art Flucht möchte er es allerdings nicht verstanden wissen. „Es soll ja auch kein Davonlaufen vor einer Entscheidung sein. Es hat mir aber schon oft geholfen, mit meinen Gedanken alleine auf einem Weg zu gehen und dabei in mich hineinzuhören.“ Wohin ihr Weg überall noch führt, wird sich zeigen. Fest steht für Florian und Anja aber, dass sie ihn gemeinsam gehen werden.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 01 / 2016

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