Ein ganz besonderer Stoff

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Imker Marcel Klotz: intakte Natur - munteres Bienenleben.
© Friederike Brauneck

Im Ötztal lebt man mit der Natur und nutzt sie behutsam. Man weiß um ihre Kraft, ihre Schönheit und die raffinierten Produkte, die sie liefert. Von der Wolle bis zu köstlichen Leckereien. wanderlust war vor Ort.

Text: Friederike Brauneck

Wie schön, die wollig-weißen Flecken in der Landschaft: Schafe – sie runden das Bild einer naturbelassenen Landschaft ab. Nur noch Romantik für die Touristen? Wo heute doch Schafe gehalten werden, die keine Wolle mehr liefern, sondern nur noch als Landschaftspfleger und Fleischlieferanten fungieren. Aber nein, es gibt sie noch, die Verarbeitung von Wolle als einem wertvollen Rohstoff. Im Ötztal kann man im Schafwollzentrum Umhausen den Werdegang vom Wollbündel zum Faden verfolgen. Los geht es in der Waschstraße, eine der wenigen ihrer Art. Denn hier sind die Bedingungen im Umkreis von 300 Kilometern für die Schafhaltung bis heute konstant: Klima, Rasse, Futter sind gleich geblieben. Und es gibt weiches Wasser, wichtig für den Waschvorgang. In riesigen, bis zu 200 Kilogramm schweren Paketen verschnürt, stapeln sich die Woll-Lieferungen in der Halle, nach Farben und Rassen getrennt: Weiß, Naturbraun, Naturschwarz, scheckig. Die Tiroler Berg- und Steinschafe liefern robuste Wolle, die gröber und schmutzabweisender ist als die anderer Rassen. Aus ihr werden Dochtwollschnüre gefertigt, die zu Teppichen verarbeitet werden. Milchschafe liefern feinere Wolle, die sich nicht so gut filzen lässt – ein Behandlungsschritt, der erst nach dem Waschen und Kämmen erfolgt.

„Hightech“-Natur

Das einzelne Haar ist ein Wunderwerk der Natur. Im Inneren ein Hohlraum, mit Wachs, Lanolin, gefüllt. Nach außen wie eine Fischhaut konstruiert: Die einzelnen Schuppen stellen sich bei Feuchtigkeit schützend auf. Für die selbst kreierte „Waschstraße“ verwendet man im Schafwollzentrum nur Soda und eine extra entwickelte Seife ohne Tenside. Was an Schmutz herausfällt, wird zu Pellets gepresst – als hochwertiger Garten-Langzeit-Dünger. Und die bunten Farben gibt es ganz ohne Schwermetalle, lichtecht, sogenannte Säurefarbstoffe.

Wolle für alle Gelegenheiten

All das kann man sich anschauen und erklären lassen: Im Umhauser Schafwollzentrum führt Seniorchef Johannes Regensburger durch den Betrieb. Seit 1998 läuft die Waschanlage, und die Aussichten sind – wieder – gut. Denn Nachfrage und Rückbesinnung auf nachhaltige Produkte steigen: Der Verbraucher will wissen, welchen Weg sie genommen haben. Hier kennt man den Bauern, und der Weg der Wolle ist kurz: „From sheep to shop“ heißt die Philosophie sehr zeitgemäß in diesem funktionierenden Betrieb. In dem kleinen Laden bleibt denn auch kein Wunsch offen. Gestricktes und Wolle sind nur ein kleiner Teil – es gibt fast nichts, was man nicht aus Wolle fertigen kann. Johannes Regensburger zieht verschmitzt sein Handy aus dem blauen Kittel, in einer Filzhülle – wie könnte es anders sein. Aus eigener Erfahrung für den Wanderer wiederum sehr zu empfehlen: Filzeinlegesohlen. Da schafft man noch ein paar Kilometer mehr. Und das lohnt sich im Ötztal, wo 1.300 Kilometer Wanderwege entdeckt werden wollen – von Wäldern und Wiesen bis hinauf zu Gipfeln und Gletschern. Und wie man Wandersleute mit Tiroler Köstlichkeiten stärkt, darauf verstehen sich die Gastwirte wiederum besonders gut.

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der wanderlust 1/2020. Die Ausgabe können Sie hier nachbestellen.

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