« Voriger Artikel   |   Nächster Artikel »

Mit Feuer & Flamme

neuer_name
Höllisch heiß: Bei 1.200 Grad glüht Klarglas und sieht aus, als sei es gelb oder orange. Der Holzmodel muss richtig vollgesogen sein, damit das Glas auf einer Wasserdampfschicht gleitet, die glättet.
© Beate Wand

Bis zur Industrialisierung glühten zwischen Feldberg und Hochrhein die Öfen in zahlreichen Glashütten. Im Hotzenwald entfacht ein Glasmacher die alte Zunft wieder. Er verrät, warum das für Wanderer spannend ist.

Text: Beate Wand

Er dreht den Stab geschickt mit einer Hand hin und her. Dann zieht er ihn aus dem glühenden Ofen. Am Ende klebt ein orange leuchtender Klumpen. „Was da rauskommt, hat 1.200 Grad“, warnt Dirk Bürklin, ihm bloß nicht nahe zu kommen. „Weil das so flüssig ist, muss man mehrmals eintauchen, um die benötigte Masse zu bekommen. Wie bei einem Käsefondue.“ Das Bullern des Ofens verschluckt manche seiner Worte. Er treibt Schweißperlen auf die Haut. Doch der Mann im blauen Hemd bleibt cool. Geschmeidig bewegt er sich, das dünne, lange Rohr immer in der Hand. Jeder Griff sitzt: Mit einem nassen Holzscheit umstreicht und glättet er die Glutkugel. Aus dem zähflüssigen Rund zieht er mit gusseisernen Zangen einen langen Hals und dreht ihn herum – tata: Ein eleganter kleiner Schwan lässt das Licht der Welt hindurch. Entstanden in null Komma nix. „Viel Zeit hat man nicht“, gibt der Glaskünstler lächelnd zu, „das ist alles Übung. Der Anfang ist schwierig, da wird das kein Schwan!“

Hundert Kilo Klarglas schmoren in seinem Ofen, wenn er voll ist. Damit der Schmelzhafen darin nicht springt, heizt Bürklin ihn eine Woche langsam an. Rund um die Uhr muss so ein Ofen laufen, darf nicht abkühlen. Genau wie früher bei den alten Glashütten. „Ein Wahnsinnsaufwand“, betont der Mann mit hoher Stirn und langem, grauen Zopf, „dafür ist das Material nicht teuer.“ Sand, Soda und Kalk zum Stabilisieren braucht es. Bäche und Flüsse lieferten den Sand. Er musste aber sehr fein vermahlen werden. Purer Sand schmilzt auch, aber erst bei 1.723 Grad. „Das war früher nicht möglich“, schränkt der Kunsthandwerker ein, „mein Ofen würde auch wegschmelzen. Das macht man nur für technische Zwecke.“ So tricksten Glasmacher schon immer, indem sie Soda oder – wie hier im Schwarzwald Pottasche – untermischten. Sie verflüssigt sich schon bei 850 Grad. Ist das Gemenge richtig fein vermahlen, „geht“ der Sand mit dem sogenannten Flussmittel mit. Die Überreste aus den Öfen reichten nicht. Für den Rohstoff mussten zusätzlich Bäume verbrannt werden.

Den kompletten Artikel lesen Sie in wanderlust 4/2021. Das Magazin können Sie hier nachbestellen.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Aktuelle Beilagen und Specials

  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat

Events

Zur Zeit liegen keine Events vor …