Pflücken ohne Bücken: Gärtnern mit Hochbeet

Es war ein ganz normaler Frühlingsmorgen, als Wilhelm Zeilfelder auf Wunsch seiner Gattin die gemeinsame Terrasse umgestaltete. Dabei hatte er einen so simplen wie genialen Einfall. Heute zaubert seine Erfindung Tausenden Gärtnern ein Lächeln ins Gesicht.

Text: Carolin Müller

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Eine grüne Oase unabhängig vom Boden schaffen: mit ­Hochbeeten wird das möglich.
© www.hochbeetgarten.de

Millionen Deutsche bewirtschaften täglich ihren Garten oder den Balkon: Dabei bemühen sie sich oftmals mehr, als sie eigentlich müssten. Jedenfalls seit Wilhelm Zeilfelders brillanter Idee im Frühjahr 2009. Von seiner Frau zur Garten­arbeit „verdonnert“, fertigte der ehemalige Möbelbauer, um seinen Rücken zu schonen, einen erhöhten System-Baukasten an.

Schutz vor Schädlingen

Dieses „Beet auf Stelzen“ ist einfach auf- und umzubauen und dank rostfreiem Edelstahl wetterfest. Vor allem ältere Menschen profitieren davon, denn sie können in aufrechter Haltung bequem Pflanzen setzen, gießen und ernten. Und sogar Rollstuhlfahrern ermöglicht der Hochbeetgarten ein barrierefreies Gärtnern. Hochbeete haben aber auch handfeste Vorteile, wenn es um den Schutz vor Schädlingen geht, die sich über die ersehnte Ernte hermachen. Denn durch die Höhe von etwa 90 Zentimetern haben Schnecken, Wühlmäuse oder Kaninchen so gut wie keine Chance, an den Pflanzen zu knabbern. Nicht nur dadurch wird der Ertrag in Hochbeeten höher. Wilhelm Zeilfelder rechnet es gerne vor: „In einem Beet von 1,25 Quadratmetern können 20 bis 25 Salatköpfe gepflanzt und durch entsprechende Kulturstaffelung bis zu vier Mal im Jahr geerntet werden – in ­absoluter Bioqualität.“ Das komme durch das optimale Zusammenspiel von Licht, Wasser, Luft, Temperatur und Nährstoffversorgung im Hochbeet. Schon immer ein leidenschaftlicher Entwickler von modularen Systemen, beschäftigt sich der heute 81-Jährige seit nunmehr drei Jahren mit dem Thema Hochbeete. Der ausgesuchte Werkstoff Edelstahl hat sich in der Praxis bes­tens bewährt, weil er nicht nur formschön, sondern auch rostfrei und außerordentlich langlebig ist – im Gegensatz beispielsweise zu Holzbeeten, deren natürliche Bausubstanz nach einigen Jahren verrottet.

„Nahezu ein Drittel des in Deutschland angebauten Gemüses wird in Privatgärten kultiviert“, ergänzt Marianne Scheu-Helgert von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Immer mehr Menschen hätten ihren Traum, Salat, Radieschen, Kohlrabi oder Kräuter im eigenen Garten zu ziehen, in den letzten Jahren in die Tat umgesetzt. „Wenn das stundenlange Bücken bei der herkömmlichen Gartenarbeit den Rücken zu sehr belas­tet, kann ein Hochbeet eine Alternative sein“, so die Expertin.

„100 Prozent made in Germany“

Zeilfelders Hochbeete liefern die besten Voraussetzungen. Sie sind „100 Prozent made in Germany“ und mit viel Liebe zum Detail gefertigt. Wichtig sind ihm eine perfekte Verarbeitung und eine mühelose Montage; in circa einer Stunde sind die Pflanzgefäße fertig aufgebaut. Sie stehen bei privaten Gartenliebhabern, in Schulen und Kindergärten, aber auch in vielen ­Seniorenresidenzen, im Schaugarten der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Bamberg, im hack-museumsgARTen in Ludwigshafen und im ­Seminarhotel der Manfred-Sauer-Stiftung in ­Lobbach.

Hier treffen sich unter anderem querschnittgelähmte Menschen, die nach Neuorientierung suchen und Impulse zur künftigen aktiven Lebensgestaltung erhalten. Dazu gehört auch das Gärtnern. Von den Köchen, den Gästen und ihren Besuchern wird der Kräutergarten auf Stelzen sehr gut angenommen. „Der Charme eines eigenen Gartens besteht für mich darin, ein Stückchen Autonomie zu haben. Wie viel das wert sein kann, hat auch die EHEC-Krise vor zwei Jahren gezeigt“, meint Stiftungsgründer Manfred Sauer.

Zu einem täglichen Anlaufpunkt haben sich die Hochbeete von TD Technik & Design, wie Zeilfelders Firma heißt, in der Seniorenresidenz Pro Seniore in Brühl entwickelt. Durch den unmittelbaren Kontakt mit der Natur würden alle Sinne aktiviert und die Lebensfreude geweckt, erzählt Residenzberater Carsten Sauder. Carolin Akou vom Caritas-Haus Ulrika aus Heitersheim bei Freiburg bestätigt diese Erfahrung: „Selbst diejenigen, die durch geistige Behinderungen eingeschränkt sind, können noch immer in der Erde wühlen, sind an der frischen Luft und erleben Glücksmomente.“

Wilhelm Zeilfelder ist optimistisch, was die Zukunft von Hochbeeten betrifft. „Zum einen wird es immer mehr Menschen geben, die in ihrer Freizeit für ihre Familie oder sich selbst Gemüse ziehen wollen.“ Dank Hochbeeten können sie dies bequem und auch dort tun, wo sonst keine Pflanzen kultiviert werden – beispielsweise auf Dachterrassen oder einem Balkon. Aber auch exotische Standorte wie Hofflächen oder Parkplätze sind kein Problem. „Am liebsten würde ich einmal ein Stück Autobahn in einen Gemüsegarten verwandeln“, sagt Zeilfelder zwinkernd.

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Trend „Urban Gardening“: Auch mitten in der Stadt ist der Anbau von eigenem Gemüse möglich.
© www.hochbeetgarten.de

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 06 / 2013

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