Anhalt: Gartenzauber mit Tradition

800 Jahre Anhalt – zum Geburtstag hat das ehemalige Fürstentum seine Prachtgärten und Kulturlandschaft noch einmal besonders herausgeputzt. Und Johann Sebastian Bach verzaubert Musikliebhaber.

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© Michael Bader, Jürgen Blume, pa/dpa

Text: Carolin Müller

Ein Schloss mit akkurat-barocken Gartenanlagen, ein riesiger Landschaftspark nach englischem Vorbild, Katharina die Große, Johann Sebastian Bach, Kurt Weill, das Bauhaus, die Junkers-Werke, Lionel Feininger, die Homöo-pathie – all das ist Anhalt. Und dazu natürlich auch noch die Residenzstädte Dessau-Roßlau, Köthen, Bernburg, Zerbst und Coswig, die ja ebenfalls zum ehemaligen Fürstentum gehören, als dessen Gründungsvater der Askanier Albrecht der Bär (ca. 1100–1170) gilt. Offiziell entstanden ist das Fürstentum Anhalt 1212, also vor 800 Jahren. Eine stattliche Zahl, die jetzt den Anlass bietet, die Geschichte und die Menschen, die einst hier gelebt und gewirkt haben, stimmungsvoll in den Vordergrund zu rücken.

So läutete man „ANHALT | 800“ Anfang des Jahres in Dessau-Roßlau, der größten Stadt der Region, im Rahmen des Kurt-Weill-Festes ein, das jetzt, zur schönsten Zeit des Jahres, in vollem Gang ist. Und neben einer großen Wanderausstellung, die unter anderem in Zerbst, Coswig und Köthen besichtigt werden kann, ist Höhepunkt des Dessauer Jubiläumsprogramms der Sachsen-Anhalt-Tag im Juli mit dem Leopoldsfest. Der Besuch in Dessau lässt sich mit einem Abstecher in die Moderne Architektur und der Besichtigung des Bauhauses und der Meisterhäuser (UNESCO-Welterbe) verbinden.

Für Liebhaber Bachscher Musik bietet sich ein Ausflug nach Köthen an. Zwischen 1717 und 1723 arbeitete der Komponist dort als Hofkapellmeister unter Fürst Leopold. In seiner Köthener Zeit komponierte er unter anderem jene Werke, die später als „Brandenburgische Konzerte“ bekannt wurden, sowie die Stücke für das „Wohltemperierte Klavier“.

Mit den 24. Köthener Bach-Festtagen und der großen Barock-Show „La Cour – ein königliches Variété“ im Schloss Köthen ehrt man den Meister einmal mehr in einem würdigen Rahmen.

Erinnert wird in Köthen aber auch an Samuel Hahnemann. Der ­Begründer der Homöopathie arbeitete von 1821 bis 1835 in Köthen – bis er einer um Jahrzehnte jüngeren Geliebten nach Paris folgte. Der Homöopathie-Sommer wartet im August mit Vorträgen und Veranstaltungen rund um das medizinische Fachgebiet auf.

Gartenreich in Dessau-Wörlitz

Die bekannteste und prägendste Persönlichkeit für Anhalt war der fortschrittlich denkende Fürst Franz, „Vater Franz“ genannt. Er ließ das Gartenreich Dessau-Wörlitz anlegen, das heute ebenfalls auf der UNESCO-Welterbeliste steht. Schlösser, Parkanlagen und viele Kleinarchitekturen sind in diese unvergleichliche Kulturlandschaft eingebettet. Gezielt geplante Sichtachsen lenken dort die Blicke auf Nachbauten antiker Gebäude. Wiesen, Wälder, Deiche, Seen und Flüsse laden ein zu Wanderungen, Radtouren, Reiten, Gondel- und Fährfahrten.

Als eine der imposantesten Anlagen des viel gerühmten Gartenreichs ist Schloss Oranienbaum bis Oktober Kulisse der Ausstellung „Dutch Design – Huis van Oranje“. Abgestimmt auf die ehemaligen Funktionen der Räumlichkeiten, werden fast 50 Kabinette mit zeitgenössischen Design- und Modeobjekten ausgestattet, die durch Exponate aus dem ­Archiv des niederländischen Königshauses ergänzt werden. ­

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 04 / 2012

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