Auf die harte Tour

Jahrhundertealte Waldfriedhöfe, Kunst von Weltrang und Hochprozentiges: Der Hermannsweg im Teutoburger Wald verlangt Wanderern einiges ab. Obendrein präsentiert von drei Persönlichkeiten, die exzentrischer nicht sein könnten.

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Zeugen vergangener Epochen: Der 156 Kilometer lange Hermannsweg ist ein Dorado für Baumliebhaber.
© Jennifer Schattling

Text: Carolin Müller, Fotos: Jennifer Schattling

Als wir auf den Parkplatz „Friedrichshöhe“ in Borg­holzhausen fahren, ist die vielfältige Geschichte des Teutoburger Waldes noch nicht wirklich fassbar. Eher sieht es so aus, als wollte sich eine ganze Region verflüchtigen. Und zwar in Schneematsch. Einen Fuß aus der Autotür gesetzt, schon stehen wir knöcheltief in tauendem Eis. Von oben tropft es auch, von den Bäumen. Noch bevor uns Ina Bohlken gesichtet hat, wickle ich mir ­einen monströsen Wollschal um den Kopf. Meine Kollegin streckt grinsend einen Daumen in die Luft.

Die Begrüßung mit Ina fällt herzlich aus – sie ist Projektleiterin für die Hermannshöhen und unser „Teuto“-Guide. Das vielsilbige „Teutoburger Wald“ sage hier niemand, klärt sie uns auf, als wir die Kaistraße hinaufstapfen. Diese führt schnurstracks mitten in den tiefen „Teuto“, wo auf einer Anhöhe die mächtige Ruine der Burg Ravensberg thront. Wolfhart Kansteiner, ein „Teuto-Original“, wie Ina im Vorfeld verraten hatte, erwartet uns hier.

Kansteiner ist Geschäftsführer der Stiftung Burg Ravensberg. Seit nunmehr zehn Jahren kümmert sich die Stiftung um den Erhalt der Burgruine. „Schon Karl der Große ist durch den Pass von Borgholzhausen gezogen“, konstatiert ein sehr überzeugter Burgherr. Besagter Pass zeichnet sich bis heute von der Landschaft ab; ob das Gelände ein strategisch so wichtiger Punkt war, wie Kansteiner ausschweifend erklärt, ist dagegen fraglich. Er fährt fort: Die Burg sei lange Zeit fantastisch zu verteidigen gewesen, da die Hänge an drei Seiten steil abfallen. Man hätte nichts als ein paar größere Steine die Böschungen herunterstoßen müssen. Den mächtigen Maueranlagen sollten Wanderer deshalb unbedingt einen zweiten und dritten Blick gönnen.

„Prost!“ auf halbem Wege

Die Burggebäude selbst gehen etwa bis ins Jahr 1080 zurück. „Der Turm ist so alt“, sagt Kansteiner, und ein kleiner Teil der Ringmauern. Er gestikuliert verschwörerisch. Seither wurde an der mächtigen Konstruktion, die ihre Blüte als Sitz der Grafen von Ravensberg zwischen 1141 und 1346 erlebte, ständig gebaut. Nach 1346 war sie Sitz eines Drosten, bis sie 1673 bei einem Angriff des Bischofs von Münster zerstört wurde. Doch ab 1830 gelang es, ihren Verfall zu stoppen. 1868 wurde das Forsthaus neben dem Burgturm errichtet, von uralten Bäumen umrahmt, das heute als gemütliches Restaurant zur Einkehr einlädt. An einer Führung über das ganze Gelände können Wanderer für einen Unkostenbeitrag von drei Euro teilnehmen. „Nicht verpassen“, ruft Kansteiner noch.

„Absolut sehenswert, aber längst nicht alles“, lautet Inas Ansage, als wir uns zur nächsten Etappe aufmachen. Stimmt: Der Hermannsweg ist mehr als nur ein Waldweg, er ist ein Erlebnis. Das wird überdeutlich, als uns das nächste „Teuto-Original“ entgegenknattert. Gerhard Gold­becker ist zweiter stellvertretender Bürgermeister des am Südhang des Teutoburger Waldes gelegenen Örtchens Steinhagen. Wobei das nebensächlich ist. Bürgermeister zu sein ist nämlich das eine, das andere ist die „Weltmarke Steinhäger“. Auf einer Strecke, die unsere Fotografin vor wenigen Minuten „liegend“ kennengelernt hat, macht Goldbecker neben uns eine Vollbremsung. Der Mann, der jetzt auf den spiegelglatten Weg tritt und sofort hinter seinem Geländewagen verschwindet, hat einen Statur wie ein Braunbär. Dann sehen wir, wie er eine absurd große Flasche des Steinhäger Wacholderschnapses über die Ladefläche hievt und sie uns vor die Nase hält. „Auf das vollbrachte Tagewerk!“, meint er ernsthaft. Es ist ein Uhr am Mittag. „Schmeckt ein wenig wie Badewasser“, kommentiert meine Kollegin den Hochprozentigen, der sogar in Übersee produziert wird. „Das ist pure Natur!“, kontert Goldbecker, während er für alle die zweite Runde einschenkt.

Den kompletten Text inklusive aller Fotos, der Tourenbeschreibung sowie der Tourenkarte zum sammeln und nachwandern erhalten Sie in Heft 1/2016 von wanderlust. Hier können Sie das Heft nachbestellen.

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Wundersame Orte: Nur einer von vielen verschneiten Seen auf den weiten Kammwegen des Teutoburger Waldes.
© Jennifer Schattling

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 01 / 2016

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