Auf sanften Pfaden durch das flache Land

Wasser und Auen, Heide und Dünen prägen die Landschaft. Neun „Wasser.Wander.Welt.“-Routen führen quer durch den Naturpark Maas-Schwalm-Nette am Niederrhein.

Text: Edda Neitz

Es rumpelt und poltert unter uns. Eine Herde Schafe, umkreist von zwei Schäferhunden, drängt sich zwischen den Pfählen des Aussichtsturms hindurch. Von oben schaut es so aus, als würden sie sich gegenseitig über den Haufen rennen. Doch nichts dergleichen geschieht, schon eine gefühlte Sekunde später weiden sie wieder friedlich auf der Wacholderheide. „Praktischer geht Naturpflege nicht“, meint Silke Weich lakonisch. Sie arbeitet beim Deutsch-Niederländischen Naturpark Maas-Schwalm-Nette und hat die neun „Wasser.Wander.Welt.“-Wege maßgeblich mitgestaltet. Einer davon ist der „Schwalmbruch“-Weg, auf dem wir gemeinsam unterwegs sind. Durch die Aue der Schwalm führt der gleichnamige Weg, vorbei an stillen Gewässern und üppigen ­Wacholderbäumen. Mit elf Kilometern zählt er zu den längeren der neun Wege hier im Naturpark Maas-Schwalm-Nette.

Ohne Gipfel zum Premiumwanderweg

Die „Wasser.Wander.Welt.“-Wege sind etwas ganz Besonderes in der Region am Niederrhein. Sie sind die ersten Wanderwege, die grenzüberschreitend, zwischen den Niederlanden und Deutschland, verlaufen. Tatsächlich kam die Anregung zur Wegentwicklung vom Nachbarn. „Wir dachten uns, wenn der Pieterpad, ein Fernwanderweg, der quer durch die flachen Niederlande führt, beliebt ist, warum sollten nicht auch schöne Wanderwege durch unser plattes Land führen?“, erklärt Silke Weich. Wenn sich Schönheit und Qualität ergänzen, dann werden Wanderrouten vom deutschen Wanderinstitut mit dem Gütesiegel „Premiumwanderweg“ ausgezeichnet. Das ist hier der Fall. Für Silke Weich ein Grund mehr zur Freude und gleichzeitig noch die Bestätigung, dass es auch ohne hohe Gipfel und schroffe Felswände geht.

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Silke Weich vom Naturpark Maas-Schwalm-Nette genießt die Pause in „ihrer“ Wasser-Wander-Welt.
© Edda Neitz

Neben den gut ausgeschilderten Wegen, möglichst ohne Asphalt­anteil, muss auch das Angebot rechts und links des Weges stimmen. Dazu gehören Plätze mit lohnendem Ausblick und Gasthöfe, die für gutes Essen sorgen. „Die Wege sind fast schon Selbstläufer“, sagt die Projektleiterin, vor allem dort, wo die Gastronomie mitarbeitet. „Das machen unsere Partner in den Niederlanden gut“. Der Schourenhof von Marga Meijers ist ein Aushängeschild. Ein schmucker Bauernhof mit Hofladen und Café in Vlodorp (Niederlande) am „Rode Beek“-Weg. Wirtin Marga Meijers berät und informiert die Wanderer und vergisst es dabei nicht, noch ein Gagelbier auf den Tisch zu stellen. Der Gagelstrauch wächst hier an vielen Stellen. Früher wurde dieser halbrundliche Busch mit dem herben aromatischen Duft anstelle des Hopfens zum Bierbrauen verwendet. Diese regionale Tradition lässt Marga Meijers wieder aufleben.

Sand vom Atlantik, der liegen blieb

Alle neun Strecken sind als Rundwege konzipiert. Das gibt ­einen weiteren Pluspunkt auf der Skala der Nutzerfreundlichkeit. ­Auffällig und gut platziert sind die zahlreichen Pfosten mit der blau-weißen Markierung der „Wasser.Wander.Welt.“. Auch ohne Karte findet jeder seinen Weg.

Typische Heidelandschaft in XL-Ausführung gibt es am „Meinvennen“-Weg. Über viele Jahrhunderte hinweg war dieses Wald- und Heidegebiet gemeinschaftlicher Besitz von acht deutschen und sechs niederländischen Dörfern. Wen wundert es dann, dass es nun endlich auch grenzüberschreitende Wanderwege gibt! Ins Auge fallen sofort auch die Dünen, die sich entlang des Weges erheben. Der Sand wurde vor Millionen von Jahren von der Atlantik­küste nach Osten in das Tal der Maas geweht und ist dann liegen geblieben. Hauptattraktion ist aber das gemeine Heidekraut. Ab Mitte August überzieht ein violettes Farbenmeer große Teile der Landschaft. An den Zwergsträuchern hängen in dichten Dolden die farbenprächtigen Blüten, und an ­Romantik à la Lüneburger Heide mangelt es keinesfalls.

Dieses Jahr werden die Wege vom deutschen Wanderinstitut wiederholt zertifiziert. „Das wird spannend“, sagt Silke Weich. Sie erwartet es aber gelassen. Das Wegenetz ist bestens ausgeschildert, die Vögel zwitschern nach wie vor, würziger Duft hängt in der Luft, und viel Natur erstreckt sich bis zum ­Horizont. Alles perfekt für das Wanderglück! Touren und Tipps unter: www.wa-wa-we.eu; für Unterkünfte: www.niederrhein-tourismus.de oder www.­vvvmiddenlimburg.nl

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 06 / 2015

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