Auf Schusters Rappen durch den Schnee: Wintermärchen in Deutschland

Was gibt es Romantischeres, als durch tief verschneite Wälder zu stapfen oder von schneebedeckten Gipfeln zu blicken? Ob Wanderspaß oder Schneeschuhtour: Wir verraten Ihnen, wo hierzulande besonders eindrucksvolle Naturerlebnisse auf Sie warten …

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Text: Michaela Roemkens

Harz

Zum Hexentanz auf den Brocken

So mythenumwoben wie seine Gipfel, so magisch schön präsentieren sich seine Wälder, Schluchten und Seen im weißen Kleid: Der Harz, Deutschlands nördlichstes Mittel-gebirge im Schnittpunkt von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, ist auch im Winter ein herrliches Wanderrevier. Dafür sorgen nicht zuletzt die vielen gut präparierten Winterwanderwege, auf denen sich die verschneite Zauberwelt bequem erkunden lässt. Ein Touren-Highlight in den Harzer Naturparks ist der „Goetheweg“ vom Ort Torfhaus hinauf auf die 1.142 Meter hohe Brockenkuppe – eine vielbegangene Route, auf der 1777 schon Goethe durch den Schnee stapfte. Der gewalzte Weg führt zunächst am Großen Torfhausmoor und Abbegraben entlang, passiert die Quitschenberg-Klippen, den Eckersprung und folgt dann den Gleisen der historischen Brockenbahn hin zur Brockenstraße. Rund drei Stunden dauert dieser acht Kilometer lange, abwechslungsreiche Aufstieg zum geheimnisvollen „Hexenberg“, der den Wanderer – je nach Wetterlage – mit einer grandiosen Aussicht weit über das verschneite Land belohnt. Aber auch das Brockenhaus mit seinen Ausstellungen rund um die Natur, Geschichte und Sagenwelt des höchsten Harzer Berges ist einen Besuch wert. Tipp: Wer sich den Aufstieg zum Brocken (rund 330 Höhenmeter) ersparen möchte, kann alternativ von Schierke aus mit der Harzer Schmalspurbahn auf den Brocken fahren und anschließend zu Fuß oder mit Schneeschuhen wieder hinabsteigen.

Reit im Winkl/Chiemgau
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Auf der Hemmersuppenalm

Das oberbayerische Reit im Winkl zwischen Chiemsee und Kaisergebirge gilt als ein echtes Schneeloch. Schwer tragen hier die Tannen an ihrem weißen Kleid. Häuser, Almen und Berge liegen malerisch unter einer tiefen Schneedecke begraben. Wer fernab des Pistentrubels eine Genusstour durch dieses Winterwunderland machen möchte, der sollte vom Wanderparkplatz in Blindau mit einem der Pendelbusse zur Hemmersuppenalm fahren. Direkt an der Hindenburghütte, auf 1.200 Metern Seehöhe, beginnt hier eine sechs Kilometer lange Panoramarunde (Gehzeit ca. zwei Stunden), die einst als erste in Deutschland das Gütesiegel „Premium-Winterwanderweg“ erhielt. Zu Recht, denn der täglich frisch gewalzte und nahezu ebene „Panoramaweg“ schmiegt sich harmonisch in die hügelige Landschaft der Hemmersuppenalm ein. Immer wieder präsentiert er herrliche Aussichten auf verschneite Baumgruppen, Almhütten und das umliegende Gipfelrund der Bayerischen Alpen. Bei gutem Wetter reicht der Blick weit ins Voralpenland bis zum Chiemsee. Ein schmuckes Motiv am Wegesrand bildet auch die kleine St.-Anna-Kapelle, die nach etwa der Hälfte der Strecke erreicht wird. Zurück an der Hindenburghütte, lockt deren warme Gaststube mit traditionell bayerischer Küche aus dem Holzofen. Tipp für den Rückweg: An der Hütte beginnt eine der längsten Naturrodelbahnen Deutschlands. Vier Kilometer führt sie kurvenreich und anfangs recht steil nach Blindau hinab. Wer Lust auf eine rasante Abfahrt hat, kann sich einen Holzschlitten beim Hüttenwirt ausleihen. Besondere Erlebnisse sind zudem das Mondscheinrodeln und die romantischen Nachtwanderungen, die der Wirt im Winter regelmäßig veranstaltet. Bei letzteren geht es mit Fackeln zur St.-Anna-Kapelle, bevor der Abend zünftig mit Musik und Almschmankerln auf der Hütte ausklingt.

Oberstdorf/Allgäu
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Romantisch: nächtliche Fackelwanderung zur St.-Anna-Kapelle. Fotos: Norbert Eisele-Hein, IMAGO, Jens Langlott

Zauberwelt aus Schnee und Eis

Verschneite Täler, tiefblauer Himmel und die majestätischen Gipfel der Allgäuer Alpen: In der kalten Jahreszeit gleicht Deutschlands südlichster Ort einem Idyll aus dem Bilderbuch. Wer die weiße Pracht eingehend erkunden möchte, kann dies in und um Oberstdorf auf über 140 Kilometern präparierten Winterwanderwegen tun. Fast schon ein Klassiker ist die kleine Panoramatour von der Söllereckbahn zur Hochleite, einem entlegenen Fleckchen im Stillachtal. Ab der Berg-sta-tion Schönblick führt die Route durch tief verschneite Wälder und Wiesen zur Berghütte Hochleite (Gehzeit ca. eine Stunde), von wo aus sich ein herrlicher Blick auf das Hauptmassiv der Allgäuer Alpen eröffnet. Noch imposanter ist das Schauspiel, das die Breitachklamm bei Tiefenbach in der kalten Jahreszeit bietet: Die Wassermassen, die im Sommer donnernd über hohe Felsbänke stürzen, erstarren im Winter zu überdimensionalen Eiszapfen. Rund eine Stunde dauert es, die verschneite Klamm und ihre glitzernden Wasservorhänge aus Eis auf sicherem Weg zu durchwandern. Wer dann noch nicht genug vom Eiszauber hat, quartiert sich hoch über Oberstdorf in der „IgluLodge“ ein: Am aussichtsreichen Nebelhorn auf 2.000 Metern Höhe bietet sich hier die Möglichkeit, wie ein Eskimo eine unvergessliche Nacht im Iglu zu verbringen. Bis zu 30 Gäste finden Platz in dem hochalpinen Eis-Hotel, das neben gemütlichen Schlaf-Iglus noch ein Iglu-Restaurant, eine kunstvoll gestaltete Iglu-Bar und im Außenbereich sogar einen heißen Whirlpool besitzt. Übernachtungen kosten ab 114 Euro.

Neuschönau/Bayerischer Wald
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Zu Bären, Wölfen und Baumwipfeln

Endlose weiße Wälder, Abgeschiedenheit, ursprüngliche Natur: Für Winterwanderer und Schneeschuh-Tourengeher gibt es im Bayerischen Wald viel zu entdecken. Schließlich ist das rund 6.000 Quadratmeter umfassende Gebiet zwischen Donau, Böhmerwald und den österreichischen Landesgrenzen die größte zusammenhängende Waldlandschaft Mitteleuropas. Fast alle Orte der Region, in denen es im Vergleich zu anderen Wintersportzentren eher beschaulich zugeht, verfügen über gewalzte und geräumte Winterwanderwege. Über 500 Kilometer umfasst ihr Netz. Da fällt die Tourenwahl zuweilen schwer. Ein absolutes Muss ist der Rundweg durch das Tierfreigehege des Nationalparks Bayerischer Wald: Hier gibt es 40 Tierarten zu sehen, die in seinen Wäldern heimisch sind oder einst waren. Los geht es am Parkplatz des Nationalparkzentrums Lusen bei Neuschönau. Auf der sieben Kilometer langen Runde (Gehzeit ca. drei Stunden) können die Besucher scheue Wölfe, perfekt getarnte Luchse und mächtige Wisente bestaunen, laufen durchs Wildschweingehege und kommen – als ein Höhepunkt – bei den Bären vorbei. Allerdings braucht es etwas Glück, dass Meister Petz und seine Familie die Winterruhe unterbrechen und sich aus ihrer Höhle wagen. Gleich neben dem Tierfreigehege wartet dann eine weitere Natur-Attraktion: Der 2009 eröffnete Baumwipfelpfad. Mit einer Steglänge von 1.300 Metern ist er weltweit der längste seiner Art. Die imposante spiralförmige Konstruktion ist komplett aus Holz gefertigt und führt ihre Besucher nahe an die Bäume im Inneren heran. Die sich unter dem Schnee biegenden Äste und Kronen scheinen zum Greifen nah – eine völlig neue Perspektive auf den Wald. Traumhaft ist auch der Ausblick von der 44 Meter hohen Plattform: An klaren Tagen kann dieser bis zum nördlichen Alpenkamm reichen.

Feldberg/Schwarzwald
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Der Baumwipfelpfad bei Neuschönau liefert vielfältige Perspektiven auf den Wald. Unten: Meister Petz wagt einen Winterspaziergang im Tierfreigehege.

Gipfelglück und Rodelgaudi

Winter und Schwarzwald: Das passt prima zusammen. Mehr als 70 Berge ragen in Deutschlands höchstem Mittelgebirge zwischen 1.000 und 1.493 Meter hoch hinauf. Wer da den Gipfel des Vergnügens sucht, liegt mit einer Tour auf den Feldberg genau richtig. Bei klarem Wetter lockt hier ein traumhafter Panoramablick weit über den verschneiten Schwarzwald bis hin zu den Vogesen und Alpen. Für Wanderer startet ein neun Kilometer langer, gewalzter Premium-Winterwanderweg hinter dem Haus der Natur in Feldberg-Ort. Der führt gleich zu Beginn knackig bergauf in Richtung „Panoramaweg“. Anschließend geht es ebener zur Todtnauer Hütte weiter, wo eine Rodelstrecke Möglichkeiten für rasanten Abfahrtsspaß bietet. An der Kapelle St. Laurentius vorbei, gelangt man schließlich zur gemütlichen St. Wilhelmer Hütte an der -Westseite des Feldbergs – mit 1.380 Metern Seehöhe die höchstgelegene Almhütte Baden-Württembergs. Von dort geht es auf gleichen Wegen zurück (Gehzeit ca. zwei Stunden). Wer den Feldberg lieber auf Schneeschuhen erobern möchte, findet dafür zwei gut ausgeschilderte Schneeschuh-Trails, mit denen sich die verschneite Landschaft leicht auch auf eigene Faust entdecken lässt: den kleinen „Seebuck-Trail“ mit vier Kilometern Länge und 170 Höhenmetern Steigung sowie den längeren, wunderschönen „Gipfel-Trail“. Letzterer fordert mit acht Kilometern Länge und immerhin 340 zu überwindenden Höhenmetern zwar etwas mehr Konditionsstärke, führt dafür aber bis zum höchsten der vier Feldberggipfel auf 1.493 Meter. Die beiden Trails starten ebenfalls am Haus der Natur, das neben einem Verleih von Schneeschuhen auch regelmäßig geführte Schneeschuhwanderungen anbietet.

Erzgebirge
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Das Panorama vom Gipfel des Feldbergs.

Im Weihnachtswunderland

Beim Stichwort Erzgebirge denken viele Menschen an Weihnachten, gemütliche Stuben mit Räuchermännchen und sich über Kerzen drehende Holzpyramiden. Und tatsächlich verwandelt sich die Mittelgebirgsregion an der Grenze zu Tschechien im Winter in ein wahres Weihnachtswunderland: Die sanften Hügel und weit geschwungene Täler verschwinden romantisch unter einer tiefen Schneedecke. In den alten Bergstädten sorgen Weihnachtsmärkte mit erzgebirgischer Holzkunst und traditionellen Bergparaden für süße Adventsstimmung. Wintersportlich gesehen ist Oberwiesenthal, Deutschlands höchstgelegene Stadt (914 Meter), das Herz dieser weißen Zauberwelt. Mehrere ausgeschilderte und geräumte Winderwanderwege laden hier zu Erkundungstouren in die Umgebung ein. Ein aussichtsreicher Höhepunkt, aber recht anspruchsvoll, ist die acht Kilometer lange Route auf den Fichtelberg (1.214 Meter). Vom Ahorn-Hotel am Fichtelberg geht es über die Alte Post-straße durch das Naturschutzgebiet -Zechengrund hoch zum Grenzübergang, weiter zum Kleinen und schließlich zum Großen Fichtelberg. Hier lässt sich der Rückweg wahlweise mit der Fichtelbergschwebebahn abkürzen – als älteste Seilschwebebahn Deutschlands ist sie schon eine Attraktion für sich. Wer weiter stapfen möchte, geht über den Fremdensteig zurück zum Eckbauer, quert auf dem Wasserweg die Skipiste hin zum Philosophenweg und geht am Panoramahotel vorbei nach Oberwiesenthal zurück. Tipp: Besonders romantische Orte für einen stärkenden Glühwein sind die Weihnachtsmärkte in Annaberg, Freiberg oder Seiffen. Die Region um Seiffen und Obernhau ist zudem das Zentrum der hiesigen Spielzeug-Holzkunst. Wer mag, kann hier in zahlreichen Schauwerkstätten beobachten, wie Nussknacker, Räuchermännchen, Schwibbögen und Baumanhänger nach alter erzgebirgischer Tradition entstehen.

Sauerland
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Idyllischer Adventszauber: der Weihnachtsmarkt in Annaberg.

Wintersport-Auszeit im Mittelgebirge

Schneebedeckte Wälder, sanft geschwungene Berge und Täler, dazwischen romantische Fachwerkdörfchen: In der kalten Jahreszeit zieht es zahlreiche Städter aus dem westlichen Flachland hinaus in die Sauerländer Höhenlandschaft. Kein Wunder! Denn während Schnee und Frost in urbaner Kulisse womöglich für trübe Laune sorgen, helfen sie hier, die Stimmung zu heben und leere Batterien wieder aufzuladen. Ideal für eine kleine „Wintersport-Auszeit“ sind die drei Regionen rund um Willingen, Winterberg und Schmallenberg. Neben Abfahrtspisten, Loipen und Rodelhängen locken hier jede Menge präparierte Winterwanderwege – einige davon wurden sogar mit dem Prädikat „Premium“ ausgezeichnet. Dazu zählt die panoramareiche Tour vom höchsten Berg Nordrhein-Westfalens zu den Winterberger Höhendörfern Langewiese und Hoheleye: Vom Parkplatz auf dem Kahlen Asten (841 Meter) führt sie über den Rothaarsteig zur Lennequelle bis hin zur Landwehr, folgt ein Stück dem historischen Grenzweg zwischen Westfalen und Wittgensteiner Land und leitet dann von Hoheleye aus in einer kleinen Schleife wieder zurück. Fast zehn Kilometer beträgt der „Grenzweg Kahler Asten“, der mit einem steilen Aufstieg etwas Kondition erfordert. Leichter unterwegs ist man auf der drei Kilometer langen „Hochheide-Rundtour“ durch das Naturschutzgebiet Hoher Hagen: Dieser Premium-Winterwanderweg startet an der Hochheide-Hütte bei Winterberg-Niedersfeld, führt über das Naturschutzgebiet Richtung Hoppecke-Quelle und am Rande der Hochheide am Clemensberg vorbei. Hier lohnt ein Abstecher hinauf zum Gipfelkreuz: Der Blick über die verschneite Hochheide ist einfach großartig!

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Verschnaufpause auf dem Clemens­berg: Der Panoramablick entlohnt für die Mühen des Weges.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 01 / 2014

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