Begehbarer Naturschutz

Naturerbe schätzen und schützen – dieser Leitgedanke liegt den Natura Trails zugrunde. Etwa 100 davon gibt es in Deutschland.

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Die Streuobstwiesen bei Markelfingen am Bodensee sind Teil des Schutz­gebietes der Natura 2000.
© Tourismus Radolfzell

Text: Edda Neitz

Er liegt nicht an einer der Hauptrouten im Bodenseegebiet, aber der Abstecher lohnt. Der Natura Trail um den Mindelsee führt durch eine satte, in sich ruhende Landschaft. Wer hierher kommt, sucht nicht unbedingt die klassische Bodensee-Idylle mit ihrem mediterranen Flair, ­sondern will mehr von dieser Natur sehen und erfahren. Von der hügeligen ­Moränenlandschaft des Bodanrücks einge­rahmt, umgibt den Mindelsee ein grünes Paradies, das gleichzeitig ein Refugium für Libellen und Schmetterlinge ist. Durchziehenden und überwinternden Wasservögeln bietet er außerdem ein wichtiges, temporäres Schutzgebiet. Im Herbst halten sich dort beispielsweise ­Tausende von Reiherenten auf.

Genau diese urwüchsige Natur wollen die Naturfreunde der Ortsgruppe Markelfingen/Bodensee nun mit dem ­Natura Trail für Wanderer erlebbar ­machen. Die Idee der Natura Trails geht zurück auf eine im Jahr 2004 entwickelte Initiative des Verbandes der Naturfreunde. Die Trails sollen in bestimmten Schutzgebieten Europas angelegt werden. Die Basis bietet das EU-Netzwerk Natura 2000. „Dass Natura 2000 eines der weltweit größten Naturschutzprojekte ist, weiß kaum jemand“, bedauert Daniela Dietsche, Biologin und Leiterin des Naturfreundehauses in Markelfingen bei Radolfzell. Mit rund 26.000 Schutzgebieten unterstützt Natura 2000 die Erhaltung von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten in Europa. Der gesamte Bodanrück ist ein solches Gebiet.

Um den Mindelsee

„Die Ortsgruppen müssen die Trails ini­tiieren und auch umsetzen“, erklärt die ­Biologin. Wenn es geht, werden vorhandene Pfade und landwirtschaftliche Wege genutzt. „Neue Wege entstehen nur, wenn sie notwendig sind, denn es geht nicht darum, Wandergebiete zu erschließen“, fügt sie hinzu.

Gletscher und Vulkane prägten und gestalteten vor vielen Jahrtausenden das westliche Bodenseegebiet. Auch der Mindelsee ist eigentlich ein aus der letzten Eiszeit stammender Gletscherzungensee. Ursprünglich war er zehn Kilometer lang, ist jedoch durch Verlandung auf zwei Kilometer geschrumpft. Praktisch für den Wanderer, denn nun ist der Weg um den ehemaligen Gletschersee in gut zwei Stunden zu schaffen. Der Trail um den Mindelsee beginnt am Naturfreundehaus Untersee. Zuerst müssen wir eine breite Hauptstraße überqueren. Der kurze Aufstieg zum kleinen Hügel hinter dem Naturfreundehaus garantiert uns gleich einen Premium-Ausblick. Vor uns, auf der einen Seite, das weite Panorama über den Untersee, einen Seitenarm des Bodensees, getupft mit Segelbooten. Dunkel smaragdgrün schimmernd auf der anderen Seite dagegen der kleine ­Mindelsee. Und in der Ferne, im Dunst der Sonne, erhebt sich die unverkennbare ­Silhouette der Hegauer Kegelberge, sogenannte Vulkanruinen. Wir gehen nunmehr bergab in Richtung Mindelsee, vorbei an Pfeifengras- und Streuobstwiesen. Im Schilfgürtel haben Sumpfschrecken ihr Revier. Auf festen Wegen und schmalen Waldpfaden wandern wir fast immer in Ufernähe um den See. Die Sonne spielt mit der Landschaft, hebt die Frische der Pfeifengraswiesen hervor, konturiert den Buchenwald am Ost­ufer des Sees mit Schatten und legt ihren Glanz auf die fried­­liche Umgebung. Dieser Wanderweg macht seinem Namen alle Ehre, zeigt er uns doch, wie lebendig und vielfältig die Natur hier ist.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 03 / 2016

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