Bonjour, Bonsai! Baumkunst in Kärnten

Bonsai hat viele Liebhaber – auch in Europa. ­Urgestein unter den europäischen Schaugärten ist das Bonsaimuseum in Seeboden im österreichischen Kärnten. Hier setzt Günter Klösch mit viel Liebe Bonsais in Szene. Zeit und Vergänglichkeit sowie das Weiter­geben von fernöstlichem Wissen sind die Anliegen des ausgewiesenen Japankenners.

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Inspirierende Gartenreise: Europas größtes Bonsaimuseum.
© Günther Klösch/Bonaiszentrum

Text: Carolin Müller

Gerne würde man mit einer ost­asiatischen Spruchweisheit begin­nen, aber zuerst müssen die Fakten auf den Tisch. Gelernt hat Günter Klösch den Beruf des Fotografen, danach war er 15 Jahre im Staatsdienst tätig, bevor er schließlich Bonsai und die fernöstliche Gartenkunst entdeckte. „Vielleicht kamen mir meine Liebe zum Detail und mein geschultes Auge zugute, so dass ich mit dem Bonsaigarten mein Hobby zum Beruf machte“, sagt Klösch. Schon als Kind habe er die Materialien Holz und Stein modelliert und verarbeitet.

Auch die Bekanntschaft mit Wolfram Rader, der sich bereits seit Jahren intensiv mit der Kunst des Bonsai beschäftigt hatte, war wegweisend. Die Ästhetik, Bäume zur Wuchsbegrenzung in kleinen Gefäßen zu ziehen und durch Schnitt in Form zu bringen, war damals in Europa noch nicht sehr verbreitet. „Wolfram hatte ein kleines Gewächshaus mit einzelnen Bäumen, ich lernte viel von ihm“, erinnert sich der eins­tige Schüler. Als Wolfram Rader plötzlich starb, übernahm Günter Klösch dessen Lebenswerk und setzte es in derselben Gartenanlage fort. „Neben Bonsai habe ich mich in den Folgejahren auch auf die japanische Gartengestaltung konzentriert, um den Bäumen einen entsprechenden Rahmen zu geben“, so Klösch.

Weiterbildung in Ostasien

Regelmäßige Reisen nach Japan sind Pflicht – sowohl zur Weiterbildung in der Gartentechnik als auch in der japanischen Philosophie. Auf den Reisen lernt Günter Klösch jedes Mal neue Facetten der japanischen Kultur und den geistigen Hintergrund der Gartentradition aus erster Hand kennen. Ein besonderes Land, in dem vor allem die Mentalität der Japaner fasziniert. „Tradi­tion und Werte“, erklärt Klösch, „werden in Japan großgeschrieben.“

Wie fundiert seine Kenntnisse über Pflanzung und Pflege der Bonsais sind, bezeugen seine wohl fundiertesten Kritiker: Besucher aus dem Fernen Osten. „Viele Japaner, die in unseren Bonsaigarten nach Seeboden kommen, sind begeistert von der Originalität, Größe und Echtheit unserer Anlage“, berichtet der Japankenner selbstbewusst. Gleichzeitig seien sie auch irritiert: Japaner könnten nicht glau­ben, dass es so einen umfassenden Garten außer­halb Asiens gebe. Und dass eine Gartenanlage in dieser Größe von einer Person in einem Menschenleben geschaffen wurde, sei für sie unvorstellbar. „Das macht mich wiederum sehr stolz“, so Klösch.

Bewunderung für den Bonsai

„Man muss kein Bonsai-Fan sein, um von diesen Bäumen, welche zum Teil über 100 Jahre alt sind, begeistert zu sein. Bonsai sind lebende Kunstwerke“, meint Klösch, dessen Anlage inzwischen 15.000 Quadrat­meter umfasst. In den nächsten zehn Jahren möchte er die Fläche auf 30.000 Quadratmeter erweitern. Natürlich unter strenger Einhaltung der japanischen Qualitäts- und Gartenstandards. „Durch sorgfältige Pflege und Gestaltung über Jahrzehnte hinweg haben Bonsais eine unverwechselbare Ausstrahlung, die uns Menschen unweigerlich in ihren Bann zieht“, schwärmt er.

Das leuchtet ein. So schreibt die ­renommierte „Encyclopaedia Britannica“, der Bonsai sei ein Symbol für Zähigkeit und Hoffnung gleichermaßen. Bonsai­bäum­chen sollten, heißt es weiter, immer eine dem Betrachter zugewandte Schauseite haben. Wer könnte sich da dem naheliegenden Verdacht entziehen, Bonsaibäume stünden nicht auf eine Art im Kontakt zum Menschen? An den Winzlingen vorbeizulaufen und sie zu bewundern bedeutet daher auch immer, ein bisschen auf das eigene Seelenleben zu schauen.

Einen Lieblingsplatz in seiner riesigen Anlage will Klösch zwar keinen nennen. Aber der Zen-Garten beim Mitteleingang, der ganz auf das Wesentliche reduziert ist und nur aus Steinen, Kies und Buchs besteht, ist schon eine besondere Oase der Ruhe. „Meine Besucher, ganz egal woher, sind generell positiv überrascht, wenn sie den Garten betreten. Seine Schönheit hat zu jeder Tageszeit, in jedem Licht und zu jeder Jahreszeit einen besonderen Reiz, der Groß und Klein fasziniert.“ Besonders mag es Klösch, wenn Besucher beim Durchwandern des Bonsaimuseums zu innerer Ruhe finden.

Damit trifft sein Bonsaimuseum mitten ins Herz. Denn, wie eine ostasiatische Weisheit treffend und umfassend besagt: „Dumme rennen, Kluge war­ten, Weise gehen in den Garten.“

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Lebende Kunstwerke: Selbst Japaner staunen hier über die Vielfalt der Bonsais, die sie sonst nur in ihrer Heimat vorfinden.
© Günther Klösch/Bonaiszentrum

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 04 / 2014

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