Dem Holz auf der Spur

In der Region Alpbachtal Seenland besitzt das Arbeiten mit Holz eine lange Tradition. Häuser werden bis heute nach traditioneller Alpbacher Bauordnung konstruiert. Wer hier auf dem „Holzweg“ ist, läuft nicht falsch, sondern wandert buchstäblich auf historischen Pfaden.

neuer_name
Auf traditionelle Art stellt der ­Schindelmacher das typische Zierwerk für die Häuser im Alpbachtal her.
© Alpbachtal Seenland Tourismus

Text: Andreas Ohlberger

Fast scheint es, als sei hier die Zeit stehen geblieben. Inmitten saftiger grüner Wiesen und vor der beeindruckenden Kulisse der Kitzbüheler Alpen liegt das Bergdorf Alpbach in einem vom gleichnamigen Bach durchflossenen Seitental des Inns. Gleich auf den ersten Blick fällt die urtümliche Bauweise der Häuser auf. Holz ist der dominierende Baustoff für die urigen Wohnhäuser und genauso für die unzähligen alten Bauernhöfe der Region. Mehr als 100 dieser hölzernen Zeitzeugen werden heute noch bewirtschaftet, der Großteil ist in originalgetreuem Zustand erhalten. Einige, die sogenannten Erbhöfe, befinden sich schon seit über 200 Jahren in Familienbesitz.

neuer_name
Triftsteige wie die Tiefenbachklamm sind heute gesichert und für Wanderer nutzbar.
© Alpbachtal Seenland Tourismus

Seine gut erhaltene, authentische ­Architektur verdankt Alpbach dem Umstand, dass bis 1926 keine befestigte ­Straße hierherführte, über die die negativen Folgen des Fortschritts in den Ort einfallen konnten. Auch der Fremdenverkehr entdeckte Alpbach erst spät, in den 1930er Jahren. So findet man, anders als in anderen touristisch erschlossenen ­Regionen Tirols, in Alpbach keine willkürlich in die Landschaft gepflanzten Beton­Bettenburgen. Der Alpbacher Bauordnung, 1953 auf Initiative von Kommerzialrat Alfons Moser verabschiedet, sei Dank. Schreibt sie doch bis heute traditionelles Bauen im Holzstil vor. Sie ist auch der Grund, weshalb die Spuren von altem Handwerk und Brauchtum hier deutlicher hervortreten als anderswo. Der Lohn für das Bestreben zum Erhalt der Holzbautradition: die Auszeichnung als „Schönstes Dorf Öster­reichs“ im Jahr 1983.

Triftsteige: Auf dem Holzweg

Unterwegs auf den rund 900 Kilometern markierter Wanderwege in der Region Alp­bachtal Seenland stößt man unweigerlich immer wieder auf historische Orte, die den Werkstoff Holz in all seiner Vielschichtigkeit und seiner Bedeutung für die Region erlebbar machen. Einer davon ist die Brandenberger Holztrift. Bis in die 1960er Jahre wurde das Holz auf dem Wasserweg über die Brandenberger Ache, einen Nebenfluss des Inn, aus den Wäldern talwärts transportiert, „getriftet“. Davon zeugen heute noch die gut ausgebauten Triftsteige Tiefenbachklamm und Kaiserklamm, die inzwischen für Wanderer ertüchtigt wurden. In der Holzfällerhütte des Museums Tiroler Bauernhöfe gibt eine Ausstellung mit Bildern, Texten und einem Kurzfilm Einblicke in die beschwerliche und mitunter lebensgefährliche Arbeit der Holztrift.

Im Sommer finden in Alpbach einmal wöchentlich geführte Dorfwanderungen statt, auf denen Wissenswertes über den Alpbacher Baustil und die althergebrachten Methoden der Holzverarbeitung vermittelt wird. Ausgangspunkt für die Erkundungstour ist das Infobüro Alpbach. Von hier aus wandert man über die Mühlbachbrücke auf dem „Mittleren Höhenweg (Weg A4)“ in Richtung Inner-alpbach. Vorbei an alten Gehöften, deren kleine Holzbalkone im Sommer meist üppigen Blumenschmuck zieren, geht es in den Wald zur „Weikartmühle“. Die originale Wassermühle veranschaulicht die mühevolle Getreideverarbeitung durch die Bauern des Alpbachtals bis Mitte des 20. Jahrhunderts. In den Sommermonaten, von Anfang Juni bis Ende September, wird sie zur Schau-Mühle für Besucher.

Von hier aus geht es jetzt über den Ortsteil Rading nach Inneralpbach. ­Einige hundert Meter oberhalb der kleinen ­Kirche steht am Waldrand der Bauernhof „Vorder-Unterberg“. Der Hof wurde in den Jahren 1636 bis 1638 von heimischen Zimmerleuten erbaut und ist heute auch unter dem Namen „Das lebende Museum“ ­bekannt. Lebendig wird das Museum durch die ­Erzählungen des Alpbacher Skilehrers und Bergführers Peter Lederer, der Alpbach wie seine Westentasche kennt. Außerdem sind neben raren Einrichtungs­gegenständen auch noch Tiere zu entdecken.

Vom Museum ist es nicht weit bis zum Sägewerk von Andreas Moser, einem der letzten hauptberuflichen ­Säger. Moser produziert individuelle Holzartikel wie Schnittholz für Balkone und ­Dachstühle. Dabei verwendet er eine Sägepresse aus dem Jahre 1867, die schon seine Großväter benutzten. Individuelle Führungen sind nach telefonischer Anmeldung möglich.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 05 / 2015

Aktuelle Beilagen und Specials

  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat

Events

22.01 – 26.01.2020
Schöneck im Vogtland - Deutscher Winterwandertag