Die Gedanken sind frei

Natürlich liegt das Glück vor der Haustür. Aber wissen Sie, wo genau? Nehmen wir zum Beispiel das Sauerland: Die dortigen Wanderdörfer eignen sich hervorragend, um den Frühling mit einer warmen Umarmung willkommen zu heißen!

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Entlang gut ausgeschilderter Wanderwege finden sich ursprüngliche, typisch sauerländische Ortschaften, die zum Entdecken und Verweilen einladen.
© © Kur & Freizeit GmbH Schmallenberger Sauerland, Sauerland-Tourismus e. V.

Text: Daniela Gercke

Aan diesem Wochenende möchte ich einen Teil der Sauerland-Wanderdörfer erwandern. Nach Wochen stressiger Büroarbeit fällt es mir schwer, mich auf den Weg zu machen. Doch nach einer ersten ruhigen Nacht und einem reichhaltigen Frühstück im Gasthof bin ich voll erwartungsfroher Neugier.

„Nehmen Sie sich ruhig ein ordentliches Lunchpaket mit, woll!“ Die Worte der netten Wirtin aus dem familiengeführten Landgasthof klingen mir noch im Ohr, und ich frage mich nun doch, was mich heute erwartet. „Ich nehme Sie mit auf den 16 Kilometer langen Orketalrundweg. Den haben wir speziell für die Qualitätsregion Wanderbares Deutschland neu konzipiert“, so hatte es mir meine Wanderbegleiterin Sabine Risse am Telefon angekündigt. „Der Weg gehört gleichzeitig zu den Sauerland-Spuren, mit naturnahem Wegegrund“, verrät sie mir, als ich sie am Wanderparkplatz treffe. Sabine ist quasi beruflich Sauerland-Fachfrau und schnürt natürlich auch selbst regelmäßig die Wanderschuhe. Jetzt stehen wir an einem der Wanderausgangspunkte der Region – von vielen solcher Ausgangspunkte starten Prädikatswanderwege.

Mal „verlaufen“? Kein Problem!

Wir starten am Parkplatz „Orketal“ in der Nähe von Medelon und folgen zunächst dem Gewässerpfad Orke. Die Orke ist ein niedliches Bächlein, das – nach umfangreichen Maßnahmen naturnäher gestaltet, wie Sabine erzählt – nun wieder fröhlich durch die feuchten Wiesen plätschert. Durch Buchenwälder, Wiesen und das Naturschutzgebiet „Heideköppel“ verläuft der Rundweg bis in das Örtchen Berge. Berge ist der kleinste Ortsteil Medebachs und hat seinen Charakter als idyllisch und landwirtschaftlich geprägter Ort bis heute behalten. Hier treffen wir auf den Medebacher Bergweg, einen der 12 Prädikatswanderwege in den Sauerland-Wanderdörfern, folgen ihm hinauf zum Lückenkopf und werden durch eine herrliche Fernsicht belohnt, 470 Meter über der Mede-bacher Bucht. Der Rundweg ist mit einem weißen H auf blau leuchtendem Grund sehr gut markiert. Dieses Markierungszeichen, so erklärt mir Sabine, ist das Rundwegezeichen des Sauerland-Höhenflugs, auf den wir im Verlauf unserer Wanderung noch treffen werden. „Warum wurden bei einer solch guten Markierung noch zusätzliche Wanderschilder aufgestellt?“, frage ich meine Begleiterin. „Na, um auch mal vom Rundweg abzuweichen!“, lacht sie und erklärt mir das System der Sauerländer Wanderbeschilderung. Hier hat sich die Sauerland-Wanderwerkstatt der Systematik des vor 15 Jahren entstandenen Rothaarsteigs bedient. Der Rothaarsteig, ein Wanderleuchtturm des Sauerlandes, der zu den Top Trails of Germany zählt, hatte auf seiner Wanderbeschilderung immer ein Nahziel und ein Fernziel und alle an dem Wanderknotenpunkt abgehenden Wanderwege notiert. Von diesem Premiumweg ausgehend wurden dann im Laufe der Jahre auch alle anderen markierten Wanderwege an den Knotenpunkten beschildert. „Damit haben wir unser Wanderwegenetz fast unverlaufbar gemacht“, schwärmt Sabine.

Fröhlich schwatzend erreichen wir das Naturschutzgebiet Rüggen, das aus einer ehemaligen Niederwaldwirtschaft hervorgegangen ist und vor allem Kleinsäugern und Höhlenbrütern einen Lebensraum bietet. Ein steiler Pfad führt uns hinab nach Dreislar, wo wir in einen gemütlichen Landgasthof einkehren. Während wir uns ein leckeres Radler schmecken lassen, erfahre ich, dass Dreislar eine lange Bergbautradition hat und hier schon seit 1777 Schwerspat abgebaut wird. Aber um mehr darüber zu erfahren, sollten wir vor Ort unbedingt noch das Schwerspatmuseum besuchen, in dem faszinierende Kristalle bewundert werden können, meint Sabine.

Nach dieser interessanten Pause schlendern wir weiter auf unserer Wanderrunde, die uns nun am Rastplatz „Im Schwinkel“ vorbeiführt. Mit Wassertretbecken, Barfußpfad, Massagebäumen und Relaxliegen lädt der Platz zu einer weiteren Pause ein. Wir widerstehen, denn wir müssen noch einen kleinen Aufstieg bewältigen, der uns hoch zum Sauerland-Höhenflug führt. Der Sauerland-Höhenflug bietet indes grandiose Aussichten und führt auf über 250 Kilometern einmal quer von Westen nach Osten durch das Sauerland. Nicht unser Tagesziel, aber es wird trotzdem deutlich, als sich mir die wunderbare Fernsicht über die als europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesene Medebacher Bucht eröffnet. Nun haben wir uns doch noch einmal eine Pause verdient – bevor wir uns nun fast nur noch leicht bergab gehend zurück zu unserem Ausgangspunkt begeben.

Fünf wunderbare Stunden liegen hinter mir. Meine Beine sind vielleicht ein wenig erschöpft, aber mein Kopf fühlt sich nun wunderbar klar und aufgeräumt an. Ich freue mich auf ein ausgedehntes Abendessen und auf mein gemütliches Bett, denn morgen bin ich mit einer Kneipp-Animateurin und mit einem Ranger verabredet.

Wandern nach 5 Elementen

Ich treffe Gudrun Hagemeister ein wenig außerhalb des Ortes Olsberg beim „Schinkenwirt“. Sie ist Kneipp-Gesundheitstrainerin und auf dem Kneipp-Wanderweg in Olsberg unterwegs. „Die fünf Elemente Wasser, Kräuter, Ernährung, Lebensordnung und Bewegung“, erklärt sie mir, „gehören zu den Lehren Kneipps.“ Ich merke schnell, dass es ihr eine Herzensangelegenheit ist, ihren Gästen diese Dinge auf dem Weg zu zeigen und die Gesundheit nach Kneipp „erfahrbar“ zu machen. Frischen Schrittes wandern wir bergauf, während mir Gudrun Hagemeister, gut ausgerüstet mit einer Gießkanne, manche Anekdote erzählt.

Nun stehen wir vor einem kleinen Pfad und sie rät mir, einfach einmal die Wanderschuhe auszuziehen und barfuß weiterzulaufen. Da es doch noch ein wenig kühl ist und sich die Sonne gerade hinter einigen Wolken versteckt, zögere ich ein wenig. Heißt es nicht: „Den Kopf halt kühl, die Füße warm, das macht den besten Doktor arm.“ „Ja, ja“, schmunzelt meine Kneipp-Animateurin. „Sie werden sehen, wie warm und wunderbar durchblutet Ihre Füße im Anschluss sind.“ So laufen wir barfuß, die Wanderschuhe in der Hand, zunächst vorsichtig, dann aber doch immer sicherer werdend einige hundert Meter über einen Wiesenpfad. Fast ist es schade, als wir das Ende des Weges erreichen – vermitteln mir die Füße nun doch so ein neues angenehmes Kribbeln. Und zum Abschluss, bevor die Socken und Schuhe wieder angezogen werden, geht es in die eiskalte natürliche Tretstelle mit frischem Quellwasser. Als die Füße wieder warm eingepackt in den Wanderschuhen stecken, meine ich, lange nicht mehr ein solch wohliges Gefühl gespürt zu haben. Wir schlendern gemeinsam weiter, und ich erfahre auf meiner Vormittagsrunde noch so einiges Neues und auch, wofür wir die Gießkanne dabei haben: Denn zum Abschluss bekomme ich noch kalte Wassergüsse über die Arme und Beine und nehme mir fest vor, das ein oder andere von Gudrun Hagemeisters Ratschlägen in den Alltag hinüberzuretten.

Mit Ranger entlang der Quellen

Nach dieser sehr sinnlichen Erfahrung freue ich mich, einen echten Ranger der Sauerland-Waldroute an der Wanderinformationstafel von Alme, einem Ortsteil von Brilon, zu treffen. Mit Jörg Pahl und seinem Hund Carlos möchte ich zu den Almequellen, einem der größten Quellgebiete Deutschlands, spazieren. „In diesem Jahr stehen die geführten Wanderungen der Ranger im Sauerland ganz unter dem Motto Quellen“, berichtet er mir, während sein Hund mich neugierig begrüßt. Ich erfahre, dass sehr viele wichtige Flüsse Nordrhein-Westfalens, wie die Ruhr oder die Lenne, dieser hügeligen Landschaft hier entspringen. Ein kleiner Spaziergang von etwas über fünf Kilometern führt uns zunächst aus Alme hinauf zum Buttenberg, dann geht es steil hinunter zum Quellteich. Wir setzen uns hin und spüren die zeitlose Atmosphäre und den lebendigen Überfluss der aussprudelnden Quellen, die zugleich interessant und anregend sind.

Viel zu schnell ist auch dieser Tag vergangen – ich muss zurück: zusammen mit einem ganzen Sack voller Eindrücke, die mir einen neuen Schwung für die anstehende Arbeitswoche geben.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 03 / 2015

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