Die „Krombacher“-Insel: Eine Perle der Natur

Die „Krombacher“-Insel – „Eine Perle der Natur“ – damit verbinden viele nicht nur ein kühles Pils, sondern auch ein winziges Eiland, das unberührt inmitten eines glasklaren Sees liegt. Zu schön, um wahr zu sein? Nein, denn das Juwel liegt nur wenige Kilometer von Köln entfernt im Osten des Bergischen Landes.

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Alles echt: Die herrlich unberührte Insel ist keine Werbetrickserei, sondern kann genau so besichtigt werden, wie man sie aus der Werbung kennt.
© PR

Text: Carolin Müller

Mitte der 90er Jahre lief der erste Spot im Fernsehen. Die Brauerei Krombacher warb darin mit einem kleinen, bewaldeten Eiland für „natürlich frischen Pilsgenuss“ – und machte die unbekannte Schöne, die „Krombacher-Insel“, zum ungeahnten Sehnsuchtsziel der Deutschen.

Bis zu 100 Anfragen erreichten die Brauerei wöchentlich mit der Bitte, den Standort des Miniatur-Paradieses zu verraten. Dabei wurden nicht selten Vermutungen wie Kanada oder Neuseeland geäußert. Tatsächlich liegt der internationale Werbestar im äußer­s­­­­­­­ten östlichen Zipfel der Wiehltalsperre nahe der nordrhein-westfälischen Gemeinde Reichshof. Das ist nur knapp zwanzig Kilometer westlich vom Brauereistandort entfernt. Anfang der 70er Jahre errichtet, versorgt der See der Wiehltalsperre heute mehr als 200.000 Menschen mit Wasser. Für den Bau der Talsperre mussten über 450 Menschen umgesiedelt werden, elf kleine Dörfer verschwanden in den Fluten.

Weitläufiges Naturareal

Nicht nur wegen des Trinkwassers ist die Wiehltalsperre von großer Bedeutung. Dank strenger Auflagen entstand ein Biotop von Menschenhand, in dem sich zahlreiche, teils vom Aussterben bedrohte Tierarten ansiedelten. Im Rahmen des Wanderprojekts „Wege durch die Zeiten“ errichtete die Gemeinde Reichshof einen Aussichtspunkt mit Picknickplatz – und dem besten Ausblick auf die berühmte Insel. Zudem informieren dort aufgestellte Schilder über die „Versunkenen Dörfer“. Obwohl die Plattform der einzige begehbare Platz der Wasserschutz­zone rund um die Wiehltalsperre ist, legen eine Vielzahl von Wandermöglichkeiten immer wieder den Blick auf die Talsperre frei.

Besonders interessant ist eine Entdeckungsreise an der Seite von Förster ­Michael Fobbe. Er ermöglicht einen Spaziergang über den nicht öffentlich zugänglichen Vorstaudamm und erklärt die Besonderheiten der Talsperre, deren Umfeld in einen Wasserschutzwald umgestaltet wurde. Das macht sich bemerkbar: Weitgehend ungestört nisten im gesamten Gebiet um die Talsperre über vierzig Kranichpärchen sowie Grau- und Kanadagänse. Auch Kauze und Spechte fühlen sich in den stark bemoosten Altholzinseln wohl, die die Gegend zuweilen wie einen Märchenwald anmuten lassen. Mit mehr als 160 Vogelarten schmückt sich das Umfeld der Wiehltalsperre, darunter Kormorane, Silberreiher oder der wundersame Neuntöter. Viele der gezählten Vogelarten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Der Wacholder hat viele Gesichter – und viele Sagen, die sich um ihn ranken. Auf einem knapp sechs Kilometer langen Rundwanderweg lassen sich die zahlreichen Facetten dieses immergrünen Baumes entdecken, der noch vor 200 Jahren weite Teile des Bergischen Landes prägte. Denn seit dem Mittelalter haben die hier siedelnden Menschen immer mehr Wälder abgeholzt, um Brenn- und Bauholz zu gewinnen. Auf den entstandenen Wiesenflächen konnte sich als eine von wenigen Pflanzen der genügsame Wacholder behaupten. 

Die Branscheider Wacholderheide, durch die der Rundweg führt, ist eine der letzten Wacholderheiden im Oberbergischen Land. Sie wird mit menschlicher sowie tierischer Unterstützung davor bewahrt, vom Wald überwuchert zu werden. Entlang des Weges informieren Tafeln über die Bedeutung des Wacholders als Gewürz in der Küche, seine heilenden Kräfte und allerhand Mythen, die sich um den Wacholder ranken.

Wer genau hinsieht, der entdeckt zwischen dem violetten Gewächs Reste von Wallhecken und alten Obstwiesen. Sie sind letzte Zeichen der elf Ortschaften, die der Wiehltalsperre weichen mussten. Wenn die Besucher dann über einen der Gedenksteine stolpern, die an die versunkenen Dörfer erinnern, ist die Naturreise in die Vergangenheit perfekt.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 05 / 2012

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