Ein Pony in der Drachenschlucht

Sarah und Timo Lorenz wandern gemeinsam mit Pony Egon durch Deutschland. Sie erzählen eine ­Geschichte von Mut, Freundschaft und Lebensfreude – diesmal aus der thüringischen Drachenschlucht.

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Egon unbeirrt: Es geht auch durch enge Felsspalten und über Gitterroste.

Die heutige Tour sollte für meinen Mann und mich eigentlich eine leichte werden. Begleitet von Hund Sturmi und Pony Egon wollten wir die Drachenschlucht bei Eisenach besuchen. Natürlich hatte ich mich im Vorfeld darüber informiert: Von einer „wildromantischen Klamm“ war zu lesen und einer Engstelle mit „gerade einmal 68 Zentimetern“. Timo hatte am Morgen noch Egons Breite gemessen: Überhaupt kein Problem – das passt locker.

Los geht es also mit Sack, Pack und Pony. Schon auf dem Weg zum offiziellen Eingang der Drachenschlucht fällt uns auf, wie viele ­Leute hier unterwegs sind. Wir sind nie alleine. Was mich auf anderen Wanderungen oft stört, wird hier schnell zur Gewohnheit: Kinder wollen Egon streicheln, Mütter Fotos machen und ältere Ehepaare wissen, wo wir herkommen und heute noch hinwollen.

Egon hat einen überraschend schnellen Schritt aufgelegt, und schon durchqueren wir das Tor zur Schlucht und in eine andere Welt: Ein Bach plätschert entlang des Weges, der an eindrucksvollen Steinmassiven vorbeiführt.

Die ersten hundert Meter verlaufen sehr entspannt. Doch dann führt der Weg nicht mehr entlang des Baches, sondern plötzlich ­darüber. Egons Hufe klappern auf Gitterrost, und von den Seiten neigen sich Felswände in den Weg hinein und drohen uns zu berühren. Wasser tröpfelt auf den Boden, es ist dunkel, laut und nass. Jedes andere Pony hätte wohl gezögert, doch Egon läuft mir völlig entspannt hinterher. Mal nimmt er den Kopf ganz tief und schnaubt den Gitterrost an, mal zupft er mit seinem Maul vorsichtig an meiner Jacke auf der Suche nach ­Leck­erli. Ich bin die ganze Zeit auf Egon konzentriert, und obwohl ich zügig vorausgehe, damit er mir unbeirrt folgt, registriere ich jedes Geräusch und jede Bewegung hinter mir.

Kurz vor Ende der Wanderstrecke werden wir noch einmal angehalten, um Egon für ein kleines Fotoshooting herzugeben. Gesagt, getan. Dann stehen wir auch schon auf einem Parkplatz und haben die Drachenschlucht hinter uns gelassen. Auf einem Waldweg laufen wir zurück, bis vor uns eine Bank mit Aussicht auftaucht.

Hier sitze ich also nun und bedanke mich telepathisch bei meinem Pferd. Unglaublich, was der Kleine alles mit uns erlebt und wie perfekt er jede Situation meistert. Eine ganze Stunde machen wir Pause an ­diesem Ort. Dann satteln wir Egon und laufen weiter.

Alle Abenteuer von Pony Egon: www.verwandert.devv

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 03 / 2015

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