Erholsame Grenz-Erfahrung

In der deutsch-niederländischen ­Grenzregion erleben Wanderer die ­Entschleunigung vom stressigen ­Alltag. Die drei prägenden Fernwanderwege­ bieten zudem viel Abwechslung ­zwischen Natur und Kultur.

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Entspanntes Wandern: Viele grüne Flussufer mit gut ausgebauten ­Wegen wie hier an der Niers bei Goch prägen den Jakobsweg 3.
© Agentur Berns

Text: Wilfried Spürck

Kilometerlang durch unberührte Natur wandern. Über gut ausgebaute und überwiegend flache Wanderwege, die sich durch traumhafte Landschaften schlängeln. Kein Lärm, einzig die Geräusche der ­Natur sind zu hören. Die Farbe Grün dominiert. Für Wanderer ist die Region zwischen Rhein, Waal und Maas ideal, um dem Alltag ­einmal zu entfliehen und pure Entschleunigung zu genießen. Entlang kleiner und großer Flüsse verlaufen hier die Routen, inmitten ausgedehnter Waldgebiete, an weiten Feldern, Heide- und Seenlandschaften vorbei, teilweise hin- und herwechselnd zwischen deutschem und niederländischem Gebiet. Historische Gebäude, Herrenhäuser, Schlösser, ­Mühlen und ­pittoreske Dörfer bieten ein ­märchenhaftes Bild. Als hätten sich die Autoren der Grimm’schen Märchen hier ihre Inspiration geholt.

Weg der Freundschaft

Den Gedanken freien Lauf lassen, die ­Sorgen des Alltags vergessen, das ­geschieht hier von ganz allein. „Komm zu uns, komm zu Dir“ – passender könnte das Motto dieser abwechslungsreichen Wanderregion nicht gewählt sein. Bestes Beispiel dafür sind die drei prägenden Fernwanderwege der Grenzregion: der niederländische Pieterpad und die grenzübergreifenden Jakobswege 3 und 4. Sie bieten die für dieses Gebiet so typische abwechslungsreiche und spannende Verbindung aus Natur und Kultur.

Der Pieterpad führt durch verwunschene Gegenden, zum Beispiel das wunderschöne Naturreservat Millingerwaard, wo wild lebende Galloway-Rinder und Konik-Wildpferde hautnah erlebt werden können. Bizarre Baumformationen und seltene Pflanzen säumen den Wegesrand. Der Pieterpad wird auch der „Weg der Freundschaft“ genannt, weil er auf zwei Freundinnen zurückgeht, die ihn Anfang der achtziger Jahre erfanden, um sich auf halber Strecke dieses circa 500 Kilometer langen Wanderwegs zwischen ihren Wohnorten im Norden und im Süden der Niederlande zu treffen. Diese Mitte befindet sich in Vorden, wo der Pieterpad 1983 eröffnet wurde. Hinter Gennep, wo Maas und Niers zusammenfließen, folgt der Weg der Maas und führt den Wanderfreund auch nach Venlo, wo sich Großstadtluft schnuppern lässt.

Auf den Spuren der Römer

Nicht weniger abwechslungsreich ist der Jakobsweg 3, der Weg der Vergleiche. Die Wanderer erkunden immer abwechselnd die deutsche und die niederländische Region und erleben die kulturellen Facetten der beiden Nachbarländer hautnah. Nach dem Start in Millingen aan de Rijn auf niederländischer Seite führt der Weg unter anderem in den großen deutschen Marienwallfahrtsort Kevelaer. Neben zahlreichen kulturellen Höhepunkten beeindruckt auf diesem Wanderweg die landschaftliche Vielfalt: Er verläuft durch üppige Wälder, über ­Hügelketten, streift weite Gemüse- und Blumenanbaugebiete, ehemalige Moor- und bunte Seenlandschaften. Bei einer Rast zwischendurch kann man dann die gewaltigen Eindrücke sacken lassen, sich dabei einen deutschen Pfannkuchen schmecken lassen und ihn mit einem ­niederländischen „Pannekoeken“ ­vergleichen – oder umgekehrt.

In die Welt der alten Römer führt zu großen Teilen der Jakobsweg 4. Er ­startet in der niederländischen Hansestadt ­Nijmegen und führt bis ins Zentrum von Krefeld-Linn in Deutschland. Vorbei an geschichtsträchtigen Orten und alten ­römischen Stätten, glaubt man unterwegs zuweilen fast, römische Legionäre marschieren zu sehen. Dies wird besonders in der sagenumwobenen Römerstadt ­Xanten spürbar. Ein besonderes Flair verleiht der Route auch die Rhein-Nähe. Durchweg führt sie an dem bedeutenden Fluss ­entlang, der sich auf diesem Abschnitt eher ruhig gibt. Passend zu ­dieser Region, die zum Abschalten und Entschleunigen einlädt.

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Wohltuend: Im niederländischen Städtchen Millingen aan de Rijn lohnt sich ein Besuch der dortigen Millinger Theetuin inmitten des Naturschutzgebiets „Millingerwaard“.
© Agentur Berns

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 01 / 2016

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