Huskyschlitten-Tour: 16 Pfoten für ein Halleluja

Einmal wie ein verwegener Hundeschlittenführer mit dem Huskygespann durch die Wildnis jagen, auf Kufen den Schnee durchpflügen und den kalten Wind im Gesicht spüren. Faszination pur, die sich mit dem Musher-Diplom krönen lässt.

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Volle Kraft voraus: Die ersten Meter auf dem Schlitten fühlen sich ungewohnt an, vermitteln aber gleich das Gefühl von großer Freiheit.
© Steffen Potratz

Text und Fotos: Steffen Potratz

Es ist kalt, bitterkalt, als sich die Gruppe rund um die ­Huskys und deren Musher – so werden in der Fachsprache die Hunde­schlittenführer genannt – versammelt. Das Thermometer zeigt gerade einmal minus 14 Grad an, vielleicht sind es auch minus 16 Grad. Die Menschen frieren, den Huskys scheint diese Kälte allerdings nicht viel auszumachen. Sie liegen faul im Schnee, kämpfen spielerisch mitein­ander, fühlen sich in ihrem Element und der ­kalten Umgebung so richtig wohl.

Über 50 Schlittenhunde nehmen die ­Besucher in Empfang – ein faszinierender Anblick! Aus stahlblauen und dunkelbraunen Augen schauen die Hunde uns etwas misstrauisch, aber gespannt an. Gleich ­daneben stehen die Schlitten für die ­Vierbeiner. Gefährte, die an Jogging-Kinder­wagen erinnern: nicht wirklich vertrauenerweckend und ebenso wenig einladend. Noch bin ich skeptisch. Während der Fahrt werden wir auf den Kufen des Schlittens stehen. Zwischen diesen ist eine Brems­matte befestigt, mit der sich die Geschwindigkeit der Schlitten regulieren lässt. Wer allerdings ganz abstoppen will, muss auf eine Metallkralle treten. Sie bohrt sich ­sofort in den Schnee und sorgt dafür, dass der Schlitten seine Fahrt unterbricht.

Wichtige Grundlagen

Allmählich werden die Fahrer nervöser, die Chef-Musherin bremst die ­Euphorie ­jedoch erst einmal. „Gleich habt ihr ­zunächst etwas Zeit, um die Hunde kennenzulernen“, sagt Sieglinde Herzmaier, Inha­berin der Firma Checkpoint Adventure. Das Team rund um die charismatische Musherin, deren sonnengebräuntes Gesicht von vielen Stunden an der frischen Luft erzählt, bezieht im Winter Stellung im Nationalpark Gesäuse in der Steiermark. Von hier aus starten die Touren des Teams.

Wohlbefinden vorausgesetzt

Alle Fahrten mit den Hunden geschehen immer unter einer Voraussetzung: Es muss den Tieren gut gehen. „Wichtig ist, dass die Huskys Spaß haben und sich wohlfühlen. Sollten wir das Gefühl haben, dass irgendetwas nicht stimmt, brechen wir ab“, beruhigt Herzmaier die besorgt dreinschauenden Neu-Musher. Ziemlich oft hört man im Gemurmel der Fahrer die Frage, ob die Hunde den Schlitten gerne ziehen und wer überhaupt auf die Idee gekommen ist, die Tiere vor ein solches Gefährt zu spannen. Diese Art der Fortbewegung hat jedoch eine sehr lange Tradition. Schon früh haben Inuit in Nordamerika und Grönland die Schlitten als Transportmittel im Schnee genutzt. ­Siberian Huskys, Alaskan Huskys und ­Malamute werden als Hunde bevorzugt. Sie gelten als besonders ausdauernd, lauf- und ­bewegungsfreudig. Zudem sind sie sehr ­belastbar. Damit bringen sie die idealen ­Voraussetzungen zum Las­tentransport mit.

Auf das Kennenlernen der Hunde folgt zunächst eine theoretische Einweisung. Zu den Grundlagen des Schlittenfahrens gehört – wie beim Autofahren – das Lenken. Im Prinzip ganz simpel: Verlagert man sein Gewicht auf das linke Bein, fährt man eine linke Kurve und umgekehrt. Was jetzt noch recht einfach klingt, stellt sich in der späteren Praxis jedoch als äußerst schwierig heraus.

Auch die „Mannschaftsaufstellung“ – also die Anordnung der Hunde vor dem Schlitten – ist erklärungsbedürftig. Es kann nämlich nicht jeder Hund an ­jeder Stelle laufen. Das Gespann vor dem Schlitten besteht bei unserer Tour aus vier Hunden. Die vorne angeleinten Huskys sind nicht ganz so kräftig wie ihre dahinter angespannten Artgenossen. Die beiden sorgen für das Tempo. Die beiden kräftigeren Huskys dahinter bringen den Schlitten inklusive menschlichem Passagier so richtig in Fahrt.

Freiheit auf 16 Beinen

Nach der Theorie und ein paar Trocken­übungen geht es dann endlich in Richtung Schlitten. Unsere Anspannung scheint sich auf die Hunde zu übertragen. Sie werden auf einmal ganz nervös und fangen an, hin und her zu rennen und laut zu jaulen. „Das ist die Vorfreude“, lacht ­Sieglinde Herzmaier. „Die wollen laufen!“ Das Jaulen wird jetzt immer lauter, bis es fast nicht mehr auszuhalten ist. Man spürt die ­Power der Hunde förmlich in der Luft.

Das Team spannt je vier Hunde vor ­einen Schlitten. „Ihr müsst den Fuß erst einmal auf die Kralle stellen, sonst rennen die Hunde gleich los, und ihr fallt hin“, gib die Musherin letzte Anweisungen. Die Tiere stehen wortwörtlich in den Startlöchern. Sie ziehen an dem Wagen, als ob es kein Morgen gäbe. Die Hunde zerren regelrecht am Gespann. Jetzt wird schnell klar, warum man fest auf der Kralle stehen muss!

Und dann geht es endlich los: Just als sich die Kralle löst, geht augenblicklich ein heftiger Ruck durch Wagen und Fahrer, der sich nach den ersten Metern aber bald in ein sanftes Gleiten verwandelt. Die Schlittenhunde geben von Beginn an mächtig „Gas“. Dann wird es ganz plötzlich leise. So, als wäre jeder in seinem ganz persönlichen Hochgefühl versunken.

Auch ich könnte losjaulen vor lauter Freude. Ansonsten hört man nur noch das Schnauben der Hunde, die Kufen im Schnee. Von hinten ist zu erkennen, dass die Zungen der Tiere aus ihren Mäulern hängen. Die Hunde sehen aus, als lachten sie. Der Fahrtwind bläst uns eisig ins ­Gesicht, doch das ist jetzt nebensächlich. Eigentlich verstärkt es das Gefühl von Freiheit noch. In diesem Moment fühlen wir uns der Natur unglaublich nah! Obwohl die Teilnehmer ihre Hunde vorher noch nicht kannten, bilden sie nun mit ihnen ein Team. Rechtskurve, links herum – alles geht jetzt, mit etwas Übung, ganz leicht vonstatten, und Nervosität ist kaum noch da.

Nach dem Ende der Fahrt wirken die Hunde ebenso glücklich wie die Neu-Musher. Wer den gesamten Workshop ­erfolgreich abgeschlossen hat, besteht den Hundeschlitten-Führerschein, das sogenannte Musher-Diplom.

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Abenteuer pur: Die Huskys sind schon vor der Tour voller Vorfreude auf die Fahrt mit den Hundeschlitten.
© Steffen Potratz

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 01 / 2013

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