Lederhose trifft Lama

Bayerische Berge und Vierbeiner aus den Anden – wie geht das zusammen? Eine Wanderung, auf der es zu spannenden Begegnungen kommt, inmitten herrlichster Landschaft.

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Jedem das Seine: Jeder wandert mit einem Lama. Einige Kniffe gibt es dabei allerdings zu beachten.
© Friederike Bauneck

Text: Friederike Brauneck

Sein Blick ist sanft schimmernd, lange Wimpern senken sich gelassen darüber … diesen ­Augen kann man sich nicht entziehen! Sein Name: Charly, ein prächtiger Lama-­Wallach mit Vorfahren in den chilenischen Anden, aber ein gebürtiger Bayer. Er kommt auf leisen Sohlen daher – als Schwielengänger mit dicken Fettpolstern unter den beiden Zehen ist er im Geröll der Berge ­sicher, und in Wald und Wiesen hinterlässt er keine Trittschäden. In ihrer ursprünglichen Heimat sind die Artgenossen hochgeschätzte Lastenträger, weniger Fleisch- oder Wolllieferant. Dennoch, einmal im Jahr wird geschoren, und die weiche Wolle gibt kuschelige Decken. Eben dieser Blick in die großen Augen und ihre Genügsamkeit haben Isolde Pfleghar, Hans Loher und Olaf Fries sofort begeistert. Perfekt, um sich neben dem eigentlichen Broterwerb ein zweites Standbein aufzubauen: Lama-Trekking.

Ja, das kann man mit den Tieren, die in den Anden auf 2.000 Meter Höhe leben. Olaf ist mit seinem Sohn und zwei Tieren in 15 Tagen von München nach Bregenz gelaufen. Die Tiere leben ohnehin in der Offenstall-Haltung, daher macht ihnen eine Übernachtung im Freien vor der Hütte nichts aus. Aber solch eine Tour bedarf einer längeren Gewöhnung und Vorbereitung. Für den Standard-Urlauber bietet sich eher eine geführte Wanderung an. Denn selbstverständlich geben die drei ihre Lamas nicht in fremde Hände, sondern sie begleiten den Wanderer. Auch wenn unsere wolligen Gefährten sich gutmütig zeigen, einen eigenen Kopf haben sie durchaus. Perfekt für eine Einstiegswanderung geeignet sind die SalzAlpenTouren: kürzere Themenwege rund um den frisch als Premiumweitwanderweg zertifizierten SalzAlpenSteig auf den Spuren des „weißen Goldes“ und seiner Produktionsstätten in den Chiemgauer Alpen.

Am Treffpunkt Samerberg strecken die Vierbeiner interessiert die Köpfe aus dem Hänger – keine Spur von Scheu. Simba, Charly, Kiran und Pedro lassen sich geduldig die Leinen ans Halfter legen und hüpfen fröhlich heraus. Pedro wird ein kleiner Gepäcksattel aufgelegt, an den Rucksäcke angehängt werden. Er duldet das gelassen, denn Olaf hat es mit ihm trainiert. Wie man auch das Gehen über Brücken oder Einsteigen in den Hänger üben muss.

Unkompliziert, aber nicht ohne Eigenarten

Wir lernen, dass man die Tiere am Hals streicheln darf, Kopf und Hinterteil sind tabu. Herrlich weich fühlt es sich an, und die Tiere riechen frisch nach Heu. Da sie kaum Hautfett bilden und sich zur Körperpflege nicht lecken, sondern im Staub wälzen, kann man für Tierhaar-Allergiker Entwarnung geben!

Jeder von uns bekommt einen Führstrick in die Hand, und dann marschieren wir nebeneinander oder im Gänsemarsch wie in einer Karawane. Der Vergleich ist nicht ganz daneben, denn Lamas gehören zur Familie der Kamele und sind eingefleischte Herdentiere. Man bleibt also zusammen – einschließlich diverser Pi...­pausen, die immer zu einem kollektiven Stopp führen. Hans und Olaf wissen, dass ihre Zöglinge dabei immer gerne Zeit schinden und frisches Grün naschen. Also werden wir angehalten, die Leine kurz zu halten und weiterzugehen. Und sie folgen auch einigermaßen willig, Hauptsache zusammenbleiben. Während unserer Wanderung durch die wunderschöne Landschaft erfahren wir viel über die Tiere und erregen einiges Aufsehen bei Mensch und Tier.

Pferde und Kühe auf den Weiden drängen sich schon von Weitem an den Zaun, um die unbekannten Artgenossen zu beäugen. Pedro, Charly, Simba und Kiran sind vorsichtig interessiert, aber direkter Kontakt wird lieber vermieden. Nach etwa zwei Stunden versuchen unsere vierbeinigen Begleiter immer häufiger, am Wegrand ein paar köstliche Halme zu zupfen. Es wird Zeit für eine Pause – perfekt auf der Dandlberg-Alm.

Und, tun sie’s?

Die Lamas werden auf einer saftigen Wiese direkt vor der Terrasse angepflockt. Wir gönnen uns einen herzhaften Imbiss nach bayerischer Art: Wurstsalat, Milzwurst oder einfach Spiegelei mit Kartoffel. Der goldfarbene Kaiserschmarrn unter zarter Puderzuckerschicht krönt das Mahl. Den großartigen Blick über das Tal des Inn und auf den Wendelstein gegenüber gibt’s gratis dazu. Die Lamas, die genüsslich zu unseren Füßen weiden und sich schließlich zum Wiederkäuen setzen, sind schon eine Überraschung vor dieser tief bayerischen Kulisse. Die Gäste auf der Hütte diskutieren und beobachten die vier Exoten interessiert. So kommt man schnell ins Gespräch, und immer wieder müssen ­Isolde, Hans und Olaf Fragen beantworten. Zu den häufigsten gehört natürlich die nach dem Spucken. „Das ist ihr Sozialverhalten“, erläutert Olaf, „sie beißen nicht, wenn es innerhalb der Herde Unstimmigkeiten gibt, sondern spucken.“ Meist nur etwas Speichel direkt aus dem Mundraum. Sie können aber auch Wurfmaterial aus dem Vormagen heraufholen, und dann wird es unappetitlich. „Das gilt nicht dem Menschen, sondern den Artgenossen“, so Olaf. „Einfach aufpassen, dass man nicht zwischen die Fronten gerät!“, ergänzt Hans. Dennoch ist klar: Diese Frage nervt sie, denn „es gibt so viel Tolles von diesen Tieren zu berichten, aber die meisten denken immer nur an das Spucken!“, bringt es Olaf auf den Punkt. Isolde dagegen weiß aus eigener Erfahrung: „Wer den Tieren in die Augen schaut, ist sofort verliebt!“

Ob verliebt oder interessiert, es macht einfach großen Spaß, einmal in ungewohnter Begleitung zu wandern. Und auf alle Fälle ist dies ein prima Tipp, wie man dem eigenen Nachwuchs das Wandern schmackhaft machen kann.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 02 / 2016

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