Mystik & Mord in der Eifel

Heimelige Dörfer, idyllische Maare und sanfte Täler – die Eifel könnte ein Ort der Zuflucht und Geborgenheit sein. Wären da nicht über 50 Krimiautoren, die hier unbehelligt morden, betrügen, rauben und kidnappen. Und das schon seit über 30 Jahren!

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Wo finstere Verbrechen geschehen: Für Kriminalromane wird man landschaftlich kaum eine bessere Vorlage als die Eifel finden, so viel steht fest.
© IMAGO/AllCanada Photo

Text: Carolin Müller

Es ist kaum zwei Tage her, wir haben drei Leichen, zwei halb totgeschlagene Männer, und wir wissen nichts, absolut nichts. Sie sollten mir schnell die Rechnung machen, Herr Doktor.“ – „Glauben Sie, dass Sie keine Zeit mehr haben, um mich zu bezahlen?“ Drei Tote neben einem stark bewachten Bundeswehrdepot in der Eifel. Und Journalist Baumeis­ter wird krankenhausreif geschlagen, kaum dass er seine Recherche begonnen hat.

Moooment mal! Die Eifel – eine Kriminallandschaft? Das hätte vor nicht allzu langer Zeit noch Achselzucken, Gelächter oder gar ein vielsagendes Tippen an die Stirn ausgelöst. Heute sieht das ganz anders aus. Doch was ist passiert?

Eifelkrimis – eine Art Reiseführer

Jacques Berndorfs „Eifel-Blues“ von 1989 brachte den Stein ins Rollen. Vor über 30 Jahren saß Berndorf, dessen bürgerlicher Name Michael Preute ist, an einem Regenteich mit Molchen und Glockenunken, dachte über sein bisheriges Leben nach und darüber, was er noch damit anfangen könnte. Das war die Geburtsstunde des Eifelkrimis, wie er in einem Interview einmal verriet. So wurde aus dem Journalisten Michael Preute der Krimibuchautor Jacques Berndorf und aus der beschaulichen Eifel ein Schauplatz finsterer Verbrechen.

Mittlerweile betätigen sich mehr als 50 Autorinnen und Autoren in diesem Genre und lassen in der ungezähmten, einzigartigen Eifellandschaft morden und betrügen, was das Zeug hält. Sogar ein Krimi-Hotel gibt es im Raum zwischen Aachen, Köln, Koblenz und Trier. Der Grund für diese Erfolgsstory? Sicherlich die Protagonisten, die teils skurrilen Typen, aber auch die Authentizität der Schauplätze, die es ermöglicht, den Spuren der Täter und auch der Ermittler zu folgen.

Die intensive und liebevolle Beschreibung der Landschaft und der Orte macht viele der Eifelkrimis aber auch zu einer Art Reiseführer, der neugierig auf das Land macht, in dem so grausige Dinge passieren. Hunderte Schauplätze hat Josef Zierden, Organisator des Eifel Literatur Festivals, in seinem „Eifel Krimi-Reiseführer“ zusammengetragen und damit ein Standardwerk für die Eifelkrimi-Liebhaber geschaffen.

Mit einem Blick auf die Krimi-Karte stellt der Betrachter schnell fest, dass sich die Schauplätze im Raum Hilles­heim häufen. Hier findet sich Jacques Berndorfs ehemaliges Domizil genauso wie die Wohnstätte Ralf Kramps, eines ebenfalls gefeierten Eifelkrimi-Autors („Mord und Totlach“).

Die beiden kennen die Gegend wahrscheinlich wesentlich besser als die Wanderführer des Eifelvereins, so munkelt man. Fest steht: Aus diesen Überlegungen heraus ist vor über zehn Jahren der geniale Eifelkrimi-Wanderweg entstanden.

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Dem Verbrechen auf der Spur: Auf knapp zehn Kilometern spüren Laien-Kriminalisten und Protagonisten aus den Eifelkrimis nach.
© Molter

Mit „Klara Fall“ und „Hella Blick“ auf Tour

Seitdem begeben sich Krimi-Gäste unter der Obhut der Chefermittlerinnen „Klara Fall“, „Hella Blick“ oder „Dane Spur“ auf die Fährte der Ermittler aus den Eifelkrimis von Jacques Berndorf, Ralf Kramp & Co. Dabei liegt der Schwerpunkt eindeutig auf dem Krimi-Erlebnis, denn die Strecken sind gut zu meistern: Das zweistündige Programm führt ausschließlich durch Hillesheim, in der vierstündigen Tour werden nicht mehr als zehn Kilometer zurückgelegt. Bei der Recherche an Originalschauplätzen ergeben sich knifflige Fragen, die von den teilnehmenden Krimi-Liebhabern gelöst werden müssen. So wird der kriminalistische Spürsinn geweckt und hartnäckig in den Abgründen des Verbrechens gestochert.

Beinahe kriminell ist auch das Suchtpotenzial: Wer den Eifelkrimis auf einer Tour das erste Mal begegnet, der findet sich in Folge nicht selten im ersten Stock des Hillesheimer Kriminalhauses stilecht im „Café Sherlock“ wieder. Hier, im Deutschen Krimi-Archiv, warten knapp 30.000 Bände auf ihre Entdeckung und Entschlüsselung, darunter selbstverständlich alle Eifelkrimis.

Der Krimi-Wanderweg: Mörderisch gut!

Eingefleischte Fans hingegen wissen schon lange: Die Krimi-Wanderung zu ausgewählten Schauplätzen ist völlig ungefährlich und eignet sich daher beispielsweise auch für junge Kriminalisten in spe – die Missetäter werden üblicherweise gefasst, wenn sie nicht schon vorher durch einen mehr oder weniger heftigen Schicksalsschlag die Handlung verlassen mussten.

Insgesamt verbindet der Eifelkrimi-Wanderweg, der selbstverständlich auch auf eigene Faust erkundet werden kann, elf Schauplätze miteinander. Diese sind in zwei Routen von insgesamt 37 Kilometern aufgeteilt. Markiert ist er im Uhrzeigersinn mit dem „Eifelkrimi“-Logo (siehe Bild auf Seite 94) und Richtungspfeilen, damit kein Schauplatz unentdeckt bleibt. Neben den Informationen zu den Schauplätzen enthält die Eifelkrimi-Broschüre Übersichtskarten, eine Literaturliste sowie Wegbeschreibungen. Die Schauplätze sind durchnummeriert. Das ist keine Wertung, vielmehr soll dies die Übersicht verbessern. Stationen 1 bis 5 liegen an Route I, Schauplätze 6 bis 11 an Route II. Vor Ort weisen Logos auf den Standort hin. Die Tourist-Information Hillesheim (touristik@hillesheim.org) empfiehlt den Einstieg in Route I an derselben, den Start auf Route II sollten Wanderer in der Ortsmitte Kerpens nehmen – so sind auch die Beschreibungen gegliedert.

Die perfekte Kulisse: Literatur trifft auf Landschaft

Die Broschüre versorgt aber nicht nur mit Hintergrundinformationen, sondern verweist auch auf die Schönheiten am Rande der Wanderung. Denn während im Süden der Eifel eine sattgrüne Hügellandschaft und im Norden Wälder, Moore und Gebirge zu finden sind, wird ihre Mitte um Hillesheim von Maaren, Wacholderheiden und Vulkankegeln regiert. Zwar kam es vor knapp 10.000 Jahren zum letzten Ausbruch, umso mehr gibt es dafür heute in den ehemaligen Lavahöhlen zu bestaunen: Verkalkte Moose, Flechten und Algen schaffen wunderschöne Formationen im übrigens nördlichsten Kalksteinvorkommen Europas. Und so ist nicht alles kriminell gefährlich, vieles jedoch schaurig schön, mörderisch gut oder barbarisch interessant.

www.eifelkrimi-wanderweg.de

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 06 / 2015

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