Nature Watching: Mittendrin, aber nicht ganz dabei!

Sich die Natur mittels Fernoptik direkt vor das Auge zu holen ist nicht neu, aber offensichtlich noch so wenig publik, dass sowohl der aktuelle Duden als auch das „Weborakel“ Wikipedia noch keine Definition von „Nature Watching“ kennen. Was ist das genau?

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Der Bartgeier gehört zu den seltensten Greifvögeln Europas.
© IMAGO/blickwinkel, pa/dpa

Auch wenn Nature Watching, also Naturbeobachtung, kein massentouristisches Phänomen ist, steht man als Naturbeobachter mit Fernglas nicht mehr wie ein Männlein allein im Walde. Die Ornithologen, sprich Vogelkundler, nähern sich schon seit Jahrzehnten mittels Optiken den Objekten ihrer Begierde. Wem dieses „Birding“ zu spießig oder heimisch erschien, fuhr raus auf die See zum Whale Watching oder zur klassischen Safari. Aktuell scheint der Trend wieder Richtung ­einheimischer Gefilde zu gehen, und auch nicht als hermetisch abgegrenztes Hobby, sondern eher als Bonus oder Zusatzreiz beim Wandern, Trekking, Bergsteigen oder Mountainbiking.

Echte Naturbeobachter haben sich dabei zwei Ziele auf die Fahnen geschrieben: zum einen ein komplettes Ökosystem zu betrachten, und nicht die spektakulärsten Einzeltiere, zum anderen dabei nicht wie der trampelige 80er-Jahre-Tourist mit dem Jeep bis in die Mitte einer Herde zu preschen, sondern sich verantwortungsvoll und zurückhaltend dem Lebensraum zu nähern und eher eine Rolle als Außenstehender einzunehmen. So bekommt man den Zugang zum Leben und Verhalten echter Wildtiere im Gegensatz zu angepassten Kulturfolgern und Zootieren. Diese Art der Beobachtung gilt als besonders „sanfter“ Tourismus.

Eine zwingende Lokalisierung gibt es nicht – selbst der heimische Garten birgt kleine Naturschauspiele. Wegen der ­abwechslungsreichen und etwas exotischeren Tier- und Pflanzenwelt gelten aber Küsten und vor allem Hochgebirgsregionen als Watching-Mekka. In den Alpen zählt man intern erst als echter Naturbeobachter, wenn man alle „big five“ der dortigen Fauna ­gesehen hat; dazu zählen das Murmeltier, der Steinadler, die ­Gämse, der Steinbock und der Bartgeier. Dennoch bleibt der Grundsatz bestehen: Nicht die Suche nach dem Spektakulären ist das Ziel, sondern der Genuss von Flora und Fauna als Ganzes, und das aus angemessener Entfernung.

Etliche Tourismusverbände und Hotels in alpinen Regionen bieten Touren mit einem erfahrenen Guide an. Denn die angemessene Entfernung und Zurückhaltung stellen eine zentrale Herausforderung dar. Getarnte Tiere am Gegenhang zu finden ist nicht leicht. Ein Guide kann hier helfen. Wer diesen Luxus nicht genießen kann, sollte sich an die Tipps rechts halten. Außerdem tut man sich leichter, wenn die Ausrüstung stimmt. Uraltferngläser mit Trübungen, Unschärfe oder den in Filmen oft benutzten „Schatten“ im Randbereich verderben den Naturgenuss.

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Steinböcke leben hoch oben, Vergrößerungsfaktor 8 ist hier Minimum. Fotos: IMAGO/blickwinkel, pa/dpa
© IMAGO/blickwinkel, pa/dpa

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 05 / 2013

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