Naturpark Meißner-Kaufunger Wald: Ein Tag im Mohn

Wenn von Ende Juni bis Mitte Juli der Schlafmohn in Meißner-Germerode blüht, ist das Landschaftsbild malerisch. Ganze Felder erstrahlen dann in Pink oder Rosa. Doch auch ohne die beeindruckende Mohnblüte zählt der Naturpark zu den schönsten Naturlandschaften Deutschlands.

Text: Renate Merz

neuer_name
Blühendes Leben: Schlafmohnfelder werden im Naturpark Meißner-Kaufunger Wald einfach durchwandelt.
© Renate Merz

Mit rund 93.000 Hektar ist der Naturpark ­Meißner-Kaufunger Wald der drittgrößte Naturpark Hessens. Er umfasst neben Meißner und dem Kaufunger Wald unter anderem auch den Söhrewald und große Teile des Werratals. Der Kaufunger Wald beeindruckt mit seinen schönen Waldlandschaften und Wiesentälern. Er bietet einzigartige Wandererlebnisse auf seinen 14 ausgezeichneten Premiumwanderwegen und auf seinen Wanderwegen mit märchenträchtigen Namen, wie beispielsweise dem „Frau-Holle-Pfad“. Der Hirschberg (643 Meter), der Bilstein (641 Meter) und der Hohe Meißner, der an seiner höchsten Stelle beeindruckende 753 Meter misst, sind die bekanntesten Erhebungen des Kaufunger Waldes. Von Ende Juni bis Mitte Juli blüht dann – je nach Witterung – auf den Mohnfeldern rund um Meißner-Germerode ein Meer aus Millionen Mohnblüten. Auf einem 2,5 Kilometer langen, relativ leicht zu begehenden Rundwanderweg mit herrlichen Weitblicken über den Hohen Meißner und das Werratal wandert man mitten durch die beeindruckende Blütenpracht. Neben asphaltierten Wirtschaftswegen führt der Wanderweg auch durch mit Stroh unterlegten Pfaden quer durch die blühenden Felder. Schon nach zwei bis drei Wochen Blütezeit reifen die Mohnkapseln in der Abblühphase heran. Der bis zu 1,20 Meter hohe einjährige Schlafmohn (­Papaver somniferum) gehört zu den ältesten Kulturpflanzen Europas. Schon in der Antike wurden Mohnsamen zum Bestreuen von Gebäck und zur Herstellung von Desserts verwendet. Die unreifen Kapseln enthalten einen weißen Milchsaft, das sogenannte Opium, das insgesamt 40 verschiedene Alkaloide enthält, unter anderem mit dem Hauptbestandteil Morphin, aus dem Heroin oder Schmerzmittel hergestellt werden können, die physische und psychische Abhängigkeit verursachen. Aus diesem Grund unterliegt in Deutschland der Mohnanbau der Bundesopiumstelle und bedarf einer Genehmigung. Der in Meißner-Germerode angebaute Mohn ist eine morphinarme Sorte und wird ausschließlich für die Lebensmittelproduktion eingesetzt (Mohnöl, Mohnsamen für Backwaren, Mohnmehl). Ein blühendes Mohnfeld mitsamt seiner Feldränder, auf denen zahlreiche andere Feld- und Wiesenblumen zu entdecken sind (Kamille, Kornblumen, Klatschmohn), ist auch Anziehungspunkt für eine Vielzahl an Insekten, die zahlreich um die Blüten schwirren. Neben Wanderungen über Mohnfelder werden während der Hauptblütezeit an Sonntagen Führungen oder Planwagenfahrten angeboten.

Frau Holle & der Hohe Meißner

Der Hohe Meißner ist der Hausberg von Frau Holle. Das Märchen von Frau Holle sowie viele Frau-Holle-Sagen spielen hier. Nur hier gibt es einen Teich, der nach dieser Sagen- und Märchengestalt benannt wurde. Der Sage nach ist der Teich unendlich tief und birgt den Eingang zum Reich Frau Holles. Im Frühjahr ist er ein beliebter Laichplatz für Frösche, Kröten und Molche. Außer dem Teich können Wanderer noch viele weitere „Frau-Holle-Plätze“ im Hohen Meißner erkunden, wie etwa die Felswand Kitzkammer mit ihren fünf- und sechs-eckigen Basaltsäulen, den Todstein – ein auffälliger Fels östlich von Abterode – oder die Hollensteine südöstlich von Hessisch Lichtenau. Wer noch mehr über Frau Holle erfahren möchte, kann die verschiedenen Veranstaltungen rund um die Märchen-figur besuchen, wie die geführten Wanderungen des Naturparks, die „Märchenmitmachwanderungen“ für Kinder oder die „Märchenhaften Stadtführungen“.

Neben den vielen Wanderwegen durch die zauberhafte Landschaft bietet der Kaufunger Wald insbesondere für Familien zahlreiche Möglichkeiten, das Gebiet mit all seinen Details einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und zu erkunden. Barrierefreie Wanderwege für Familien mit Kinderwagen oder für Rollstuhlfahrer, unzählige Barfußpfade sowie das Besucherbergwerk „Grube Gustav“ stehen für ausgedehnte Erlebnistouren das ganze Jahr über zur Verfügung.

neuer_name
Eindeutig ausgewiesen: der Mohnrundwanderweg in Germerode.
© Renate Merz

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 06 / 2013

Aktuelle Beilagen und Specials

  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat

Events

22.01 – 26.01.2020
Schöneck im Vogtland - Deutscher Winterwandertag