Nord-Limburg: Über Moore, Dünen und Heideflächen

Raue Natur-Schönheit und eine vielfältige Tierwelt prägen das Hochmoor De Groote Peel und den Binnendünengürtel De Maasduinen in den südlichen Niederlanden.

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Charakteristisch: Das Violett der Besenheide­ prägt den Nationalpark De Maasduinen an vielen Stellen.
© Tourismusbüro Limburg

Text: Wilfried Spürck

Zunächst: Stille. Dann erfüllt der Ruf eines Kranichs die Luft. Dann wieder: Stille. Die Hektik des Alltags, der Lärm der Stadt: weit entfernt. Wer die Atmosphäre am Meerbaansblaak-See im Nationalpark De Groote Peel eine Weile auf sich wirken lässt, den kann eine tiefe innere Ruhe erfassen. Diese intensiven Eindrücke sollte man sich nicht entgehen lassen, wenn man dieses Naturschutzgebiet von insgesamt 1.400 Hektar Größe im Süden der ­Niederlande besucht.

De Groote Peel, das ist ein Überbleibsel eines ursprünglich 30.000 Hektar großen, gigantischen Hochmoors zwischen Eindhoven und Venlo. Eine Perle im Norden der Provinz Limburg. Wer im Westen Deutschlands wohnt, kann hierhin locker auch mal einen Tagesausflug unternehmen. Von Aachen beispielsweise sind’s nur rund 70 Kilometer bis Ospel, einem möglichen Ausgangspunkt für Wandertouren vor Ort.

Früher war De Groote Peel mit seinem Torfmorast ein unzugängliches Gebiet. Doch die Menschen nutzten die speziellen Natur­gegebenheiten für sich. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde hier in großem Stil Torf abgebaut und als Brennstoff verwertet. Dabei verschwanden durch Entwässerung weite Teile des ursprünglichen Hochmoores. Um die erhaltenen Feucht­gebiete zu schützen, dürfen seit 1990 in einem Radius von zwei Kilometern um De Groote Peel keine Drainagen oder andere Entwässerungsmaßnahmen mehr durchgeführt werden. Seit 1993 ist De Groote Peel als Nationalpark ausgewiesen, bereits 1951 wurde es zum Naturschutzgebiet erklärt.

Über 100 Voge

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Wanderfreunde finden hier eine vielfältige Landschaft von rauer Schönheit vor. Wasserflächen, die aus Abtorfungen entstanden sind, Moore, unzugänglicher Torfmorast und offene Heidefelder kennzeichnen das Gebiet. Auf dem nährstoffarmen Boden wächst vor allem Torfmoos, aber auch vereinzelte Bäume und kleine Wälder prägen hier die Natur. Zudem ist De Groote Peel mit über 100 verschiedenen Vogelarten – darunter der Kranich, der große Brachvogel, die Saatgans und der Rotschenkel – eines der vogelreichsten Areale in Westeuropa. Zum Schutz dieses Schatzes sind Teile des Parks während der Vogel-Nistzeit von Mitte März bis Mitte Juli und während der Zugzeit (Mitte Oktober bis Ende November) gesperrt.

Drei farblich markierte ­Wanderrouten führen durch den Park. Die Knuppelbrug („Knüppelbrücken“)-Route verläuft teilweise über hölzerne Wege durch das Moor, die sogenannten Knüppelwege. Eine Schutzhütte bietet auf diesem Rundweg die Möglichkeit zur Rast. Bis zu einem Aussichtsturm verläuft er parallel zur Meerbaansblaak-Route. Diese führt um den See Meerbaansblaak herum, der nach dem Torfabbau geschaffen wurde. Hier können Sie die Vielfalt der Vögel, zum Beispiel vom Aussichtsturm aus, bestens beobachten. Die Gelegenheit haben Sie auch auf der Mussenbaan­route. Diese biegt nach dem ersten Knüppelweg rechts ab und führt Sie später in den „Vogel­wald“ mit Beobachtungsnistkästen. Alle drei Routen sind auch für Familien mit Kindern sehr gut geeignet. Besonders an feuchten Tagen empfiehlt es sich, Gummi­stiefel mitzubringen.

Flugsand aus Jahrtausenden

Nur rund 50 Kilometer weiter nordöstlich befindet sich der andere große Natio­nalpark Nord-Limburgs: De Maasduinen, praktisch direkt an der deutschen Grenze gelegen. Er schlängelt sich, an seiner Westseite fast parallel zur Maas, über 23 Kilometer von Nordwesten nach Südosten bei einer durchschnittlichen Breite von zwei bis vier Kilometern. Seinen Namen verdankt der Nationalpark den auffallenden Flugsandrücken. Sie entstanden am Ende der letzten Eiszeit (10.000 v. Chr.), als große Teile Nord- und Mittel-Limburgs mit einer Schicht Flugsand bedeckt waren, den Rhein und Maas über Jahrtausende hinweg abgelagert haben. Der Wind blies diesen Sand zu ­Sandrücken und Dünen in Hufeisenform zusammen, von der sich ihre Benennung „Paraboldünen“ ableitet.

De Maasduinen ist der längste Binnendünengürtel der Niederlande. Hier können Besucher Sandverwehungen erleben und den Blick über Moore und Heideflächen mit der charakteristischen violetten Bedeckung durch die Besenheide schweifen lassen. Vielleicht kreuzen auch Biber oder Füchse den Weg, oder vor ­Ihren Augen flattert ein Exemplar der über 30 verschiedenen Schmetterlingsarten herum. Sogar eine Schlangenart ist hier heimisch: die völlig harmlose Glattnatter.

De Maasduinen besteht aus mehreren sich aneinander anschließenden Naturgebieten. De Hamert im Süden wurde 1996 zum Nationalpark erklärt. Zwei Jahre später wurde er Richtung Norden hin erweitert und in „De Maasduinen“ umgetauft. Durch weitere Gebietszuwächse wuchs er auf ­seine heutige Fläche von 4.500 Hektar.

Ganz im Norden, beim Dorf Afferden, ist die mit gut einhundert Metern Ost-West-Ausbreitung schmalste Stelle. Hier durchschreitet man den Bergerbos (bos = Wald), der eine abwechslungsreiche Landschaft bietet. Highlights sind die sogenannten Quin mit ihren Moorgebieten und Heidefeldern, die komplett von Paraboldünen umschlossen sind, und der Heidekomplex Duvelskuul (Teufelskuhle). Ein Stück weiter südlich liegt bei Nieuw-Bergen das Naturgebiet Eckeltse Bergen. Am Ceresweg in Nieuw-Bergen finden Sie das Eendenmeer (Entensee) mit einer Landschaft aus halb offenem Sumpf und Wasser. Wenn Sie weiter nach Süden kommen, gelangen Sie zwischen Nieuw-Bergen und Well in die Bergerheide. Von 1971 bis 2001 entstand beim Örtchen Well durch Sand- und Kiesabgrabungen das Reindersmeer. Als Ausgleich für die verloren gegangene Natur wurden die Ufer später auf natürliche Weise eingerichtet. Heute liegen rund um das Gewässer viele Lagunen, Tümpel und Moorseen. In der Volgelbeobachtungsstation bekommen Sie eventuell sogar einen Eisvogel oder einen Seeadler zu sehen. Östlich von Well in der Bosserheide gibt es noch echte Flugsandgebiete mit über zwanzig verschiedenen Flechtenarten.

Auf der Höhe von Knikkerdorp zwischen Well und Wellerlooi befindet sich die Wellsche Heide. Der Name täuscht, denn die Heideflächen wurden vor einiger Zeit mit Nadelbäumen bepflanzt, der Wald mittlerweile jedoch zu einem Mischwald mit anderen Sorten wie Eiche, Birke, Eberesche und Beerensträuchern umgeformt. Auf den verbliebenen Heideflächen sind unter anderem die seltene Zauneidechse und der Ockerbindige Samtfalter beheimatet.

Im Nordwesten von Wellerlooi kommen Sie in De Rode Hoek (Das Rote Eck), das hauptsächlich aus Nadelwald mit Waldkiefern besteht. Das Gebiet wurde in der jüngeren Vergangenheit nur zur Produktion von (Stütz-)Holz für die Minen in Süd-Limburg genutzt. Eichen- und Birkenwald wurde zum Schlag verwendet.

Ganz im Süden des Nationalparks liegt bei Wellerlooi das Landgut De Hamert. Vom Dikkenberg, dem höchsten Punkt in der Umgebung, haben Sie einen schönen Ausblick auf die typischen Maasduinen mit den dazugehörigen Moorgebieten. Mit dem Fernglas können Sie die Vögel auf den Moorseen perfekt beobachten. Erst jetzt, fast am südöstlichen Ende des Nationalparks, stoßen Sie das erste und einzige Mal auf Ihrem Weg durch De Maasduinen direkt auf die Maas. „De Stalberg“ heißt das Gebiet. Sie dürfen die vorgegebenen Wege verlassen und durch die Wiesen der Auenlandschaft streunen. Vielleicht begegnen Sie hier einer Herde Schottischer Hochlandrinder. Mit ihrem dichten, langen und zotteligen Fell sind sie ein echter Hingucker. Halten Sie auf jeden Fall die von der Parkverwaltung erbetenen 25 Meter Abstand, und gönnen Sie sich eine Weile den Anblick dieser friedlichen und gemütlich wirkenden Tiere. Es wäre der passende Abschluss eines Tages voller faszinierender Natur-Eindrücke abseits jeglichen Alltagstrubels.

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Wanderer in De Maasduinen.
© Tourismusbüro Limburg

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 04 / 2014

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