Nordeifel: Heckenland

Seit Jahrhunderten prägen Rotbuchenhecken Orte und Flure im Monschauer Land. Wenn im Winter die Winde mit ungebremster Kraft über die langgezogenen Höhenrücken ziehen, finden Mensch und Tier hinter den stillen Riesen Schutz.

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Haushecke: imposante Durchfahrt für große Erntewagen.
© Loni Liebermann

Text: Edda Neitz

Wenn die Eifel ihr weißes Winterkleid trägt und die Sonne vom klaren, blauen Himmel strahlt, lädt das Monschauer Heckenland zu einer Reise in eine märchenhafte Kulturlandschaft ein. Wie ein Netz kunstvoll gezogener Pflanzenstraßen erscheinen die Buchenhecken, die an Äckern und Weiden entlang verlaufen. Sie sind das Ergebnis jahrhundertealter bäuerlicher Tradition. Im Ort Höfen führt ein „Heckenweg“ zu den besonders schönen Beispielen der historischen Flur- und Haushecken.

Für die Bewohner der Hocheifel hatten die gewaltigen Strauchwerke eine besondere Bedeutung: Um ihre Viehherden zu schützen, vor Wind und wilden Tieren, pflanzten sie Hecken aus Rotbuche. Diese wurden beschnitten, geknickt und verflochten, damit eine dichte Umzäunung entstand, die gleichzeitig wenig Fläche beanspruchte. Wichtig waren sie auch als Grenzmarkierung der Parzellen. Wie eine Reihe riesiger Besen überragen Einzelbäume noch immer die knorrigen Stämme des unteren Teils der Hecken. Das sind die sogenannten „Durchwachser“. „Bis in die 50er Jahre hinein wurde bei uns in der Eifel nur mit Holz geheizt“, erinnert sich der 77-jährige Herbert Meißen. „Briketts waren zu teuer. Die Durchwachserbäume haben uns das Brennholz geliefert.“

Höfener Heckenweg

Naturführer Herbert Meißen wohnt selbst in Höfen, einem Juwel unter den Eifeldörfern. Nicht umsonst wurde der Ort bei einem europäischen Wettbewerb ausgezeichnet. Über 160 Hecken umrahmen Hofwiesen, alte und neue Häuser. Um das Kulturgut „Heckenlandschaft“ zu schützen, entwickelten die Höfener gemeinsam mit dem Naturpark Nordeifel den „Höfener Heckenweg“. Wenn Frost und Schnee die Blätter und Zweige der Buchenhecken im Ort mit weißen Kristallen überzuckern, erhalten die Blätterwände noch eine besondere Anmut. Mit ihrer Pracht vertreiben sie die winterliche Schwermut. Anders als die Flurhecken wachsen die Haushecken bis zu einer Höhe von vier bis acht Metern. „Früher waren die Häuser mit Stroh gedeckt und brauchten den Schutz der Hecken vor den starken Westwinden und dem Schlagregen“, erklärt Herbert Meißen. Kalterherberg, eines der etwa zwanzig Dörfer mit Heckenkultur, ­reflektiert diese Wetterlage sogar im Ortsnamen. Auch heute noch treten an heckengeschützten Häusern seltener Sturmschäden auf. Die Rotbuchen halten die kalte Luft und den Wintersturm gut ab, weil sie erst im Frühjahr, wenn die neuen Triebe kommen, ihr Laub verlieren. Das Geheimnis ihrer festen, stramm gewachsenen Form sind die langen elastischen Holzlatten, die wie ein Korsett unter dem grünen Kleid der Hecken versteckt liegen.

Monschauer Senf

Im Monschauer Heckenland wird handwerkliche Tradition gepflegt. Eine Abzweigung vom Höfener Heckenweg nach Monschau führt direkt in das Eifelstädtchen hinunter und zur Monschauer Senfmühle. Seit 1882 stellt die Familie Breuer Senf her. Die Vertriebswege der Senfmühle entsprechen modernen Anforderungen, doch produziert wird wie „anno dazumal“: Jeden Abend stellt Seniorchef Guido Breuer eine Maische aus Senfmehl, Essig und Gewürzen her, die am nächsten Tag mit zwei Mahlgängen und Nassvermahlung zum Monschauer Senf verarbeitet wird.

Angeboten werden 19 Senfsorten, vom süß-scharfen Honig-Mohn-Senf über würzig-frischen Ingwer-Senf bis zum eher klassischen Senf mit grünem Pfeffer. Nach fünf Jahren Suchen und Tüfteln steht endlich auch ein süffiger Bier-Senf im Regal. Bis nach Österreich sind die Breuers gefahren, um ein Bier mit passendem Malz- und Hopfenanteil zu finden! Den ersehnten Treffer landeten sie aber in einer kleinen Brauerei in der heimischen Eifel – es gibt hier eben noch vieles zu entdecken.

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Das schmeckt man: Erlesene Senfsaat und traditionelle Herstellung ergeben den besonderen Monschauer Senf.
© Loni Liebermann

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 01 / 2014

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