Wandern im Rhythmus der Gezeiten

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Beeindruckende 20 Meter tief sind die steilen Klippen an der Pointe Saint-Mathieu bei Le Conquet.
© Bettina Pabel

Berge von Wellen und Steinen bilden eine genauso begeisternde Kulisse wie die Gebirge der Alpenregion. Das beweist der berühmte GR34: ein Weitwanderweg am Meer, der einmal um die gesamte Bretagne im Nordwesten Frankreichs führt. Immer dicht am Wasser und immer wieder anders schön.

Text: Bettina Pabel

Dieses Licht ist unvergleichlich. Mal scheint es absolut hell und mal wirkt es mystisch, aber immer ehrlich. Es geht einher mit einem ebenso faszinierenden Wechselspiel der blauen Farbtöne des Meeres, das von bräunlich unterlegten grauen Nuancen bis zum strahlenden Türkis reicht. Und doch verkörpern diese beiden Punkte nur einen Teil von dem, was die Bretagne so einzigartig macht. Ich jedenfalls kann mich nicht sattsehen an dem Naturschauspiel. Reichlich Gelegenheit habe ich während meiner Wanderung auf dem GR34. Der Weitwanderweg führt auf insgesamt fast 2.000 Kilometern um die Halbinsel im Nordwesten Frankreichs. Auf Französisch nennt er sich auch „Sentier des douaniers“, denn man folgt den Spuren der rund 3.500 Zöllner, die unter Kaiser Napoleon zum Schutz vor Schmuggelware aus England und den Niederlanden regelmäßig an der Küste Patrouille liefen.

Meer aus Steinen

Meine gewählte Strecke liegt an der „Côte des Abers“. So heißen die fjordartig ins Land reichenden und von Flüssen gespeisten Meeresarme. Von meinem Startpunkt in Brélès aus schlängelt sich neben dem Aber Ildut ein weicher Pfad durch lichtes Gehölz aus Eichen und Maronen. Auf dem moorigen Ufer spicken Möwen und andere Vögel nach Würmern. Von den vereinzelten Kanufahrern lassen sie sich nicht stören. Auch für mich ist es eine ruhige Einlaufrunde. Dort, wo der Fluss endgültig zum Meer wird, liegt der Hafen von Lanildut. Bekannt in der Taucherszene und der industriellen Algenfischerei, empfängt er mich am heutigen Samstagmittag total verschlafen. Passend zum diesigen Wetter. Ich passiere das „Haus der Algen“ mit seiner Ausstellung über die Verarbeitung von Algen zu Düngemitteln und erreiche endlich die Küste samt meinem nicht zu verfehlenden GR34.

Nur wenige Minuten bin ich hier auf dem Weg, da klart es unversehens plötzlich auf. Schon wetteifert das Blau des Himmels mit dem des endlos scheinenden Meeres. Die Ebbe gibt den Blick frei auf die typischen Küstenfelsen. Im wahrsten Sinne des Wortes bilden sie ein Meer aus Steinen. Unzählige Brocken sind es, in Richtung offenes Meer dunkel, am Ufer hellgrau und gesprenkelt von gelben Flechten. Immer wieder bilden sie spannende Naturskulpturen. Ich erkenne für mich Gesichter, eine Sphinx, ein küssendes Paar und mehr. Für die bretonischen Küstenabschnitte ge- nauso charakteristisch wie die Felsen sind die allgegenwärtigen Meeresalgen, die diese oft mit einer Zottelmähne zudecken. Um die 800 Arten soll es in der Bretagne geben! Und das Ganze in diesem einzigartigen Licht ... Schon jetzt steht für mich fest, dass dieses Land – ja, die Bretagne ist wie ein eigenes Land, wie das berühmte gallische Dorf bei Asterix – fasziniert.

Den kompletten Artikel finden Sie in Ausgabe 5/22 und im Shop.

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