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Der Hirsch: Bitte hingehört!

„Der Hirsch der röhret ganz gemein. Er wird wohl nicht zufrieden sein …!“, dichtete Heinz Erhardt einst. In der Tat hat der Hirsch Grund zur Verdrossenheit, ist doch das Unwissen über ihn arg verbreitet. Höchste Zeit, unsere Leser aufzuklären – für die Einstimmung sorgt ein russischer Märchenfilm über Heldentum …

Hirsch gegen Hexe

Filmperle für Mußestunden: „Der Hirsch mit dem ­goldenen Geweih“ von 1973 ist durchaus als Hommage an den Hirsch zu verstehen. Dazu schickt Regisseur Alexan­der Rou die Zwillinge Maschenka und Daschenka in einen dunklen Wald, in dem sie sich völlig verirren. Auf der Suche nach ihnen rettet ihre Mutter einen Hirsch mit goldenem Geweih vor gefährlichen Räubern. Zum Dank erhält sie von ihm einen magischen Ring. Als die Beschenkte später ­einer schaurigen Hexe gegenübersteht, entfacht diese einen Waldbrand, den der Ring auslöscht – dem heldenhaften Hirsch sei Dank!

Hirsch hört hin

Hirsche haben einen ausgeprägten Geruchssinn. Ruheplätze suchen sie deshalb nicht willkürlich, sondern nach der Windrichtung aus – um Feinde sofort zu erschnuppern. Außerdem hören Hirsche gut und können Gefahrenquellen päzise unterscheiden. Auf Truppenübungsplätzen wird beispielsweise der Schießbetrieb ohne nennenswerte Unruhe toleriert, während Schüsse durch die Jagd als Gefahr erkannt werden.

Hirsch ohne Bock

Wir klären zwei Irrtümer auf. Der beliebteste: „Das Reh ist die Frau vom Hirsch.“ Unsinn. Hier handelt es sich um zwei unterschiedliche Tiere (das Reh ist eine Unterart der Hirsche, sein Weibchen heißt Ricke, sein Männchen heißt Bock). Auch die Bezeichnung „König der Wälder“ für den Hirsch ist falsch. Als ehemaliger Steppenbewohner bevorzugt der Rothirsch offene oder halboffene Landschaften und keineswegs dichte Wälder. Hätten Sie’s gewusst?

Kein Halten für Hirsche

Die Hirschbullen leben von den Weibchen getrennt in Rudeln. Bis zur Brunft steht die geschlossene Männergesellschaft friedlich zusammen. Erst im September löst sich das Rudel schlagartig auf: Ein rasant ansteigender Testosteronspiegel leitet die Brunft und damit die akustische Einschüchterung der Rivalen ein. Wer am Ende als Platzhirsch vom Brunftplatz geht, hängt aber auch von der Pracht des Geweihs ab.

Hallo, Hirsch!

Für Ihre nächste Wanderung: Die am häufigsten anzutreffenden Spuren sind Huftritte (30 bis 65 Millimeter breit, 40 bis 80 Millimeter lang). Daneben weisen Suhlen (mit Schlamm gefüllte Erdvertiefungen, in denen die Hirsche baden) und Bäume, an denen sich Hirsche „fegen“ (Scheuern des Geweihs), auf Hirschaufenthalte hin.

Text: Carolin K. Müller

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© Foto: IMAGO / Blickwinkel

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 01 / 2015

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