Kunst am Hut

Der Gamsbart ist fester Bestandteil oberbayerischer und österreichischer Tradition. Die Fertigung des volkstümlichen Hutschmucks ist eine Sache für echte Experten, denn sie erfordert viel Fachwissen, Geschick und Geduld. wanderlust besuchte einen Meister dieses Kunsthandwerks in Mittenwald.

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Text und Fotos: Ralf Scholze

Früher ist Johann Schober selbst mit den Jägern losgezogen. Da rupfte er persönlich die Barthaare aus der noch warmen, frisch erlegten Gams. Heute konzentriert sich der Mann aus dem oberbayrischen Mittenwald an der Grenze zu Österreich ganz auf das Binden der Gamsbärte, die in manchen Regionen Oberbayerns und Österreichs fester Bestandteil der ­Männertracht sind. Die Fertigung des volkstümlichen Hutschmucks ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. ­Schober ist einer von rund 400 Gamsbartbindern im gesamten Alpenraum – und zählt zu der Handvoll seiner Zunft, die es zu echter ­Meisterschaft gebracht haben.

Zum Durchbruch verhalfen dem Gamsbart einst illustre Persönlichkeiten. Kaiser Maximilian trug bereits um 1500 einen sogenannten „Radlbart“ aus Gamshaar, Erzherzog Johann von Österreich steckte sich im 19. Jahrhundert Gamshaare als Trophäe an den Hut und machte damit den Gamsbart in seiner Heimat ­populär. Ungefähr zur gleichen Zeit trug Prinzregent Luitpold von Bayern das Schmuckstück gerne am Hut und wurde damit zum Vorbild für den Adel, der den Prinzregenten kopierte und in ­Bayern den Siegeszug des Gamsbarts einläutete. Dessen ­Haare stammen aus der Rückenpartie eines Gamsbocks. „Für einen großen, ­prächtigen Gamsbart reichen die Barthaare eines einzelnen Gamsbocks nicht“, erzählt Schober, der das Gamsbartbinden schon lange als Profession betreibt. „Für einen mittleren Bart braucht man acht Gamsböcke.“

Die Gams ist als echter Kletterspezialist in den Alpen und Teilen des Balkans zu Hause. Zwei Mal ändert sie ihr Fell mit den Jahreszeiten, im Mai und im September. Im Sommer ist es eher rotbraun, im Winter dunkelbraun bis braunschwarz – bis auf den „Aalstrich“, einen von der übrigen Färbung abweichenden Streifen entlang der Wirbelsäule. Im Winter sind diese langen Grannenhaare schwarz mit weißen Spitzen, dem sogenannten Reif. Aus diesen „Barthaaren“ werden Gamsbärte gebunden. Je länger sie sind, umso wertvoller der Gamsbart.

Den kompletten Artikel erhalten Sie in Ausgabe 5/2017 von wanderlust. Hier können Sie das Magazin nachbestellen.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 05 / 2017

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