Wissen kompakt: „Wer Salbei baut, den Tod nicht schaut“

Als Allheilmittel gepriesen, als Speisewürze geschätzt – die Inhaltsstoffe des Salbeis nutzen Menschen schon seit Jahrhunderten auf vielfältige Weise.

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Foto: IMAGO/Hanke
© IMAGO/Hanke

Text: Wilfried Spürck

Ein Kratzen im Hals, ein ­unangenehmes ­Völle­gefühl, starke Schweißausbrüche – bei diesen und vielen anderen Beschwerden verschaffen die Inhaltsstoffe von Salbeiblättern Linderung, sei es als Tee zum Trinken oder Gurgeln oder in anderen Formen (Öl, ­Dragees etc.). Die gesundheitsfördernde Wirkung dieser Kräuter­pflanze ist schon seit ­vielen Jahrhunderten ­bekannt. Früher sollte das Salbeikraut schwangeren Frauen Hilfe bringen, schon Hippokrates verwendete es als Heilmittel für Probleme im Uterus-Bereich. Im ­Mittelalter setzten bekannte Heilkundler wie Hildegard von Bingen und ­Paracelsus Salbei gegen ­verschiedene Leiden ein, zum Beispiel ­Koliken, Zahnschmerzen, ­Erkältungen oder Fieber.

Alte Sprichwörter schreiben dem ­Salbei gar lebensrettende­ Effekte zu. Aus dem 13. Jahrhundert stammt der Satz „Wie kann ein Mensch sterben, in dessen ­Garten Salbei wächst?“. Zu späterer Zeit prägte ein Dichter den Spruch: „Wer ­Salbei baut, den Tod nicht schaut.“ Unsterblich macht der Salbei zwar nicht, doch auf ­seine ­Heilwirkung verweist schon der lateinische Name „Salvia“: Das Verb ­„salvare“ bedeutet „­heilen“. ­Dabei ist der auch ­„Heil­salbei“ genannte Echte Salbei ­(„Salvia ­officinalis“) nur eine von ­insgesamt ­weltweit rund 900 ­Arten des Lippen­blütler-Gewächses. Seine Blätter enthalten anti­bakteriell ­wirkende ätherische Öle aus Bestandteilen wie ­Kampfer, Thujon und ­Cineol, entzündungshemmende ­Gerbstoffe und krampf­lösende Flavonoide. Übermäßige Schweißabsonderungen mindert der Salbei übrigens durch die Beeinflussung der Wärmeregulationszentren im ­Mittelhirn.

Vor der Erfindung der Zahnbürste reinigte man sich mit einem Salbeiblatt den Mundraum: einfach ein Blättchen über den Zeigefinger legen und damit das Zahnfleisch massieren. Das kräftigt das Zahnfleisch, desinfiziert, entfernt den Zahnbelag und sorgt für einen frischen Geschmack im Mund. Heute gibt es daher auch Zahnpasta-Sorten mit Salbei.

Typische Gartenpflanze

Ursprünglich stammt das mehrjährige Gewächs aus dem ­Mittelmeerraum. Vermutlich brachten Benediktinermönche, die sich für die Heilwirkung von Kräutern interessierten, das Gewächs über die ­Alpen, um es in den Klostergärten zu kultivieren. Inzwischen kommt der Salbei in ganz ­Europa vor. Da er sehr wärmebedürftig ist und Winterschutz benötigt, wächst der Echte Salbei kaum in freier Natur, sondern ist eine typische Gartenpflanze, hat deshalb auch einen weiteren Spitznamen: „Gartensalbei“. Er wächst am besten an einem warmen und sonnigen Plätzchen. Dieses sollte obendrein windgeschützt sein und einen leichten, durchlässigen Boden haben. Im Mai kann die Aussaat ­erfolgen. Auch auf dem Balkon oder der Terrasse kann man mit normaler Blumenerde Salbei anpflanzen.

Von Mai bis Juli, manchmal sogar bis September, zeigt der circa 50 bis 80 Zentimeter hohe Salbeistrauch seine meist blauvioletten Blüten. Er verbreitet einen aromatischen, herben Duft. Apropos Aroma: Auch Köche schätzen den „Salvia ­officinalis“. Vor allem in der mediterranen Küche wird er wegen seines würzigen, leicht bitteren Geschmacks gern zur Verfeinerung von Fleischgerichten, Suppen, Gnocchi oder Salatdressings verwendet. Ein berühmtes Gericht ist „Saltimbocca alla romana“, bei dem ein Kalbsschnitzel und Schinken mit einem Salbeiblatt garniert werden. Dazu macht Salbei dank seiner verdauungsfördernden Inhaltsstoffe fette Speisen bekömmlich. So fördert Salbei also nicht nur die Gesundheit, sondern auch den Genuss.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 04 / 2014

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