Schnapsidee

Hochalpin und hochprozentig: Auf dem Appenzeller Whiskytrek wandert man von Fass zu Fass durch den mal sanften,mal wilden Alpstein.

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Text: Günter Kast

Der Weg zum Whisky beginnt kurioserweise im Besucherzentrum einer Brauerei. Hier, im Herzen von Appenzell, sind die Spezialitäten der Lochers wie Kunstwerke ausgestellt: Vollmondbier, Brandlöscher, Holzfassbier, Reisbier, Hanfblütenbier, dazu Biersecco und Bieressig. Alle Flaschen zieren Etiketten, die mit viel Liebe zum Detail von Künstlern gestaltet werden. Pfiffig sieht das aus. Und die Biere schmecken auch noch! Die Botschaft ist eindeutig: Hier geht’s innovativ zu. Das Familienunternehmen in fünfter Generation war anderen schon immer eine Nasenlänge voraus: Locher war zum Beispiel die erste Brauerei der Schweiz, die online ging. Und als 1992 das Bierkartell fiel, das den Verkauf nur in einer festgelegten Region erlaubte, expandierten die Appenzeller in die ganze Eidgenossenschaft.

Experimente mit Eichenholzfässern

1999 hatte Karl Locher wieder den richtigen Riecher: Ein Gesetz aus der Kriegszeit, das den Schweizern verbot, aus dem Grundnahrungsmittel Gerste Alkohol herzustellen, sollte entsorgt werden. Damit war der Weg frei, um mit der Herstellung von Whisky zu experimentieren. Locher nutzte dazu alte Eichenholzfässer, mit denen das Bier bis Anfang der 70er Jahre in die Gasthäuser transportiert worden war. Das Innere der Fässer wurde damals „gepicht“, also mit einer harzartigen Schicht ausgekleidet. Das diente der ­Hygiene und verhinderte außerdem, dass die Kohlensäure durch die Poren entwich und das Bier nach Holz schmeckte. Obwohl die Fässer regelmäßig „nachgepicht“ wurden, gab es in dieser Harzschicht Risse. So sickerte über die Jahrzehnte immer wieder ein wenig Bier in die Holzdauben. Das Wasser verdunstete, im Holz sammelte sich der Malzextrakt an. Genau diesen Malzextrakt hatte Locher im Sinn, als er erstmals von einem „Säntis Malt“ träumte. Der Extrakt würde dem Destillat seine einzigartige Note geben und uralte Bier-Erinnerungen wachrufen. Damit das Wechselspiel zwischen Holz und Destillat funktionieren konnte, entfernte Locher die Harzschicht und befüllte erst dann die Fässer mit Gerstendestillat.

Der Brauereiboss ließ sich dabei von schottischen Experten beraten und brachte 2002 das erste Destillat auf den Markt. Was für Skeptiker nach der größten Schnapsidee seit Erfindung des Marketings klang, konnte sich sehen, oder besser: schmecken lassen. Schneller als gedacht machte sich der Säntis Malt, ­benannt nach dem höchsten Gipfel im Alpstein, einen Namen. Der endgültige Durchbruch war geschafft, als der englische „Whiskypapst“ Jim Murray den Säntis Malt „Dreifaltigkeit“ zu Europas Whisky des Jahres 2010 kürte.

Eine Nacht später und einige hundert Höhenmeter weiter oben will ich mich selbst von den Qualitäten des „Bier-Whiskys“ überzeugen. Begleitet werde ich dabei von Migg Brogger, einem begeisterten und begeisternden Bergsportler, der bei Locher im Vertrieb arbeitet. Unsere erste Station ist das Berggasthaus Seealpsee. Wirtin Madeleine Parpan zeigt mir das 250-Liter-Fass, das vor dem Gasthaus in einem eigens dafür gebauten Holzhüttchen lagert. „Ein Cognacfass“, erklärt sie. Weil ich etwas verwirrt blicke, holt sie weiter aus: „Nur der Urwhisky reift drei Jahre im Bierfass. Das Finish erhält er in den unterschiedlichsten ­Fässern, von Sherry über Rum bis Port. Unserer kommt eben in ein Cognac­fass, das ihm eine eher liebliche Note verleiht.“

Den kompletten Artikel erhalten Sie in Ausgabe 2/2018 von wanderlust. Hier können Sie das Magazin nachbestellen.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 02 / 2018

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