« Voriger Artikel   |   Nächster Artikel »

Zu Besuch bei den Bullen

Die dunklen, fast schwarzen Wolken am Himmel reißen plötzlich auf, sodass das Licht der tiefstehenden Sonne das Grün der Vegetation regelrecht aufleuchten lässt, während die Gipfel des nahen Harzes in einer dichten Wolkenmasse verschwinden. Hier soll ich es treffen, das Harzer Rote Höhenvieh.

neuer_name

Text & Fotos: Ralf Scholze

Daniel Wehmeyer, verantwortlich für die Renaissance dieser fast ausgestorbenen Rinderrasse, hilft mir über den Stacheldrahtzaun und führt mich auf die große, umzäunte Weide. Jetzt heißt es, sich möglichst wenig zu bewegen und ruhig abzuwarten. Es dauert nicht lange, da erscheint in einiger Entfernung, zwischen ein paar grünen Zweigen, der erste neugierige Kopf – und bald sind es mehr und mehr Rinder, die von allen Seiten erwartungsvoll auf uns zustreben. Erwachsene Kühe mit ihrem jungen Nachwuchs, schon mehrere Monate alte Kälber, Jungbullen und selbst ein großer, kräftiger, ausgewachsener Stier mit weit ausladenden Hörnern kommt auf uns zu. Wer ist dieser komische Vogel auf unserer Weide? Das scheinen die neugierigen Blicke aus den großen Kuhaugen sagen zu wollen.

Die „Haustiere“ der Harzer Bergleute

Anfassen von Fremden? Das lässt man sich lieber nicht. Für den Besucher gilt: Zwei Schritte Abstand sind einzuhalten. Kommt man einem der Rinder zu nahe, dann weicht es unwillkürlich ein paar Schritte zurück. Bleibt man dagegen ruhig stehen, dann schließt sich der Kreis der prächtigen, urtümlich anmutenden Tiere mehr und mehr. Von überallher tauchen weitere Rinder auf. Ihr rotbraunes Fell leuchtet im Licht der Nachmittagssonne auf. Bei diesem Anblick kommt Daniel Wehmeyer ins Schwärmen: „Schau, die roten bis rotbraunen Haare. Schau dir die großen, prächtigen Hörner an, die breite Stirn. Der kurze, feste Hals. Der elegante, gerade Rücken.“

Auf Schönheit wurde das Harzer Rote Höhenvieh allerdings nie gezüchtet. Die archaisch aussehende Rinderrasse der Oberharzer Bergleute musste kräftig genug sein, um vor ein Fuhrwerk gespannt werden zu können. Ansonsten musste sie vor allem Fleisch und Milch liefern. Wenn früh morgens die Männer, nach einem kurzen Frühstück, zu Fuß zu den Bergwerken aufbrachen, dann war es meistens noch dunkle Nacht. Nach einer kurzen Andacht wurde eingefahren. Das bedeutete, man kletterte auf nassen, rutschigen Leitern viele Hundert Meter in die Tiefe. Erst wenn man den Arbeitsplatz unter Tage erreicht hatte, begann die Schicht des Bergmanns. Zehn, zwölf Stunden später ging es auf dem selben Weg wieder zurück. Und wieder war es dunkle Nacht.

Den kompletten Artikel erhalten Sie in Ausgabe 5/2018 von wanderlust. Hier können Sie das Magazin nachbestellen.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 05 / 2018

Aktuelle Beilagen und Specials

  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat

Events

Zur Zeit liegen keine Events vor …