Schätze im Wald

Früher wild und unwegsam, später von den Menschen als Weide genutzt, verbirgt sich im Teutoburger Wald immer noch so manches Geheimnis. Die Wege hindurch sind manchmal noch verschlungen, doch heute zum Glück überwiegend ungefährlich.

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Nationales Geotop, Natur- und Kulturdenkmal, Heiligtum: Die Externsteine geben noch viele Rätsel auf.
© Beate Wand

Text & Fotos: Beate Wand

Oben weht ein kräftiger Wind. Wir haben Gänsehaut am ganzen Körper. Um unseren Pickert (siehe Kasten Seite 46) zu verspeisen, kauern wir uns lieber auf den Boden und lehnen uns an eine der dicken Holzstelzen. Schließlich fällt der Blick auch durch die Brüstung des Eggeturms über die Wipfel hinaus in die angrenzende ostwestfälische Hügellandschaft. Im Nordwesten überragt einige Kuppen weiter eine Kuppel mit einer riesigen Statue die Baumkronen: Hermann der Cherusker schwingt sein sieben Meter langes Schwert gen Himmel. Vergeblich – es kann nichts gegen die heute fest zugezogene Wolkendecke ausrichten. Aber das Denkmal erinnert an den Cheruskerfürsten, der eigentlich Arminius hieß. Er einte die germanischen Stämme, lockte als Vertrauter des römischen Feldherrn mit anderen Abtrünnigen Varus samt seiner Legionen in einen Hinterhalt. Der Stammesbund umzingelte die kriegerischen Eindringlinge. Binnen drei Tagen war der Feind im undurchdringlichen, sumpfig-moorigen Wald vernichtet. Wo genau, bleibt zwar bis heute ein Geheimnis. Doch der Teutoburger Wald wurde bekannt dafür, dass die im Jahre 9 n. Chr. vermutlich in seinem Dickicht geschlagene Schlacht ganz Rom schockierte. 16, 17 Jahrhunderte später stieg -Arminius zum deutschen Nationalhelden auf: Arminius wurde zu Hermannn, aus dem Höhenzug, der früher Osning hieß, der Teutoburger Wald. Oder kurz: Teuto.

Im Zeichen der Rose

Allerdings bezog der Osning das südöstlich an den Teuto anschließende Eggegebirge, auch Egge genannt, ein. Für Wanderer erschließen die Hermannshöhen (siehe Kasten) das Mittelgebirge aus zwei bis drei parallelen Kämmen. Es schlägt einen weiten Bogen vom nordwestlichen Münsterland nach Südosten, wo es an das Sauerland andockt. Dabei schirmt es den größten Teil Lippes zur Hauptwindrichtung ab – die meisten Unwetter bleiben am Kamm hängen und entschärfen sich. Dazu passt der Slogan „Sicherheit im Zeichen der Rose“, mit dem die Lippische Brandkasse früher warb. Ein Relikt aus den Zeiten, als Lippe ein Fürstentum war. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ordnete der Staat seine 800--jährige Autonomie dem Bundesland Nordrhein-Westfalen unter. Das Staatswappen, die rot-gelbe lippische Rose, die einem so oft in der einstigen Residenzstadt Detmold und den 15 übrigen Gemeinden begegnet, ziert daher auch den nordrhein-westfälischen Schild.

Meine Zunge angelt die letzten Krümel Pickert aus den Mundwinkeln. Ein paar Himbeeren versüßen den Abstieg über die 48 Stufen vom Turm. Selbst gepflückt – der erste Schatz dieser Waldwanderung! Unterhalb der Felswand am Osthang leuchteten sie wie rote Rubine aus dornigem Gestrüpp hervor. Ihr Geschmack: samtig-weich und rund, perfekt himbeerig. Danach gerieten wir auf einen Weg, der immer wilder wurde, bis er sich schließlich ganz verlor: Ganze Fingerhutformationen wogten elfengleich im Wind, die Schritte schmatzten durchs nasse Gras, umgestürzte Bäume spreizten ihre dick bemoosten Äste von sich wie Tausendfüßler ihre Beine. Gut vorstellbar, dass auf solchem Terrain selbst der kampferprobteste Römer gegen ortskundige Germanen schnell den Kürzeren zog.

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 1/2020 von wanderlust. Hier können Sie das komplette Magazin nachbestellen.

  • Externsteine

    ExternsteineNationales Geotop, Natur- und Kulturdenkmal, Heiligtum: Die Externsteine geben noch viele Rätsel auf. Beate Wand

  • Luftige Höhe

    Luftige HöheEine mit Holzbohlen belegte eiserne Brücke führt zur Höhenkammer des Turmfelsens. Beate Wand

  • Wildromantisch

    WildromantischDas Silberbachtal am Fuße der Velmerstot. Beate Wand

  • Kreuzung

    KreuzungKurz vor der Lippischen Velmerstot: Hermannsweg und Eggeweg laufen gemeinsam. Beate Wand

  • Eggeturm

    EggeturmDer Eggeturm fußt auf der Preußischen Velmerstot. Beate Wand

  • Schafe

    SchafeFressen für den Naturschutz: Schafe und Ziegen erhalten die wertvolle Hochheide im Teutoburger Wald. Beate Wand

  • Quellmoore

    QuellmooreAus den Egge-Osthängen quillt an vielen Stellen Wasser hervor und bildet Quellmoore.Beate Wand

  • Elfengleich

    ElfengleichFingerhut wiegt sich im Wind.Beate Wand

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