„Wir sind oben“ - Wandern in Luxemburg

Der Lee Trail in den Luxemburger Ardennen: Drei Tage, 53 Kilometer, gut 2.000 Höhenmeter. Ja, das Großherzogtum hat Berge – oder sagen wir Hügel … auf jeden Fall verdammt viel Auf und Ab! wanderlust-Autorin Alexa Christ hat ordentlich geschwitzt und dabei eine extrem abwechslungsreiche Landschaft entdeckt.

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Gemächlich schlängelt sich die Sauer durch die Höhenzüge der Luxemburger Ardennen.
© Alexa Christ

Text & Fotos: Alexa Christ

Langsam zuckelt die Bahn durch das eng gewundene Tal. Rechts und links der Gleise sattgrüne Zauberlandschaft. Ein silbern glitzerndes Flussband. Schrundiger Schiefer. Schon naht der Bahnhof Ettelbrück. Ich werde erwartet. Groß, blond, schlank steht sie da: Mirjam Petry, meine Wanderführerin, eine waschechte Luxemburgerin? „Nee, ich bin eine in Luxemburg gestrandete Holländerin“, klärt sie lachend auf. Dann guckt sie ernst. „Wir haben jetzt halb eins. Normalerweise beginnt man die Etappe um neun Uhr morgens. Spätestens um zehn!“ Sie hat ja recht, aber die Anreise hat nun mal gedauert. Wandern wollen wir. Durch jenen Teil des Ardennenmassivs, den man im Deutschen Ösling und im Luxemburgischen Éislek nennt. Flüsse, Bäche und tiefe Täler durchschneiden hier das Plateau. Über Jahrmillionen hinweg knabberte die Erosion an der Landschaft, schuf schmale Felskämme, „Lee“ genannt. Sie gaben der Region ihr Gesicht und dem 2015 eingeweihten, 53 Kilometer langen Lee Trail den Namen.

1. Etappe

Etappe eins führt von Ettelbrück nach Bourscheid-Moulin. 18,3 Kilometer, 721 Höhenmeter. Mirjam läuft stramm los. Das Städtchen Ettelbrück – im kleinen Luxemburg braucht es nicht viel, um Stadt zu werden – lassen wir schnell hinter uns. Wandern einen Pfad bergauf, der uns schlagartig in Stille taucht. Das Éislek ist eine einsame Gegend. Viel Wald. Die wenigen Dörfer hoch gelegen und schlecht zugänglich. Dem kargen Boden trotzten die Menschen nur mühsam genug Lebensunterhalt ab. „Wenn du hier die Erde umgräbst, stößt du ganz schnell auf Schiefer. Da wächst nicht viel“, sagt Mirjam. Die Landschaft ist vom Wasser geprägt. Die Sauer, längster Fluss des Landes, hat ein enges Tal in den Fels gefräst. Im kleinen Dörfchen Erpeldange weitet es sich aus. Platz genug für Mähwiesen, die einst bewässert wurden. Anders hoch oben am Steilhang, den zu erreichen ein paar Höhenmeter kostet. Vom Aussichtspunkt „Predigtstuhl“ – der Heilige Willibrod soll von hier einst den Menschen im Tal das Evangelium gepredigt haben – trifft uns Postkartenblick Nummer eins. Tief unten schimmert die Sauer im Sonnenlicht, fließt ohne Eile durch das allerschönste Grün.

In den Lohhecken schälten sie früher die Eichenrinde für die Gerbereien. Der Trail führt jetzt knackig bergauf. Licht- und Schattenspiele im Wald. Auf dem Hochplateau ein paar Felder. Kornblumen und Klatschmohn zwischen den Ähren. Wir wandeln auf historischen Pfaden. Die ersten Touristen kamen im 19. Jahrhundert ins Éislek. Zumeist Aristokraten und wohlhabende Bürger, viele Engländer. „Hier müsste irgendwo noch ein Schild zu Ehren von Alexis Heck sein“, sagt Mirjam, „er gilt als Vater des luxemburgischen Tourismus.“ Der Hotelier aus dem benachbarten Diekirch schuf 1855 das erste Wellness- und Spa-Zentrum des Großherzogtums. Er bot seinen Gästen Wander-, Jagd- und Angelausflüge an, gab den ersten illustrierten Touristenführer heraus und stellte am Londoner Bahnhof und Antwerpener Hafen Werbeplakate auf. Ob er die Burg Bourscheid darauf abbildete? Die malerische Ruine hatte es den Romantikern angetan. 1871 malte sie der französische Schriftsteller Victor Hugo. Uns dient sie als Blickfang beim Aufstieg. Vom Dorf Michelau wandern wir gut 250 Höhenmeter einen Steilhang der Sauer hinauf. Die Sonne brennt. Oben lockt das Highlight dieser Etappe: die Gringlee, zu Deutsch „grüner Fels“.

Den Ausblick ins Tal genoss schon Großherzog Adolph Ende des 19. Jahrhunderts. Kein Wunder, beschreibt die tief unter uns funkelnde Sauer hier doch einen ihrer schönsten Mäander. Der deutschen Saarschleife steht der Anblick in nichts nach. Postkartenblick Nummer zwei! Jetzt geht es nur noch bergab. Bald ist das Dorf Bourscheid erreicht, Endziel der ersten Etappe. Fünf Stunden haben wir gebraucht. Bei gut 30 Grad. Ordentlich geschwitzt. Jetzt heißt es: Füße hochlegen. Vom Balkon des Hotelzimmers geht der Blick auf die angeleuchtete Burg Bourscheid. Grillen zirpen. Gute Nacht.

Den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 1/2020 von wanderlust. Hier können Sie das komplette Magazin nachbestellen.

  • Steinbrücke

    SteinbrückeErst 1902 wurde mit dem Bau der Steinbrücke über die Sauer beim Ort Erpeldange begonnen. Vorher mussten die Menschen den Fluss durch eine Furt überqueren. Alexa Christ

  • Ausblick

    AusblickGemächlich schlängelt sich die Sauer durch die Höhenzüge der Luxemburger Ardennen. Alexa Christ

  • Malerische Burg

    Malerische BurgEinst herrschten die Herren von Bourscheid über die gleichnamige Burg. Heute befindet sie sich im Besitz des luxemburgischen Staats.Alexa Christ

  • ...Burg

    ...BurgUnd noch einmal die Burg: Im mystischen Morgennebel erhebt sich Burg Bourscheid im Norden von Luxemburg aus dicht gewachsenem Grün. Alexa Christ

  • Blütenpracht

    BlütenprachtIm Sommer blühen hier Kornblumen, Fingerhut, Klatschmohn und andere Blumen. Alexa Christ

  • Stille Einkehr

    Stille EinkehrDie Kapelle Saint-Michel, die der heiligen Kunigunde von Luxemburg geweiht ist, lädt zur Rast ein. Alexa Christ

  • Felskamm

    FelskammEtliche schmale Felskämme durchziehen die Ardennen - hier die 500 Meter lange Molberlee, von der sich ein schöner Ausblick ins Tal bietet. Alexa Christ

  • Startpunkt

    StartpunktDa geht es lang: Wanderführerin Mirjam Petry am Startpunkt des lee Trails am Bahnhof Ettelbrück.Alexa Christ

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