« Voriger Artikel   |   Nächster Artikel »

Zu Wasser und zu Land

neuer_name

© Daniel Elke

Packrafting wird immer beliebter. Mit einem ultraleichten Schlauchboot im Rucksack ergeben sich neue Blickwinkel und Möglichkeiten für alle Wanderer, die nicht wasserscheu sind. In der Wallonie im Süden Belgiens lässt sich auf diesem Weg das „Coeur de l’Ardenne“ erkunden, das Herz der Ardennen.

Text: Daniel Elke

Olivier hatte es schon angedeutet. Als wir die ersten Paddelschläge auf dem See ziehen, macht sich Stille breit. Das Rauschen der Bäume wird leiser, man hört keine Schritte mehr und treibt einfach nur ruhig vor sich hin. Eben noch sind wir schweißtreibend über die steilen Hänge der umliegenden Hügellandschaft gewandert, und nun sitzen wir grundentspannt in unseren Schlauch- booten, die wir in den Rucksäcken verstaut hatten. Als uns am Morgen unser erfahrener Packraft-Guide Olivier Lefèvre an der Staumauer „Barrage de Nisramont“ die gepackten Rucksäcke überreicht, schauen wir ehrlich gesagt etwas skeptisch drein.

Dass in so leichten und kleinen Rucksäcken ein ganzes Schlauchboot verstaut sein soll, erscheint uns doch eher unwahrscheinlich. Nur die zwei demontierten Paddelblätter weisen darauf hin, dass hier nicht der übliche Inhalt eines Wanderrucksacks zu finden sein wird. Die Aussicht, einen See nicht nur auf einem Wanderweg zu umrunden, sondern gleichzeitig auch vom Wasser aus zu erleben, fasziniert. Das Konzept des Packrafts stammt ursprünglich aus den USA und findet nun auch in Europa immer mehr Anhänger. Kein Wunder also, dass gerade hier in der Wallonie, im Herzen der Ardennen, die Kombination aus Wandern und Schlauchbootfahren gut ankommt. Der Lac de Nisramont bietet dafür die idealen Voraussetzungen. Der Stausee ist eine beliebte Wanderregion und ein Gewässer, das auch für ungeübte Paddler zu bewältigen ist. Dennoch sollte besser ein erfahrener Guide zur Seite stehen, um die Lage auf dem Wasser im Blick zu behalten.

Mit unseren Rucksäcken bepackt, sind wir dem Rundwanderweg um den See gefolgt. Eine rote Raute gibt den Weg vor. Die ersten Höhenmeter sind nicht ohne und machen sich sofort in den Waden bemerk- bar. Belohnt wird die Anstrengung aber mit Blicken über den See und seine bewaldeten Hänge. Über breite Schotterwege und schmale Pfade geht es weiter bis zum Aussichtspunkt am Zusammenfluss der zwei Ourthen, den beiden Flüssen, die dem Naturpark „Deux Ourthes“ seinen Namen gegeben haben. Wir wandern abwärts zum Ufer, und Oliver legt seinen Rucksack ab. Hier möchte er die Boote aufpumpen.

Ein Boot im Rucksack

Es zeigt sich, dass sich tatsächlich Boote in unseren Rucksäcken befinden. Die Technik, um diese nun aufzupumpen, ist schnell demonstriert, braucht aber etwas Übung, um das Boot zügig zu füllen. Eine reguläre Pumpe wäre für eine Wanderung viel zu schwer, daher wird ein Sack aus dünnem Gewebe an den Lufteinlass des Bootes geschraubt. Mit einer geschickten Bewegung wird nun Luft über eine Öffnung in den Sack gelassen, dieser dann schnell geschlossen und die Luft in das Boot gepresst. Es dauert keine 15 Minuten, bis unsere Boote voll sind und wir uns von einem kleinen Holzsteg aus auf den See begeben können. Wieder überraschen die Boote, denn sie liegen sehr stabil auf dem Wasser und geben ein sicheres Gefühl.

Entspannt über den See

Wir genießen immer noch die Stille des Sees, müssen von Zeit zu Zeit aber gegen den Wind anpaddeln, um nicht zurück oder ans Ufer gedrückt zu werden. Das Gewässer wirkt mehr wie ein großer ruhiger Fluss als ein See. Die Ufer sind nicht weit voneinander entfernt und mäandern idyllisch durch die wallonischen Hügel. Die Boote laden dazu ein, jeden Winkel des Sees zu erkunden. Geschwindigkeit hat keine Bedeutung auf dem Wasser, und es genügen wenige Paddelzüge, um den Blick hinter die nächste Kurve zu werfen oder um sich mitten auf dem Wasser einfach zu drehen und eine Rundumsicht zu erhalten.

Kurz vor der Talsperre gehen wir über eine Rampe zurück an Land und sind nun wieder am Ausgangspunkt unserer Wanderung. Weil wir schon einen guten Ein- druck vom Wasser aus bekommen haben, wollen wir am anderen Tag den See auch zu Fuß umrunden. Die Nacht verbringen wir auf dem Campingplatz in Maboge, unmittelbar neben dem Fluss. Je nach Wasserstand wären auch weitere Fahrten außerhalb des Stausees mit dem Schlauchboot oder dem Kajak möglich.

Neben der ursprünglichen Natur hat die Region aber auch ein kulturelles Zentrum, das einen längeren Besuch absolut wert ist: La Roche-en-Ardenne. Hier gibt es viele Möglichkeiten zur Einkehr und Übernachtung, und so beschließen wir hier in einem der Restaurants direkt am Fluss, uns für den folgenden Tag zu stärken. Die Kraft brauchen wir, denn der knapp 16 Kilometer lange Weg um den See ist anspruchsvoll. Es geht hauptsächlich über kleine Pfade direkt am Ufer entlang. Über zwei kleine Brücken werden die Uferseiten der westlichen und östlichen Ourthe gewechselt, bevor einige Steigungen wieder zur Staumauer führen.

Der urwüchsige Weg zieht uns ganz und gar in seinen Bann. Dennoch blicken wir gelegentlich auf den See und trauern dem entspannten Treiben im Packraft hinterher – es wird nicht unsere letzte Wanderung mit Boot gewesen sein.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Aktuelle Beilagen und Specials

  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat

Events

Zur Zeit liegen keine Events vor …