"Die Bekleidungsindustrie ist die zweitschmutzigste Industrie der Welt"

Vieles von dem, was wir tagtäglich am Körper tragen, ist alles andere als sauber. Und selbst das, was wir draußen in der Natur tragen, hat Folgen für die Umwelt! Während die Industrie bei Schadstoffen wie PFC Fortschritte macht, bleibt die Frage der Entsorgung nach wie vor größtenteils ungelöst. Für Dr. Rüdiger Fox, CEO des Technologieanbieters Sympatex, ist das aber eine der zentralen Fragen der gesamten Menschheit ...

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Interview: Andreas Mayer

Herr Dr. Fox, wie soll Outdoor-Bekleidung Ihrer Meinung nach in der Zukunft aussehen?

Dr. Rüdiger Fox: Dafür sollten wir uns zunächst einmal die Frage stellen, wie weit wir die Diskussion rund um ihre Funktion und Performance schon getrieben haben und ob wir da überhaupt noch mehr investieren müssen. Oder ob wir nicht einfach sagen können, dass das Niveau, das wir erreicht haben, völlig ausreichend ist und dass wir uns stattdessen anderen Aspekten widmen können, nämlich dem ökologischen Fußabdruck unserer Produkte. Leider wurde uns über die letzten Jahrzehnte hinweg beigebracht, dass alles, was ökologisch, nachhaltig, biologisch ist, ein Kompromiss ist. Wir versuchen aktuell, diese Diskussion in eine andere Richtung zu lenken: Wir sollten uns nicht weiter darüber Gedanken machen, was wir an einer sowieso schon perfekten ­Jacke oder einem sowieso schon perfekten Schuh für Wanderer noch optimieren können, sondern wie wir ihn herstellen können, ohne in anderen Teilen der Welt Dinge zu hinterlassen, die uns spätestens unsere Kinder vorwerfen werden. Die perfekte Outdoor-Jacke ist also die, die keinerlei Abstriche an unseren Ansprüchen macht und trotzdem keine Spuren hinterlässt!

Dazu müsste aber auch seitens der Industrie zunächst einmal ein Umdenken stattfinden ...

Wir alle haben das Problem, dass wir glauben, dass uns das, was außerhalb unseres eigenen Schrebergartens passiert, nichts angeht. Darauf ist unsere gesamte Betriebswirtschaftslehre aufgebaut, das bringen wir schon den Studenten in den Hochschulen bei, so erziehen wir unsere ­Manager. Das führt dazu, dass niemand wirklich hinschaut, was wir hier auf der Erde eigentlich veranstalten. Die Schuhindustrie beispielsweise produziert aktuell jedes Jahr 23 Milliarden Paar Schuhe. Bei etwas mehr als sieben Milliarden Menschen heißt das: Für jeden produziert sie drei Paar – vom Säugling bis zum Greis, jedes Jahr! Und irgendwo müssen die hin! Entweder boomt also die Kleiderschrankindustrie, damit wir sie alle unterbringen können, oder uns ist das alles wurscht, weil sie so billig sind und ruhig irgendwann irgendwo angeschwemmt werden können. Sowohl Konsumenten als auch Hersteller müssen dringend den Blick von ihrer direkten Zweierbeziehung heraus erweitern und sich fragen, was jenseits davon rechts, links, davor und danach passiert. In ­Pakistan leben 200 Millionen Menschen von einem Fluss, von ­dessen Wasser die Bekleidungsindustrie 70 Prozent abzieht. Sie mag zwar für das Wasser bezahlen, nicht aber für die Konsequenzen, den sozialen Schaden, die Risiken, die in der Zukunft liegen. In dem Moment, in dem ich einen Schuh auf den Markt bringe, kann mir formell als Unternehmer der Rest egal sein.

Das komplette Interview erhalten Sie in Ausgabe 4/2018 von wanderlust. Hier können Sie das Magazin nachbestellen.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 04 / 2018

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