Update 8: Goodbye Patagonia

Seit meinem letzten Artikel Mitte Januar hat sich bei mir viel getan. Der wichtigste Aspekt war sicherlich die kurzfristige Änderung meiner Reisepläne.

Nalca-Pflanze
Riesige Nalca-Pflanzen, die mit unserem Rhabarber verwandt sind, im Pumalin-Park
© Andreas Tomsche

Ursprünglich hatte ich geplant, bis Mitte April in Patagonien zu wandern und von dort aus dann nach Kalifornien zu fliegen, um den Pacific Crest Trail (PCT), einen 4.300 km langen Fernwanderweg, in Angriff zu nehmen. Stattdessen sitze ich gerade in Sevilla und bereite mein nächstes Abenteuer vor, das schon morgen beginnt.

Da das Kapitel „Patagonien“ für mich seit wenigen Tagen beendet ist, möchte ich zunächst von meinen letzten Touren dort berichten:

Nachdem ich Mitte Januar gerade meine Wanderung im chilenischen Torres del Paine-Nationalpark beendet hatte, bei der die Zeltplätze teilweise unangenehm voll waren (man sah die Toilette vor lauter Zelten nicht mehr!), wollte ich ursprünglich in Richtung des argentinischen Trekking-Mekkas El Chalten weiterziehen. Mein deutscher Wanderführer riet mir allerdings von einer Anreise in den patagonischen Sommermonaten Januar und Februar ab, weil dort die Zeltplätze und Wege überfüllt sein sollen. Weil ich dieses unangenehme Deja-vu-Erlebnis unbedingt vermeiden wollte, entschloss ich mich dazu, mit dem Bus zunächst in 32 Stunden nach Puerto Montt und damit an das nördliche Ende der Carretera Austral zu fahren. Da diese Straße durch etliche Nationalparks und wunderschöne Landschaften führt, wollte ich dort unbedingt einmal wandern. Allerdings muss man insbesondere als zu-Fuß-Reisender wissen, dass ein Großteil der Strecke eine Schotterpiste ist, was das Wandervergnügen schon ab und zu schmälern kann.

Tsunamis
Tsunamis, in chilenischen Küstenorten eine latente Gefahr
© Andreas Tomsche

Gestartet habe ich meine Trekking-Tour im Pumalin-Park, dem größten privaten Nationalpark der Welt. Es ist ein überregionales Vorzeigeprojekt wie privates Kapital zum Zweck der Umwelt und der Allgemeinheit eingesetzt werden kann. Es ist sehr schade, dass dessen Begründer, der Amerikaner Douglas Tompkins, Ende 2015 bei einem Kajakunfall tödlich verunglückt ist. Nach einigen Tagen habe ich dann den Ort Chaiten, etwas südlich den Parks liegend, erreicht. Dieser wurde 2008 beim Ausbruch des gleichnamigen Vulkans zu großen Teilen durch den Lavastrom zerstört. Nach und nach kommen immer mehr der damals evakuierten Bewohner zurück. Das einmalige an Chaiten ist der morbide Charme des Ortes durch die noch allgegenwärtige Zerstörung. Der Strand ist komplett mit einer Ascheschicht bedeckt, viele Häuser sind zerstört und sehen aus, wie mit einem großen Bagger zusammengeschoben! Völlig surreal!

Von Chaiten aus bin ich dann mit dem Bus (und einem Zwischenstopp in der Stadt Coyhaique) in den Ort Cochrane weitergereist. Dort bin ich dann zu meinem nächsten Wander-Abschnitt auf der Carretera Austral nach Villa o‘ Higgins gestartet. Auch hier war die Landschaft sehr abwechslungsreich, teilweise auch atemberaubend. Vom chilenischen Villa o‘ Higgins, dem südlichen Ende der Carretera Austral, wollte ich dann in einer zweitägigen Reise mit der Fähre, zu Fuß, nochmals mit der Fähre und abschließend mit dem Bus ins argentinische El Chalten aufbrechen, um dort einige Tage zu wandern. Leichter geplant als getan! Erstes Problem war der starke Wind, der über Tage verhindert hat, dass eine Fähre starten kann. Somit saß ich einige Tage in dem 2000-Seelen-Ort Villa o‘ Higgins fest und lernte, mich noch besser in Geduld zu üben. Als ich dann einige Tage später in der selbsternannten nationalen Trekking-Hauptstadt Argentiniens, El Chalten ankam, war das Wetter erstmal schlecht. Dazu gesellten sich dann auch noch meine Probleme Nr 2 und 3. Ich erwartete seit langem zwei Pakete aus Deutschland. Eines hing beim argentinischen Zoll in der Nachbarstadt von El Chalten, in El Calafate. Was sich im dichtbesiedelten Deutschland nicht nach einem großartigen Problem anhört, bedeutet in Patagonien: das Paket ist immer noch drei Stunden mit dem Bus entfernt. Da das zweite Paket im chilenischen Puerto Natales (nochmals 5 Stunden per Bus von El Calafate entfernt) auf mich wartete und ich in wenigen Tagen von El Calafate aus nach Spanien fliegen wollte, blieb mir nichts anderes übrig, als vorzeitig und nach nur einer kurzen Wanderung, aus El Chalten abzureisen.

Letztlich konnte ich dann doch noch meine beiden Pakete vor dem Abflug einsammeln. Aber eine Erkenntnis bleibt: Die Post in Chile und in Argentinien „tickt“ anders als in Deutschland. Für dringende Sachen sollte man in diesen beiden Ländern nach anderen Lösungen (evtl. private Paketdienste?) suchen!

Aschstrand
Aschstrand des chilenischen Ortes Chaiten
© Andreas Tomsche

Da „mein“ Patagonien-Kapitel jetzt beendet ist, bleibt natürlich noch die Frage, welche Erkenntnisse ich von dort mitbringe:

Landschaftlich bleibt festzuhalten, dass Patagonien atemberaubend ist. Nur halt nicht überall. Dies bedeutet, dass Langstreckenwanderungen, so wie von mir anfänglich geplant (ich wollte eigentlich dort nur trekken), keinen Sinn machen. Da die landschaftlichen Höhepunkte (wie z.B. der Nationalpark Torres del Paine oder El Chalten) weit auseinander liegen, geht es ohne Bus, Rad oder Hitchhiking nicht! Außerdem sollte man als potenzieller Patagonien-Reisender wissen, dass das Preisniveau an allen Orten, an denen sich wo sich viele Touristen aufhalten, teilweise extrem hoch ist. Für mich als Neu-Langzeitreisender war es sehr interessant, dass dort etliche andere und weit erfahrenere Langzeitreisende unterwegs sind. So traf ich ein Paar aus Deutschland, das seit fünf Jahren um die Welt radelt. Oder einen Polen, der gar seit 2005 um die Welt reist und sich sein Geld mit abendlichen musikalischen Auftritten verdient.

Für mich persönlich war es eine sehr wichtige Erfahrung, dass ich noch weit mehr Gepäck abwerfen kann und damit leichter und mit mehr Freude unterwegs sein kann. Brauchte ich bisher zwei Rucksäcke sowie einen Transporter, um den zweiten Rucksack hinter mir her zu ziehen, habe ich in Patagonien gelernt, über längere Zeit aus einem Rucksack zu leben. Diese Erkenntnis werde ich schon bei meiner nächsten Reise umsetzen:

Bekanntlich habe ich meine Langzeitreise ja im Juni 2015 mit einer fünfmonatigen Pilgerwanderung von meiner Haustür in Deutschland nach Santiago de Compostela begonnen. Dort war ich als Pilger Teil einer Community. Alle gingen denselben Weg und hatten ihre jeweilige Motivation, um auf den Weg zu gehen. Somit gab es tagsüber beim Pilgern und abends in der Herberge viel zu reden, zu diskutieren und auch etliche neue Erkenntnisse für mich. Recht schnell nach meiner Ankunft in Patagonien stellte ich fest, dass ich mich in den Hostels dort als Außenseiter fühlte. Denn dort folgt jeder Tourist seinem individuellen Reiseplan. Die einen machten einen Tagesausflug zu den Pinguinen, die anderen blieben im Hostel und wiederum andere machten eine Wanderung. Worüber sollte man da abends reden? Somit blieben natürlich auch neue (spirituelle) Erkenntnisse für mein weiteres Leben aus!

Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, wieder nach Spanien zurück zu kehren und im März/April auf der Via de la Plata (einem Jakobsweg) von Sevilla rd. 1.000 km nach Santiago zu laufen. Diesen Weg hatte ich 2013 bereits begonnen, musste ihn aber nach ca. einem Drittel aufgrund eines geschwollenen Beines abbrechen.

Anschließend werde ich dann im Mai/Juni auf der Via Francigena von Lausanne (Schweiz) aus rd. 1.200 km über die Alpen nach Rom pilgern. Mein Leben bleibt also abwechslungsreich und voller Überraschungen. Mal schauen, was auf meiner Langzeitreise noch alles passiert...

Euer Andreas Tomsche

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