360 Meter Spannung

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Gelungener Drahtseilakt: Die Hängebrücke im Hunsrück heißt so wie das Flurstück, auf dem sie fußt. Lay bezeichnet rheinisch eine Felsplatte, Geier stammt von mittelhochdeutsch „gir“ ab und steht vermutlich für verschiedenste „gierige“ Greifvögel, die gern um den Felsabhang jagten.
© Beate Wand

Auch wenn ihr Name sich auf viele Greifvögel an einem Felsen bezieht: Sie durfte die Wildkatze nicht verjagen, die neue Geierlay. Bilder aus Fotofallen beweisen, dass eine Mama ihre Jungen nahe der Brücke großzieht. Nicht ungewöhnlich, dass die geschützten Tiere trotz Trubel bleiben. Schließlich bringt die Brücke jede Menge Mäuse nach Mörsdorf!

Text: Beate Wand

Schön locker in den Knien! So geht es sich am besten, wenn der Boden unter den Füßen nachgibt. Dabei sind die vier nebeneinander liegenden Kanthölzer aus sechs Zentimeter dicker Douglasie durchaus stabil. Aber ihre Verankerungen schrauben sich in eine hängende Konstruktion. 360 Meter lang schwingt sie über 100 Meter tiefem Grund. Eines der typischen Kerbtäler, die sich von der Hochfläche des Hunsrücks zur Mosel hinunterwinden. Durch den Maschendraht unterhalb der brusthohen, vier Zentimeter dicken Tragseile jagt der Blick in die Tiefe. „Klaus“, „Jule“ und „Milena“ steht da, darunter ein großes Herz, wie aus Streichhölzern zusammengelegt. Später, als wir im Talboden daran vorbeigehen, entpuppen sie sich als Baumstämme. Einen ruhigen Moment für ein Foto zu erwischen ist schwierig. Denn viele andere Füße bringen die Brücke zum Wippen. Mit einem dicken Rucksack auf dem Rücken muss man sich bei Gegen-verkehr schon ein wenig ans Geländer schieben. Die Geierlay-Hängebrücke ist eben sehr beliebt. Nach nur vier Jahren trat der millionste Besucher auf ihre Bretter.

Brücke als Business

Solch eine Resonanz hätte selbst Ingo Börsch nicht erwartet. Dabei gehört er zum Trio der Brückenträumer, die bedingungslos an diese Brücke glaubten, sie jahrelang hartnäckig durch Probleme wie Finanzierung, Genehmigungsverfahren und ein gespaltenes Dorf boxten. Bei einem Nordamerika-Aufenthalt hatte der Mörsdorfer nach Überqueren der Capilano Suspension Bridge im Norden Vancouvers Feuer gefangen. Der Gedanke, dass ein solches Bauwerk auch über den heimischen Kerbtälern eine gute Figur machen würde, ließ ihn nicht los. Wurde nach einem Workshop zur Dorfentwicklung jedoch erst mal zum Dornröschenschlaf verdammt. Und tatsächlich: Wer sich traut, beim Überqueren der Brücke den Blick von den Füßen in die Umgebung zu heben, der erkennt eine Parallele: Unter puffigen Wölkchen überzieht nichts als Wald die sanft gerundeten Buckel. Wo ihre Flanken sich abwechselnd versetzt nach hinten staffieren, lässt sich das Tal nur erahnen. Verborgen unter dichtem Grün. Ein Hauch von Kanada.

Den kompletten Artikel lesen Sie in wanderlust 4/2020. Das Magazin können Sie hier nachbestellen.

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