Ahrtal: Mal so richtig steilgehen

Aus einem lieblichen Wiesental taucht die Ahr hinter Kreuzberg in einen canyonartigen Felsenkessel. Senkrechte, fast über­kippende Wände zwingen den Rheinzufluss in große Schlingen. Doch Umwege lohnen sich: An der Schleife bei Altenahr jagt ein Naturspektakel das nächste – das Paradestück der Ahr!

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Unbeeinflusst: Im entlegenen Langfigtal darf die Ahr frei, ohne Uferkorsett, ihre große Schleife ziehen.
© Beate Wand

Text & Fotos: Beate Wand

Ein Stück weiter oben klafft ein Loch. Im Fels. Zum Durchgucken. Sieht aus, als hätte sich jemand mit der Schulter gegen die Steinwand gestemmt und – bumms – mal eben den Ellenbogen durchgestoßen. Wie im Film, bei den Papierwänden japanischer Häuser. Doch dieses Gestein ist deutlich härter! Rauhflaser, ein Gemisch aus Grauwacken, Schiefern, Sand- und Tonsteinen. Im spektakulären Engtal der mittleren Ahr wirkten Gebirgsfaltung und das spätere Einkerben des Flusses so zusammen, dass Felsklippen fast senkrecht 200 Meter emporstaken. Sie zwängen die schluchtartige Tal­sohle bis auf weniger als 80 Meter ein. Darin windet sich die Ahr in mustergültigen Schleifen, bis sich ihr Tal hinter der Engstelle zwischen Bunter Kuh und Katzenley kurz vor Walporzheim deutlich weitet. Doch hier, unterhalb des Lochs, fließt sie erst ein, in den spannendsten Abschnitt ihrer Reise von Blankenheim zum Rhein. Ein paar Schritte über Felsrippen weiter nach oben gekraxelt, passe ich, ohne den Kopf einzuziehen, aufrecht durch das Loch. Fast ein Tunnel, so dick misst die durchbrochene Wand. Welch Teufelswerk!

Und tatsächlich, ein anderer Wanderer, der gerade einen langen Schritt vom Loch zur Aussichtsplattform davorsetzt, schildert mit ernster Miene: „Der Teufel war eines Tages mit seiner Großmutter im Wald. Sie schlugen Holz und gerieten in einen großen Streit. Luzifer wütete derart, dass er seine Axt schleuderte. Sie verfehlte die Oma zum Glück, hieb aber dieses Loch in den Felsen.“ Hmmm, ist der Mann mit dem karierten Hemd glaubwürdig? Er stellt sich als Stefan vor, wohnt im nahen Bonn und erkundet schon seit Studienzeiten das Ahrtal. Ich schätze ihn auf knapp sechzig und er will mir ein paar tolle Wege durch sein geliebtes Ausflugsziel zeigen. Am Teufelsloch begeistert mich die Doppelaussicht: Mit dem Rücken zum Geländer tauchen in der unteren Hälfte des Lochs die Häuser von Kreuzberg auf. Eine halbe Drehung, und schon thront vor der Aussichtsplattform die Ruine Burg Are auf einem Felssporn über Altenahr. Sie wacht über eine Modelleisenbahn-Landschaft: Zwei schwarze Münder, einer für Züge, der andere für Autos, gähnen unten aus dem Felsband, das sich nach rechts zur Engelslay aufbuckelt. Knallhart verriegelt es der Ahr ihren Lauf. So kehrt der Rheinzufluss um und sein bräunliches Band schwimmt auf das Teufelsloch zu, bis es nach Süden schwenkt und unter hervorkragenden Felsen verschwindet.

Wenn es zwischen Teufelsloch und Engelslay eine Hölle gibt, dann ist sie grün. Stefan zeigt mir das etwas tiefer gelegene Schwarze Kreuz. Die Blicke jagen tief ins Langfigtal ­hinein. Über Felsen und Höcker, die es seitlich begrenzen, hinauf und wieder hinunter. Die große Schleife der Ahr lässt sich nur erahnen. Lediglich die senkrechten oder gar überhängenden Felswände treten gräulich aus dem grünen Patchwork hervor. Ansonsten turnen Eichen, Felsenbirnen und Ginster in noch so steiler Lage auf schroffem Fels herum, Farne quellen aus Ritzen hervor. Wo der Hang auf etwa 45-Grad-Neigung abflacht, überziehen ihn Glatthaferwiesen und Halbtrockenrasen mit schief stehenden Einzelbäumen. Trockenmäuerchen terrassieren die Schräge. „An diesen Stellen hatte der Mensch seine Finger im Spiel“, weiß Stefan. Es sind ehemalige Weinberge.

Den kompletten Text inklusive aller Fotos, der Tourenbeschreibung sowie der Tourenkarte zum sammeln und nachwandern erhalten Sie in Heft 4/2014 von wanderlust.

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Eintauchen: Die wilde Ahr auf Höhe der Naturschutz-Jugendherberge und unterhalb ehemaliger Weinberge zieht die Wanderer in ihren Bann.
© Beate Wand

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 04 / 2014

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