Auf der Flucht

Wo der Teutoburger Wald ausschwingt, trifft er auf münsterländische Parklandschaft. Ein Spannungsfeld, in dem sich früher die Nonnen aus Kloster Gravenhorst bei Gefahr hinter die schützenden Mauern der fürstbischöflichen Burg Bevergern retteten.

neuer_name
Friedlich: Breite Gräben, sogenannte Gräften, umziehen die Klostergebäude, schirmten sie früher von der Außenwelt ab. Die Zisterzienserinnen züchteten aber auch Fische darin.
© Beate Wand

Text: Beate Wand

Zartrosa öffnen sich die Blüten über den grünen Blättern, die wie kleine Inseln im Wasser schwimmen. In einer Ecke der Gräfte, so nennen die Westfalen einen breiten Graben, sammeln sich die kleinen Krönchen. Seerosen. Mit etwas Abstand zum Wasser stemmen sich dicke Mauern von hellem Sandstein aus dem Gras. Eine besondere Atmosphäre, irgendwie friedlich, umspinnt diesen Ort. Macht ihn auch zu einer Insel abseits hektischer Alltagswelt. Schafft Raum und Weite wie der mit weißen Wölkchen betupfte Himmel, der sich über meiner Picknickdecke aufspannt.

Ein kraftvoller Ort

Man könnte ewig verweilen, doch wenige Schritte von hier lockt der Teutoburger Wald. An seinem nordwestlichen Ende legt er sich allmählich nieder. Zwischen Hörstel und dem Ibbenbürener Ortsteil Püsselbüren beseelt mit Kloster Gravenhorst ein kraftvoller Ort inmitten von Wiesen und Wäldern die Gegend. Ritter Konrad von Brochterbeck hätte bestimmt nicht gedacht, dass hier 750 Jahre später eine Brutstätte der Kreativität sein würde, als er mit seiner Frau 1256 eine Zisterzienserinnenabtei gründete. 1808 löste ein Dekret Napoleons den Konvent auf.

Baulich hat sich seit der Säkularisierung nicht viel verändert. Sogar Kirche, Mühlengebäude, Back- und Brauhaus, Fundamente der alten Schmiede und die seerosenbesetzten Gräften der Wirtschaftseinheit blieben erhalten. 2004 öffneten die sanierten Gebäude als „DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst“ ihre Pforten einem breiten Publikum. DA steht dabei für Denkmal und Atelier. Klosterführungen, Ausstellungen, Workshops, Sommerateliers, Stipendiaten, Konzerte, Theateraufführungen und Lesungen füllen die alten Gemäuer mit Leben.

So friedlich und entspannt ging es hier aber nicht immer zu. Besonders in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges marschierten Truppen vandalierend und brandschatzend durch die Gegend, überfielen, plünderten und beraubten auch Gravenhorst. Mutmaßlich flüchteten die adligen Stiftsdamen auf dem sogenannten Nonnenpättken hinter die Mauern der damaligen Burg in der fürstbischöflichen Residenz Bevergern. Dort hatten sie von einem verschuldeten Bürger ein Haus als Zuflucht gekauft. Die wanderlust-Wanderung folgt ihrer Spur, auf der umgekehrt die Bevergerner die Kirche besuchten und die Wandmacher ihr Tuch zur Nachbereitung in die Gravenhorster Walkmühle brachten. Nur querten sie damals noch keine moderne Kanäle.

Den vollständigen Artikel inklusive aller Fotos und Wandertipps finden Sie auch in Ausgabe 4/2019 von wanderlust. Hier können Sie das komplette Magazin nachbestellen.

  • Kloster Gravenhorst

    Kloster GravenhorstBreite Gräben, sogenannte Gräften, umziehen die Klostergebäude, schirmten sie früher von der Außenwelt ab. Die Zisterzienserinnen züchteten aber auch Fische darin.Beate Wand

  • Am Nassen Dreieck

    Am Nassen DreieckNeben dem Hafen von Bergeshövede zweigt der Mittellandkanal vom Dortmund-Ems-Kanal ab, unter den Augen von Beobachtern in der Red Box auf der Kanalinsel.Beate Wand

  • Fundstücke

    FundstückeWasserspeier am Mühlenpättken in Bevergern.Beate Wand

  • Schöne Eindrücke

    Schöne EindrückeAuf dem herrlichen Mühlenpättken, neben den der wiedereröffnete Stadtgraben plätschert, läuft auch der Hermannsweg durch Bevergern.Beate Wand

  • Seerose

    SeeroseDie Seerose schwimmt in der Gräfte von Kloster Gravenhorst.Beate Wand

  • Panoramablick

    PanoramablickDie denkmalgeschützte Schöne Aussicht lässt über die Dächer von Riesenbeck hinweg weit ins platte Münsterland blicken.Beate Wand

  • Wald genießen

    Wald genießenwanderlust-Autorin Beate Wand lauscht Wünschen bei einer Kunstinstallation im Wald beim Kloster.Beate Wand

  • Ungewöhnliches Wohnhaus

    Ungewöhnliches WohnhausAnfang der 1970er kaufte ein Ehepaar den Ruinenstumpf von Levedags Mühle und restaurierte ihn so, dass er wieder bewohnbar wurde.Beate Wand

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Aktuelle Beilagen und Specials

  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat
  • catalog flat

Events

22.01 – 26.01.2020
Schöneck im Vogtland - Deutscher Winterwandertag