Barocke Lebenslust in Blieskastel

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Blick in die Schlossbergstraße mit den Residenzen der Hofräte.
© Edda Neitz

Das saarländische Blieskastel ist ein barockes Kleinod mit einer blaublütigen Vergangenheit. Dies verdankt es Gräfin Marianne von der Leyen. Mit einer Lauschtour-App und Kammerzofe Henrietta erfährt man mehr.

Text: Edda Neitz

Sie weiß alles über ihre Herrin. Nicht, weil sie heimlich an der Tür lauschte. Nein, dies hatte sie nicht nötig. Als Kammerzofe Henrietta war sie ständig an der Seite von Gräfin Marianne von der Leyen und jetzt, 300 Jahre später, hört man ihre Stimme bei der Lauschtour durch Blieskastel. Mit Marianne von der Leyen, geboren 1745 als Maria Anna Sophia Dalberg zu Herrnsheim, erlebte Blieskastel eine Glanzzeit, die noch heute nachwirkt.

Wenn Monika Link alias Kammerzofe Henrietta Besucher durch die Stadt führt, schlüpft sie in eines ihrer stilechten Kostüme. Das Spitzentuch, keck um die Schulter gelegt, zeugt von ihrem Stand. Jacke und Mieder werden mit Ösen und Bänder gehalten. „Da braucht man für das An- und Ausziehen viel Zeit. Welche Bedeutung dies für die Gräfin hatte, erzähle ich später“, sagt Henrietta. So mischt sie geschichtlich Korrektes mit Klatsch und Tratsch – ganz, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. „Langweilig war es der Gräfin hier nicht“, verrät die Kammerzofe Henrietta gleich zu Beginn der Stadttour. 1773 verlegte die gräfliche Familie von der Leyen ihre Residenz vom städtischen Koblenz ins dörfliche Blieskastel. Zu ihrer Herrschaft gehörte der Ort an der Blies schon länger. Dennoch war die Verwunderung über den Umzug in ihren Kreisen groß.

Die Grafen kommen

„Der Grund war ein Zickenkrieg mit Gräfin Metternich, den Marianne von der Leyen durch den Umzug beendete“, erklärt die Kammerzofe. Dass Gräfin Marianne eine Person war, die sich so schnell nichts vormachen ließ, zeigen ihre Porträts. Eines hängt im Rathaus am Paradeplatz, der auch der Startpunkt für die Lauschtour ist. Wenn man Glück hat (und keine Corona-bedingte Schließung vorliegt), kann man in das Gebäude hinein und sich die riesigen Ölgemälde des Grafenpaares ansehen: Marianne von der Leyen in einem dunkelroten Kleid, das unterhalb der Taille stark gebauscht ist. Ihre turmhohe Frisur mit Schleier und Blumen betont ihre Würde. Daneben das Porträt ihres Mannes, Reichsgraf Franz Karl von der Leyen (1736–75), der Harnisch trägt und königsblauen Samt.

Den kompletten Artikel lesen Sie in wanderlust 5/2020. Das Magazin können Sie hier nachbestellen.

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