Besuch beim Buckelapotheker

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Sprudelnde Schwarza an den Strudeltöpfen: Weil der mit konstanten sechs Grad Celsius nahe des Rennsteigs hervorquellende Fluss meist im Schatten dichter Bäume und über dunklen Grund fließt, bekam er seinen Namen.
© Beate Wand

Bis zu 300 Meter tief schneidet sich die Schwarza in den thüringischen Schiefer. Ein Juwel für Wanderer. Nicht nur, weil der Fluss als goldreichster Deutschlands gilt.

Text: Beate Wand

Unendlich viele Ästchen kleiden die gesamte Hütte aus. Von manchen blättert Birkenborke, andere glänzen glatt geschält. Von weißlich-silbern über alle möglichen Brauntöne bis burgunderfarben schimmernd, verströmen sie Wohlbehagen. Zurechtgesägt auf eine knappe Rucksackbreite und keine zwei Finger dick, formt jeweils rund ein Dutzend dieser Stöckchen ein Quadrat. Abwech- selnd neben- und übereinander genagelt, täfeln diese ein Schachbrettmuster unter die Decke, auf die Türinnenseite und an die drei Wände. Die vierte Wand öffnet sich zu einem riesigen Schaufenster. Über den Steilhang hinweg sausen die Blicke zu den Höhen des Thüringer Schiefergebirges. Unten im Talgrund schlingt sich die Schwarza um einen länglichen Bergsporn. Darauf thront Schloss Schwarzburg. Am Fuße des gebogenen Rückens drapieren sich die Häuser von Schwarzburg hübsch im Flusstal. Wegen der „Geschlossenheit des Bildes“ befindet Reiseschriftsteller Karl Emil Fran- zos diese Aussicht vom Trippstein als „eine der hübschesten Deutschlands und wohl die malerischste Thüringens“. 1901 erwanderte der in Berlin ansässige Österreicher das Schwarzatal. Lange vor diesem Besuch erlaubte der Schwarzburg-Rudolstädter Fürst Georg Heinrich Macheleidt, weil er ihm das Porzellan nacherfunden hatte, am Lieblingsplätzchen ein Borkenhäuschen zu errichten.

Landläufig zählt das Thüringer Schiefergebirge oft zum Thüringer Wald. Schließlich umfasst der Naturpark Thüringer Wald auch Bereiche des südöstlich daran andockenden Hauptkamms. An dessen südöstlichem Ende schließt sich mit dem Frankenwald noch ein Mittelgebirge an. Ein etwa 150 Kilometer langer Gebirgsriegel, der sich heranziehenden Tiefdruckgebieten quer entgegenstemmt. So fällt dort oben, wo sich der Rennsteig bahnt, ungewöhnlich viel Schnee. Das Klima auf dem Hochplateau ist äußerst rau. Anders als in vielen Teilen des Thüringer Walds „streben die Hügelrücken hier jäh und in den verschiedensten Formen aus dem tief gerissenen Tal der Schwarza wie zum Himmel auf“, beobachtet Franzos treffend. Ein abrupter Höhenunterschied, durch den die Trippstein-Aussicht viel höher gelegen wirkt als ihre bescheidenen 475 Meter über dem Meeresspiegel. Der weite Blick, auch über die Hangkante gegenüber hinaus, verstärkt den täuschenden Effekt. „Dort ganz rechts, wo das Wäldchen wie eine Frisur auf der Hochfläche sitzt, da ist der Fröbelwald“, zeigt Katharina Eichhorn durch das Fenster in der Hütte. Er grenzt an Oberweißbach. Da kommt sie her.

Zusammen sind wir den Hang hinaufgekraxelt. Von Schwarzburg aus. Die einstige „Perle von Thüringen“ könnte noch ein wenig aufpoliert werden: Leere Fenster gähnen in Geisterhäusern, Fassaden bröckeln, Girlanden aus abgestorbenen Efeu-Strünken ranken um verlassene Veranden. Dagegen blitzen die herausgeputzten Fachwerkhäuser. Schon zur touristischen Blütezeit vor 120 Jahren buhlten verglaste Türmchen unter verspielten Dächern, Wintergärten in hervorspringenden Erkern und geschützte Freisitze hinter geschnitzten Geländern um die zahlreich einströmenden Sommerfrischler. Heute spannungsreicher Mix mit dem Unperfekten. Der 550-Seelen-Ort könnte durchaus wieder mehr naturbewusste Outdoorliebhaber anziehen. Rücken doch an seinem Ende die Felsen des Schlossbergs besonders dicht an den Gegenhang. Dort darf die Schwarza noch frei schwingen, ist nicht – wie in ihrem späteren Lauf – in ein steinernes Bett an der Straße gezwängt. Perle hin oder her, die rauschende Schwarza glänzt noch mit inneren Werten: Ein Schild am Ufer überrascht mit den weißen Lettern „Goldwaschplatz“.

Den kompletten Artikel lesen Sie in wanderlust 5/2021. Das Magazin können Sie hier nachbestellen.

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