Die grüne Großstadt

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Der Große Garten in Herrenhausen, mittendrin: die Glockenfontäne, gespeist aus 164 Düsen.
© Wolfgang Stelljes

Es gibt in Deutschland wohl kaum eine andere Großstadt, die so stark unterschätzt wird wie Hannover. Warum nur? Wanderlust fand barocke Gartenkunst und einen der größten Wälder Europas im Herzen einer Großstadt.

Text: Wolfgang Stelljes

Es gehört zu den beständigsten Vorurteilen über Hannover, dass die Stadt langweilig ist. Das aller- dings kann nur sagen, wer noch nie da war. Wer sich auf die niedersächsische Landeshauptstadt einlässt, vielleicht sogar etwas länger, der will mitunter gar nicht wieder weg. So ging es auch Jürgen Veith. „Ich schätze diese Stadt ungeheuer“, sagt der gebürtige Saarländer und pensionierte Kriminalbeamte. Ein Grund: „40 Prozent der Stadtfläche sind grün oder blau.“ Für ein kräftiges Blau sorgen Maschsee, Ricklinger Teiche und Leine. Geht es um das Grün, werden in der Regel zwei Orte genannt, die unterschiedlicher kaum sein könnten: die Eilenriede und die Herrenhäuser Gärten.

Lustwandeln im Barockgarten

Jürgen Veith hat, kaum im Ruhestand, in Hannover Kulturwissenschaften studiert. Nun bietet er Führungen an, unter anderem durch die Herrenhäuser Gärten. Der Plural verrät: Es handelt sich um mehrere Gärten. Georgengarten und Welfengarten sind im Stil englischer Landschaftsgärten angelegt, hier rollen Yogis ihre Matten und Familien ihre Picknickdecken aus. Der Berggarten wiederum ist ein Muss für alle Fans floraler Gartenkunst. Erste Adresse für die meisten der rund 600.000 Besucher im Jahr ist jedoch der Große Garten, einer der bedeutendsten Barockgärten Europas.

Wir betreten den Großen Garten durch das wiederaufgebaute Schloss. Es war 1943 bei einem Bombenangriff zerstört worden, seit 2013 erstrahlt es in alter Pracht. „Die Barockzeit war eine Zeit des Angebens“, sagt Veith, die Botschaft lautete: „Ich bin der Größte“. Der 74-Jährige nennt Namen, viele Namen, gefühlt hieß jeder zweite hannoversche Regent entweder Georg oder Ernst-August. Mehrere Georgs residierten allein im fernen London, dank einer Personalunion, die sich für die Herrenhäuser Gärten im Nachhinein als Glücksfall erweisen sollte, weil sie aus dem Blick gerieten und nicht – wie andere Barockgärten – den gerade vorherrschenden Moden zum Opfer fielen.

Georg hin, Ernst-August her, es waren vor allem zwei Frauen, die sich um den Großen Garten verdient gemacht haben. Die Kurfürstin Sophie verlieh ihm im 17. Jahrhundert sein heutiges Gesicht, ein Denkmal aus Carrara-Marmor erinnert an die große alte Dame von Herrenhausen. Damals suchten die Damen des Hofes noch Schutz vor der Sonne in einer Grotte neben dem Schloss. „Sie wollten ihre fürstliche Blässe behalten“, sagt Veith. Diese Grotte verkam in den London-Jahren zur „Rumpelkammer“, bis man sich ihrer im Vorfeld der EXPO 2000 entsann und Niki de Saint Phalle mit der Neugestaltung beauftrage. Die Schöpferin der weltberühmten Nanas machte sich ans Werk und schuf einen Ort voller Symbolik. Nur ein Beispiel: Vier schwarzweiße Buchstaben, versetzt angeordnet auf einem Spiegelmosaik, ergeben das Wort BEAN – eine Hommage an Mr. Bean, die Künstlerin war ein großer Fan des britischen Komikers.

Den kompletten Artikel lesen Sie in wanderlust 1/2022. Das Magazin können Sie hier nachbestellen.

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